Sind Light Produkte wirklich gesund?

Helfen Light Produkte wirklich beim Abnehmen und sind sie gesund?


Die Lebensmittelindustrie sendet den Verbrauchern seit einigen Jahren ein eindeutiges Signal: "Du darfst" ist die einhellige Botschaft. Reuefreies Schlemmen ist wieder erlaubt, das gesunde Kürbiskernbrötchen darf wieder mit einer zweiten Scheibe Wurst belegt werden, denn sie ist ja leicht, liegt nicht mehr schwer im Magen, verursacht keine Schuldgefühle oder gar störende Fettpolster. Wurst, Käse, Joghurt, Milchreis, sogar Schokolade sind in der Light-Variante erhältlich. Und so greifen bevorzugt Abnehmwillige und Gesundheitsbewusste zu diesen Produkten, denn gesünder sollen sie sein, weil sie weniger Fett, Zucker und Kalorien enthalten. Die Versprechen sind groß, doch können die verschiedenen Lebensmittel diese vollmundigen Versprechen auch halten?

Light nicht leicht
Der Light-Begriff ist weder gesetzlich, noch ernährungswissenschaftlich geschützt. So umfasst er eine Spanne von möglichen Bedeutungen. Je nach Lebensmittel kann es sich dabei um eine kalorienreduzierte, fettarme, zuckerreduzierte, Kohlensäurearme oder Koffein-reduzierte Variante handeln. Lediglich einige wenige Bezeichnungen erlauben eine genauere Zuordnung, fettreduziert dürfen sich nur solche Produkte nennen, deren Fettgehalt mindestens 40 Prozent unter dem normaler Lebensmittel liegt. Dasselbe Prinzip greift bei kalorienreduzierten Lebensmitteln.

Light-Produkte reich an Zusatzstoffen
Die Stiftung Ökotest testete 24 verschiedene leichte Lebensmittel auf ihren Nährstoffgehalt und gelangte zu teilweise beunruhigenden Erkenntnissen. So enthielten Cornflakes zwar wenige Kalorien, dafür aber Krebs erregendes Acrylamid. Auch andere Produkte überzeugten die Tester nicht. Statt gesunder Erdbeeren waren Light-Joghurts mit Aroma- und Geschmacksstoffen versetzt. Das scheint überhaupt das Prinzip der Light-Produkte zu sein: man entziehe natürlich enthaltenes Fett oder Zucker und ersetze es mit einer der zahlreich vorhandenen chemischen Zusatzstoffe. So mag „light“ vielleicht leicht sein, gesünder sind diese Lebensmittel deswegen aber noch lange nicht. Auch der Preis der Light-Produkte ist meist deutlich höher als der des normalen Erzeugnisses.
 Süßstoff- der heimliche Dickmacher?
Ein vor allem bei Süßwaren sehr beliebter Austauschstoff ist Süßstoff. Aspartam, Cyclamat und Saccharin sind die bekanntesten der synthetisch hergestellten Zucker. Obwohl Süßstoff gegenüber Zucker viele Vorteile hat, versuchen etliche Studien den negativen Langzeiteffekt des synthetisch hergestellten Süßmachers herauszustellen. Ein häufig vorgebrachtes Argument ist das der Gewichtszunahme bei häufigem Genuss mit Süßstoff versetzter Lebensmittel. So sehr verschiedene Quellen auch den Süßstoff - hier vor allem die Phenylalaninquelle Aspartam - verteufeln möchten, gesicherte Erkenntnisse über die Schädlichkeit gibt es bislang aber noch nicht.

Light Produkte: hohe Energiedichte führt zu Übergewicht
Eine Gruppe Wissenschaftler um den Forscher David Pierce versuchte ebenfalls den dick machenden Effekt von Light-Produkten zu bestätigen. An der Universität von Alberta wurden alte und junge Ratten zunächst mit Light-Produkten gefüttert, im Anschluss gab man ihnen Normalkost. Das Ergebnis: Besonders die im Vorfeld genetisch auf Übergewicht vorprogrammierten Nager nahmen einen Großteil mehr Kalorien zu sich, als für die Deckung des Bedarfs nötig wäre, zu sich. Sie nahmen zu. Die Forscher führten dieses Ergebnis auf ein verändertes Hunger- und Sättigungsgefühl zurück. Nach dem Genuss mit Süßstoff oder anderer Austauschstoffe versetzter Lebensmittel fällt der Blutzuckerspiegel bereits nach kurzer Zeit rapide ab, ein Heißhungergefühl veranlasst sowohl Nager als auch Menschen, erneut Kalorien zu sich zu nehmen. Gewichtszunahme ist die unweigerliche Folge.
Auch die durch die Nahrungsaufnahme angestrebte Sättigung setzt bei Light-Produkten erst viel später ein.

Light Produkte haben höhere Energiedichte
Eine weitere Studie unterstützt die Ergebnisse Pierces. Die Forschergruppe um Helen L. Fontaine untersuchte verschiedene Light-Produkte auf ihre Energiedichte. Im Vergleich zu diversen Gemüsegerichten wiesen alle getesteten Lebensmittel einen bedeutend höheren Wert auf. Dieser Wert komme durch die Vielzahl verwendeter industriell hergestellter Kohlenhydrate zustande, sagen die Wissenschaftler der Deakin Universität Melbourne. Da Menschen dazu neigen, zu viel Energie und Gewicht zuzunehmen, je höher die Energiedichte ist, raten die Forscher Menschen, die abnehmen möchten, lieber naturbelassene Lebensmittel auf den persönlichen Speiseplan zu setzen.

Light-Lebensmittel verändern das ganze (Ess-)Leben
Light Produkte seien ein „Freibrief für ungehemmten Konsum“, so Dr. Helmut Oberritter, von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Anstatt den Umgang mit gesunder Ernährung zu fördern, führen sie zu falschen Annahmen. Der Verbraucher erhält den Eindruck, dass Light-Produkte sowohl Kalorien- als auch Fett/zuckerreduziert seien, sodass man mehr davon konsumieren darf - ein weit verbreiteter Irrglaube. Spätestens mit der zweiten Scheibe leichter Wurst ist der Kalorienspar-Effekt wieder aufgehoben.

Light bleibt Fett
Der „light“ Zusatz ist in der Tat eine geschickte Verwirrung, denn wer hat, nicht schon einmal die Light-Mayonnaise erworben, in der Hoffnung auf gesunden aber schmackhaften Genuss?
Doch gerade hier täuscht die Bezeichnung „leicht“ über die tatsächlich enthaltenen Nährwerte hinweg. Eine leichte Salatsoße ist immer noch sehr fettreich, die natürlichere und gesündere Variante ist eine Joghurtsoße. Auch die häufig als fettfrei deklarierten Gummitiere diverser Hersteller führen viele Verbraucher in die Irre. So ist zwar wirklich kein Fett enthalten, im Gegenzug enthält der farbenfrohe Knabberspaß aber hohe Mengen Industriezucker.

Kalorien- und Fettangaben kontrollieren
Während Light-Produkte in manchen Fällen durchaus Sinn machen - erwähnt seien in diesem Zusammenhang Käse- und Milchprodukte - sollten sie nicht im Übermaß genossen werden. Die gesunde Alternative ist, natürlich fettarme Lebensmittel der leichten Variante vorzuziehen. So hat ein Light-Quark immer noch bis zu 30 Prozent Fettanteil, während ein Magerquark ohne diese Bezeichnung nur über einen Bruchteil dieser Menge verfügt. Ein genauer Blick auf das mittlerweile gesetzlich vorgeschriebene Etikett auf der Packung enthüllt die genaue Zusammensetzung des Lebensmittels. Neben den tatsächlich enthaltenen Fettanteilen verraten diese auch den Gesamtkalorienwert. So sollte eine durchschnittlich aktive Frau mittleren Alters nicht mehr als 2.200 Kilokalorien täglich zu sich nehmen, ein Mann benötigt etwa 1.900 bis 2.600 Kalorien.