Sinn und Unsinn der Mülltrennung

Mülltrennung ist mühsam, aber ökologisch sinnvoll, oder etwa nicht? Experten prognostizieren das Ende der Gelben Tonne.


Immer wieder hört man, dass Mülltrennung sinnlos wäre, da der Müll zunächst wieder zusammengekippt und anschließend in den Fabriken ohnehin durch Sortiermaschinen getrennt werde. Was ist dran?

Problem: Fehler bei der Sortierung
Ob aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit – Müll wird selten zu 100 Prozent richtig getrennt. Da landet Styropor von der Verpackung des neuen Fernsehers im Altpapiercontainer, obwohl es eigentlich zum Restmüll gehört. Die kleinen Kügelchen, die fast nicht mehr vom Altpapier getrennt werden können, machen eine vollständige Wiederverwendung von Papier unmöglich. Solche Fälle von Fehlbefüllungen kommen recht häufig vor. Das wiederum führt dazu, dass der Müll aufwendig von den Mitarbeitern der Entsorgungsbetriebe nachsortiert werden muss. Folge: Das Recycling wird teurer.

Müllverbrennung vs. Recycling
Eine effektive Methode die Müllberge loszuwerden, ist die thermische Weiterverarbeitung – oder Müllverbrennung. Die daraus entstehende Energie wird heute schon als gleichwertiger Ersatz zum Hüttenkoks genutzt. Mal davon abgesehen, dass nicht alle Verpackungen verbrannt werden können, da giftige Stoffe entstehen, ist diese Methode jedoch nicht gerade im Sinne des Planeten. Umweltschutzexperten kritisieren, dass wertvolle Rohstoffe einfach verfeuert würden. Zwar sind Müllverbrennungsanlagen günstiger als Recycling, jedoch wird, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, Müll aus dem Ausland importiert. Diese Transporte sind wiederum eine Belastung für die Umwelt. Ein weiteres Problem ist, dass mit dem gesteigerten Einsatz von Müllverbrennung die Bedeutung des Recyclings zurückgeht. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise sind die Kosten für die Verbrennung einer Tonne Müll von durchschnittlich 174 Euro auf gerade mal 80 bis 90 Euro gesunken. Die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen sinkt, während neue Müllverbrennungsanlagen geplant sind.

Duales System überholt?
Ende 1990 wurde in Deutschland das Duale System eingeführt. Gegen eine Gebühr – die von den Herstellern der Produkte bezahlt wird – kam ein Grüner Punkt auf recyclefähige Verpackungen. Von den Einnahmen werden Müllabfuhr, Sortierung und Entsorgung bezahlt. Die Hersteller erhöhten, um die Kosten für das Recycling wieder hereinzubekommen, die Preise für ihre Produkte. Sinn und Zweck des Dualen Systems ist die Wiederverwertung alter Verpackungen. Doch die Verbraucher müssten, um effektiv recyceln zu können, richtig trennen. Heute sind zwar schon hochtechnisierte Sortiermaschinen im Einsatz, die Wertstoffe voneinander trennen, jedoch reichen die Kapazitäten noch nicht, um den ganzen Müll der Deutschen dorthin zu schicken. Also weiter selbst trennen?
Experten sehen voraus, dass in nicht allzu ferner Zukunft der ganze Müll wieder in einer Tonne landet.

Fazit
In vielen Städten laufen Pilotprojekte, um den Menschen die Mülltrennung abzunehmen. Statt mühsamer Unterteilung der einzelnen Verpackungskomponenten in die einzelnen Tonnen, wird der gesamte Hausmüll als Ganzes in die Entsorgungsbetriebe geschickt, wo er sortiert wird. Fakt ist: Computer können effektiver und sauberer trennen als es ein Mensch je könnte. Die Maschine kann beispielsweise bis zu 10 verschiedene Kunststoffe auseinanderhalten.
Die Inhalte von gelber und Restmülltonne werden sich immer ähnlicher, was nicht mehr sortiert werden kann, muss aufbereitet werden, um als Brennstoff zu dienen. Hinzu kommt, dass ohnehin nur geringe Mengen des Haushaltsmüll tatsächlich recycelt werden, sondern verbrannt werden.

(Letztmalig aktualisiert: 24. Juni 2009)