Schöne neue Welt? Möglicherweise gibt es in Zukunft Milch, die sich in ein warnendes Signalrot färbt, sobald sie schlecht ist. Möglich gemacht wird dies durch Nanopartikel. Schon heute finden sich solche Partikel bereits in Sonnencremes, Farben, Lacken und wasserabweisenden Materialien. Doch schon bald könnten sie, die Art wie wir essen, für immer verändern. Noch ist das alles Zukunftsmusik, doch schon heute wird Nanotechnologie in Lebensmitteln verwendet – leider ohne Kennzeichnung.
Winzige Teilchen im Essen!
In der Nanotechnologie geht es um Teilchen zwischen einem und 100 Nanometern – das hört sich viel an, doch ein Nanometer entspricht nur einem Milliardstel Meter. Mit Hilfe dieser kleinen Partikel lässt sich der Geschmack, die Farbe und die Viskosität eines Produktes ganz genau einstellen. Diese Nanopartikel finden sich zum Beispiel in Ketchup. Das Siliziumdioxid sorgt dafür, dass die Tomatensauce dickflüssiger ist. In Salatdressings finden sich häufig Titandioxide als Bleichmittel, sie lassen das Dressing heller erscheinen. Und Aluminiumsilikate verhindern das Zusammenkleben von pulverförmigen Lebensmitteln.
Geschmack nach Wahl?
Doch damit nicht genug: Momentan wird an Nanotransportern geforscht. Dabei handelt es sich um sehr kleine Kapseln, gefüllt mit Geschmacks- und Farbstoffen und Vitaminen. So könnte beispielsweise abhängig von der Mikrowellenlänge der Inhalt freigesetzt werden – eine Tiefkühlpizza könnte so viele verschiedene Geschmäcker einnehmen – abhängig von der Hitze hätte man entweder eine Pizza mit Salami- oder Vier-Käse-Geschmack.
Kleine Helfer in der Milch
Nanosensoren sollen in der Lage sein, zu erkennen, wann ein Lebensmittel schlecht ist und würden diesen Umstand durch Farbsignale markieren. Die Sensoren könnten Substanzen entdecken, die dann beispielsweise nur in verdorbener aber nicht in frischer Milch vorkommen.
Risiko für die Gesundheit?
Die gesundheitlichen Folgen von Nanopartikeln lassen sich heute noch nicht einschätzen, da es bisher quasi keine Studien über die Auswirkungen der Partikel in Lebensmitteln gibt. Sie scheinen jedoch Entzündungsreaktionen im Lungenepithel auszulösen. Diese sind umso schlimmer, je kleiner die Partikel sind. Außerdem können Nanaopartikel wahrscheinlich die Krankheit Morbus Crohn beeinflussen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht, ob Nanopartikel in menschliche Gewebsschichten eindringen können, hat derzeit jedoch noch keine konkreten Ergebnisse. Generell gehen Experten aber von keiner großen gesundheitlichen Gefährdung aus.
Spezielle Kennzeichnung
Die Risiken sind noch nicht bekannt, dennoch steckt bereits Nanotechnologie in Lebensmitteln. Schwierig für den Verbraucher ist das vor allem deshalb, weil diese Lebensmittel nicht speziell gekennzeichnet sein müssen, wenn sie nicht unter die Novel Food-Verordnung fallen.
Ketchup mit Nanopartikeln ist aber schon lange so erhältlich, dass die Produkte nicht toxikologisch untersucht werden müssen.