So funktioniert unser Gedächtnis: Lernen und seine biologischen Grundlagen

Gedächtnis: Lernen von Informationen, abspeichern und abrufen sind Grundlagen des Wissenaufbaus.


Im Kindergartenalter ist es besonders stark ausgeprägt, neue Inhalte prägen sich spielend leicht ein, Fremdsprachen sind kein Problem für unser Gedächtnis, Lernen von komplexen Geschichten erfolgt ohne große Schwierigkeiten. Mit dem Alter lässt die Gedächtnisleistung jedoch immer mehr nach, neue Informationen können immer schwerer abgespeichert werden. Senioren schließlich können zwar durch Gehirnjogging ihre grauen Zellen aktiv halten, aber an die Gedächtnisleistung der Kleinen kommen sie nie wieder heran. Warum es zu diesem Nachlassen kommt, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass neue Informationen nicht mehr tief genug verankert werden können, also ins Langzeitgedächtnis gelangen.

Die drei Gedächtnissysteme

Man unterschiedet drei verschiedene Gedächtnissysteme:

  • sensorisches Gedächtnis oder Ultrakurzgedächtnis
  • Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis (KZG)
  • Langzeitgedächtnis

Das Ultrakurzgedächtnis (UZG)
Das Ultrakurzgedächtnis behält Informationen nur zwei Sekunden lang, danach werden sie entweder fallengelassen oder an das Arbeitsgedächtnis weitergeleitet. Das UKG funktioniert auf rein elektrischem Weg, es finden keinerlei chemische Prozesse statt. Die Informationen in diesem Gedächtnis ermöglichen, dass wir grundlegende Handlungen ausführen, etwa gehen oder einen Text lesen und verstehen können.

Das Arbeitsgedächtnis
Hier können Informationen bewusst verarbeitet werden, allerdings immer nur bis zu sieben Sachverhalte gleichzeitig. Das Kurzzeitgedächtnis behält Informationen mehrere Minuten bis zu einigen Tagen. Je nach Relevanz wandern die Informationen anschließend ins Langzeitgedächtnis oder nicht.

Das Langzeitgedächtnis
Das Langzeitgedächtnis speichert Informationen langfristig ab, allerdings nur solche, die für unser Handeln eine Bedeutung haben oder uns besonders wichtig sind. Wissen, das nicht oft genug abgerufen wird, landet irgendwann im Unbewussten und wird so zu passivem Wissen. Innerhalb des Langzeitgedächtnisses unterscheidet man das deklarative und das prozedurale Gedächtnis. Während Letzteres Informationen zu Personen, Gegenständen und Orten ablegt, speichert das prozedurale Gedächtnis vor allem die Elemente von Bewegungsabläufen und generelle motorische Fähigkeiten.

Informationsselektion durch Gefühle
Wie bereits erwähnt, gelangen nicht alle Eindrücke und Informationen ins Langzeitgedächtnis, denn würde es sämtliche Geräusche, Gerüche, Nachrichten, Fernseh- und Filminfos abspeichern, wären wir irgendwann komplett überfordert. Das Gedächtnis funktioniert also wie eine Art Sortiermaschine, die Wichtiges von Datenmüll trennt. Emotionen spielen bei diesem Filterprozess eine wesentliche Rolle. Studien haben gezeigt, dass stärkere Verbindungen zwischen den Nervenzellen vor allem dann enstehen, wenn Gefühle involviert sind. Dann kommt es nämlich zu einer übermäßigen Ausschüttung bestimmter Hormone. Im Fall schlechter Emotionen ist es das Stresshormon Noradrenalin, das Prozesse in Gang setzt, die für eine intensivere Verknüpfung der Hirnzellen sorgen. Bestes Beispiel ist der 11. September, jeder kann sich wahrscheinlich noch sehr gut daran erinnern, wo er sich an diesem Tag aufgehalten hat, während für den 10. September desselben Jahres keine genauen Erinnerungen mehr vorhanden sind. Auch andere traumatische Erlebnisse, wie der Tod eines engen Angehörigen, können Erinnerungen förmlich in unser Hirn „brennen“.
Mit dem Gedächtnis lernen wir außerdem unsere eigene Welt zu erschaffen, bestehend aus persönlichen Erinnerungen.