Spätfolgen von Diabetes

Welche Folgen und Spätfolgen hat Diabetes auf den Menschen? Viele Körperteile und Lebensgewohnheiten verändern sich. Doch es gbt viele Mittel, um damit umzugehen.


Die Begleiterscheinungen von Diabetes haben äußerst schädigenden Einfluss auf alle Organsysteme. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel löst weitreichende Folgeerkrankungen aus, die als Spätfolgen bezeichnet werden. Diese haben einen direkten Einfluss auf die Lebenserwartung des Patienten. Im Folgenden sind die häufigsten Erkrankungen dargestellt.

 

Das Ausmaß der möglichen Spätfolgen hängt davon ab wie lange und wie stark die Blutzuckererhöhung beim betroffenen Patienten vorliegt. Eine gute Blutzuckereinstellung und eine ausreichend gute Kontrolle des Blutzuckers, sowie die Behandlung des Diabetes, können die Entstehung von Folgeerkrankungen verhindern oder mindestens herauszögern.

Auswirkungen auf die Blutgefäße
Ein großes Risiko bei Personen, die an Diabetes leiden, ist die Entwicklung einer Arteriosklerose. Diese geht durch eine Veränderung der Blutgefäße hervor. An den Gefäßwänden kommt es zu Fettablagerungen (Plaques), die den Blutfluss stören. Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel bilden sich derartige Ablagerungen vermehrt in kleinen und großen Gefäßen, dadurch werden diese enger, das Blut wird beim Durchfluss behindert und in der Folge kann es zu einem Verschluss der Gefäße sowie zu Verklumpungen der Blutplättchen kommen. Das erhöhte Risiko der Zuckerkrankheit ist also die Erkrankung der Gefäße mit der Folge einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Etwa drei von vier Menschen, die unter Typ-2-Diabetes leiden, sterben an Herzversagen.

Schädigung der Nerven
Eine weitere Folgeerkrankung ist die sogenannte diabetische Neuropathie, die Schädigung der Nerven. Wenn die Gefäße bereits geschädigt sind, kann der Blutfluss nicht ungehindert fließen, die Nerven können so nicht mehr mit genügend Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Unter Neuropathie leiden etwa 20 bis 30 Prozent der Diabetiker. Zunächst macht sich die Nervenschädigung durch Taubheitsgefühle und Kribbeln in Armen oder Beinen bemerkbar. Auch das vegetative Nervensystem ist angegriffen. Dies hat zur Folge, dass Herzschlag und Darmtätigkeit beeinträchtigt werden, da diese Prozesse vom Nervensystem gesteuert werden. Wenn sich die Gewebe aufgrund der gestörten Durchblutung entzünden und in der Folge absterben, kann es beispielsweise zu einem diabetischen Fuß kommen.

Einer Studie zufolge hat ein Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Risiko an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, hier entwickeln Zuckerkranke etwa doppelt so häufig Alzheimer, wie Menschen ohne Diabetes. Das Gehirn ist hoch abhängig von Glukose, um seinen Energiebedarf zu decken und dies ist bei Diabetes nicht gewährleistet, wenn Ablagerungen zwischen den Nervenzellen vorliegen.

Diabetischer Fuß
An den Füßen können aufgrund der Diabeteserkrankung Geschwüre auftreten. Zunächst kann eine schwer heilende Wunde am Fuß der Beginn für einen diabetischen Fuß sein. Im schlimmsten Fall stirbt das Gewebe ab, sodass der Fuß amputiert werden muss. Besonders gefährdet sind Personen, die zusätzlich eine Nervenschädigung und Verengungen der Blutgefäße im Bein aufweisen. Es gibt zwei verschiedene Formen des diabetischen Fußes. So ist zuerst die Schädigung von Nervenbahnen (Polyneuropathie) zu nennen. Hier sind die Füße warm, meist rot und sehr trocken. Die Nerven sind durch die Zuckerkrankheit so weit geschädigt, dass Schmerzen an den Füßen nur noch gering bis gar nicht mehr wahrgenommen werden. Zunächst führt das zu Fehlhaltungen und Störungen im Bewegungsablauf, der ganze Bewegungsapparat ist beeinflusst. Ein anderer Fall, der auch zusätzlich zur Polyneuropathie auftreten kann, ist der durch Durchblutungsstörungen verursachte diabetische Fuß. Dieser macht sich in kalten und blassen Füßen bemerkbar, die kleinsten Wunden brauchen auffallend lang, bis sie abheilen. Wenn beide Fälle gemeinsam auftreten, dann werden Entzündungen an den Füßen und Zehen nicht schnell genug bemerkt, diese Entzündungen können weiter in das Gewebe eindringen und das Bein hochziehen. In schlimmen Fällen muss das geschädigte Gewebe amputiert werden.

 

Vorbeugung des diabetischen Fußes
Dem diabetischen Fuß kann vorgebeugt werden. Ärzte gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Amputationen vermieden werden können, wenn der Blutzuckerspiegel richtig eingestellt ist und der Stoffwechsel unter Kontrolle steht. Daneben ist eine tägliche Prüfung der Füße unumgänglich! Einen zentralen Aspekt nimmt hier die Fußpflege ein. Neben der Reinigung ist das Eincremen mit Hautlotionen, bei trockener Haut mit Urea-Produkten, besonders wichtig. Kleine Hautrisse und Druckstellen sollten sofort von einem Arzt untersucht werden. Je früher Symptome erkannt werden, desto besser lassen sich diese behandeln. Auch muss der Diabetiker auf gutes Schuhwerk achten, der Fuß darf nicht eingeschnürt sein, gerade auf Nähte sollte verzichtet werden. Bei Einschränkungen beim Gehen ist ein physiotherapeutisches Gehtraining angeraten.

 

Auswirkungen auf die Nieren
Die Nieren sind für Entgiftung, Wasserhaushalt und Entschlackung des Körpers zuständig. Sie filtern und reinigen das Blut und sind insofern das wichtigste Ausscheidungsorgan. Überdies haben sie starken Einfluss auf den Blutdruck, ein erhöhter Blutzuckerspiegel beeinflusst die Nierenfunktion bedeutend. So begünstigen ein hoher Blutdruck, Rauchen, hohe Blutfette und hoher Eiweißverzehr die Ausbildung einer Nierenunterfunktion (diabetische Nephropathie). Je niedriger der Blutdruck, desto besser arbeiten die Nieren. Bei Diabetes mellitus sind die Nierenkanälchen stark durch Ablagerungen von Fett in den Arterien beeinflusst. Die Durchblutung der Nieren wird beeinträchtigt, sodass Nierenfunktionsstörungen auftreten können. Wenn hier nicht behandelt wird, kann es zu einem völligen Verlust der Nierenfunktion kommen. Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für ein Nierenversagen. Hier hilft letztendlich nur noch eine künstliche Blutwäsche (Dialyse).

Nierenfunktion regelmäßig testen
Wie machen sich erste Schäden an den Nieren bemerkbar? Normalerweise kommt es nicht zu Schmerzen oder zu Veränderungen des Urins. Jedoch kann ein erstes Warnsignal hier eine erhöhte Konzentration von Bluteiweißen (Albumin) sein, welche bei gesunden Menschen im Blut zurückbleiben und nicht ausgeschieden werden. Die Diagnose lässt sich leicht mithilfe von Urinteststäbchen stellen, der Test wird an drei Tagen in der Woche mit dem Morgenurin durchgeführt. Mit Kontrolle der Blutfettwerte und einer guten Blutzuckereinstellung, sowie Senkung des Blutdrucks lässt sich einer Nephropathie gut vorbeugen. Es wird empfohlen, mindestens einmal im Jahr den Urin untersuchen zu lassen. Zudem muss der Blutdruck gut eingestellt sein, da ein erhöhter Blutdruck die Niere enorm schädigt!

Auswirkungen auf die Augen
Auch die Gefäße der Augen werden von den hohen Zuckerwerten im Blut geschädigt. Der Fachbegriff hierfür ist Retinopathie. Die feinen Gefäße der Augen sind in ihrer Funktion beeinträchtigt, sodass die Netzhaut nicht mehr mit genügend Nährstoffen versorgt wird. Zunächst kommt es beim Patienten zu einer Beeinträchtigung der Sehkraft, es wird ihm schummrig vor Augen. Die Netzhautschädigung kann sogar in einigen Fällen zur völligen Erblindung führen. Wenn ein Diabetes mellitus festgestellt wurde, ist eine regelmäßige Untersuchung der Augen durch einen Augenarzt unumgänglich. Denn dieser kann frühzeitige Veränderungen an der Netzhaut erkennen und so erfolgreich behandeln. Auch hier ist es wichtig, dass der Blutzucker gut eingestellt ist, der Blutdruck nicht zu hoch ist und auf das Rauchen verzichtet wird.

Impotenz
Männer, bei denen Diabetes mellitus festgestellt wurde, können in der Folge, etwa in den ersten zehn Jahren, an Erektionsstörungen leiden. Manchmal ist es aber auch umgekehrt und Impotenz ist ein erstes Anzeichen für einen vorliegenden Diabetes. Hier sind die Ursachen begründet auf Nerven- und Gefäßschädigungen durch den zu hohen Blutzuckerspiegel. Es muss eine optimale Blutzuckerkontrolle gewährleistet werden, die Patienten sollten sowohl psychisch als auch medikamentös behandelt werden. Dabei ist die Auswahl der verabreichenden Medikamente recht schwer, da viele der Mittel zusätzlich die Erektionsfähigkeit herabsetzen können.

Hautprobleme
Viele Diabetiker haben Hautprobleme. Der gestörte Stoffwechsel beeinflusst auch den Wasserhaushalt und die Proteinstruktur der Hautschichten. Bei einem Diabetes kann es daher zu einer Austrocknung der Haut –besonders auch der Schleimhäute- kommen, wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist. Die Haut fängt an zu jucken, häufig auch an den Schleimhäuten des Genitalbereichs. Die Haut wird schuppig und der allgemeine Hautalterungsprozess läuft verstärkt und schneller ab. Die mit dem Diabetes vorkommenden Durchblutungsstörungen führen dazu, dass die Wundheilungskapazität der Haut stark herabgesetzt wird. Infektionen und Ekzeme sind daher sehr häufig. Hier ist spezielle Pflege notwendig, gegen das Austrocknen der Haut eignen sich besonders Urea-Produkte. Einige mit Diabetes assoziierte Hautkrankheiten, wie Dermatopathie, können auftreten. Diabetische Dermatopathie macht sich in kleinen rötlich pigmentierten Flecken bemerkbar. Diese treten insbesondere an Knöcheln, Schienbeinen und Unterschenkeln auf. Wieso es zu diesen Pigmentierungen kommt, ist noch nicht geklärt.

Zahngesundheit
Die beeinträchtigte Durchblutung bei Diabetespatienten hat auch Einfluss auf die Versorgung des Zahnfleisches. Diabetiker sind somit sehr anfällig für Zahnfleischerkrankungen (Parodontopathien). Typ-1-Diabetiker erkranken etwa dreimal so häufig an schwerer Paradontitis als Menschen ohne die Stoffwechselkrankheit. Das Frühstadium einer Paradontitis ist meist durch leichtes Zahnfleischbluten gekennzeichnet, das Zahnfleisch ist gerötet und/oder geschwollen. Häufig geht eine schwere Zahnfleischerkrankung aus einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) hervor, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Diese Bakterien können sich dann an geschützten Stellen vermehren und gehen im weiteren Krankheitsverlauf auch auf Bindegewebe und Kieferknochen über. Sie reagieren mit ihren Stoffwechselprodukten auf das Immunsystem und es entstehen zunächst die sogenannten Plaques. Das Bindegewebe wird daraufhin angegriffen, die Zähne lockern sich, im schlimmsten Falle kann es sogar zum Absterben des Kieferknochens kommen. Durch derartige Zahnfleischerkrankungen fallen mehr Zähne aus als durch Karies.

Neben dem Paradontitisrisiko erhöht sich bei einer schlechten Diabeteseinstellung und einem zu hohen HbA1c-Wert auch das Risiko, an Karies zu erkranken. Dies steht auch mit der häufig übertriebenen zuckerhaltiger Kost in Zusammenhang.

Regelmäßige Zahnpflege und -kontrolle
Diabetiker sollten alle drei bis vier Monate eine Routineuntersuchung beim Zahnarzt durchführen lassen, um Parodontopathien frühzeitig zu erkennen. Generell ist eine gründliche und regelmäßige Mundhygiene für Diabetiker unumgänglich. Auch nach den Zwischenmahlzeiten muss für die Reinigung der Zähne Sorge getragen werden. Dies kann mit fluoridhaltigen Mundspülungen erzielt werden. Daneben ist auf die Pflege der Zähne mit Zahnseide nicht zu verzichten. Außerdem sollte auf das Rauchen verzichtet und auf eine gesunde Kost geachtet werden. Die kleinste Veränderung im Mund- und Zahnfleischbereich sollte umgehend abgeklärt werden. Diese Zahnpflegebestimmungen haben auch durchaus präventiven Charakter, so stellte eine Studie heraus, dass Parodontalerkrankungen das Risiko erhöhen an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Begleiterkrankungen, wie beispielsweise die Retinopathie (Netzhauterkrankung) unterstützen den negativen Effekt des Diabetes auf die Zähne übrigens um ein Weiteres.