Spagyrische Essenzen

Bei der Spagyrik handelt es sich um eine alte alchemistische Tradition. Dabei werden in einem komplexen Verfahren aus mineralischen, pflanzlichen oder animalischen Stoffen spagyrische Essenzen herausgefiltert.


Mit dem Begriff Spagyrik, der auf die griechischen Wörter für „Trennen“ und „Vereinigen“ zurückgeht, bezeichnet man eine spezielle Form der Zubereitung von Arzneimitteln. Dabei entstehen spagyrische Essenzen. Die Methode geht auf die mittelalterliche Alchemie zurück. Paracelsus prägte den Begriff als Synonym für Alchemie, deren Aufgabe er allerdings nicht in der Herstellung von Gold, sondern von Arzneimitteln sah. So entwickelte sich die Spagyrik zum medizinischen Zweig der Alchemie. Die auf der Basis alchemistischer Erkenntnisse hergestellten Medikamente nennt man Spagyrika, Ausgangsmaterial sind pflanzliche, mineralische und animalische Stoffe. Die moderne Form der Spagyrik wurde durch Carl-Friedrich Zimpel geprägt. 

  

Durchführung
Um spagyrische Arzneimittel herzustellen, werden Pflanzen zerkleinert und nach dem Zusatz von Wasser und Hefe vergoren. Anschließend wird dieses Material mit Wasserdampf destilliert und das Destillat in Alkohol aufgefangen. Den Destillationsrückstand verbrennt man zu Asche, die wiederum mit dem Destillat vermischt und dann filtriert wird. Damit ist das spagyrische Medikament fertig. Das Filtrat ist eine Essenz, die einer homöopathischen Verdünnung entspricht. Durch das Scheiden der Substanzen will der Spagyriker das Gute vom Bösen trennen – die reinen und guten Elemente werden schließlich wieder zusammengefügt. Spagyrik bedeutet also, das Heilsame und das Giftige zu scheiden, um aus dem Heilsamen dann eine Arznei herzustellen. Sie wird zudem als Ritual vollzogen, bei dem der Stand von Sonne, Mond und Planeten streng beachtet wird.

  

Ähnlich wie mit Pflanzen kann auch mit Metallen, Salzen oder gar mit Blut, Kot, Urin und weiteren Körperflüssigkeiten verfahren werden. Die so gewonnenen Urtinkturen werden verdünnt und dann als Tropfen oder in Tablettenform verabreicht. Seltener kommen äußerliche Anwendungen, wie Umschläge oder Kompressen, zum Tragen. 

  

Wirkung
Ähnlich wie in der Homöopathie führt die Spagyrik die heilsame Wirkung nicht auf die Inhaltsstoffe zurück. Stattdessen geht sie von der metaphysischen Kraft aus, die das Arzneimittel durch das besondere Herstellungsverfahren gewinnt. Spagyrische Essenzen sollen nicht nur den Körper, sondern auch die Seele positiv beeinflussen. Anhänger empfehlen ihre Verwendung bei vielen akuten und chronischen Beschwerden, von Allergie, Rheuma, Bluthochdruck und Arthrose bis hin zu organischen Erkrankungen und Bluthochdruck. Dabei sollten die Substanzen für jeden Patienten individuell zusammengestellt werden. 

  

Einschränkungen
Für die Spagyrik fehlt jeder unabhängige Wirkungsnachweis, eine heilsame Wirkung konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Die Arzneimittel sollen gut verträglich sein, da das Gift im Herstellungsverfahren entfernt wurde, und bei richtigem Gebrauch nicht schaden. Zu beachten ist der Alkoholgehalt, der jedoch niedrig sein soll. Auch bei Kindern und Tieren sollen spagyrische Essenzen angewendet werden können. Eine ärztliche Diagnose und Behandlung kann die Spagyrik jedoch nicht ersetzen.