Sportsucht zählt immer noch zu den weniger bekannten Süchten und auch die Diagnose ist hier weitaus schwieriger. Dennoch sollte sie nicht unterschätzt werden, kann sie doch weitreichende Folgen wie der frühzeitige Verschleiß von Knochen, Bändern und Sehnen haben. Leidet ein Sportsüchtiger überdies noch an einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie, geht wichtiges Körperfett verloren. Hormonstörungen und Muskelschwund sind die Folge.
Wie kann Sport süchtig machen?
Anders als bei manch anderen Suchterkrankungen sind bei der Sportsucht keine Drogen im Spiel. Noch bis vor einigen Jahren dachten Forscher, dass das körpereigene Glückshormon Endorphin für exzessiven Sport verantwortlich sei. Studien wiesen jedoch nach, dass diese Annahme nicht stimmen kann, da die Konzentration von Endorphinen im Blut nicht im Zusammenhang mit exzessiver sportlicher Betätigung steht.
Psychologen und Sportwissenschaftler sehen die Gründe eines Sportwahns eher in der Verdrängung des Alltags. Bei starker körperlicher Anstrengung vergessen viele Menschen ihre Alltagsprobleme und Sorgen. Diesen Zustand der Sorglosigkeit will der Sportsüchtige so oft wie möglich wieder erreichen und droht dabei nur noch in der körperlichen Aktivität zu leben.
Andere Theorien, die in eine ähnliche Richtung gehen, vermuten, dass gerade Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein zur Sportsucht neigen. Körperliche Anstrengung mindert den Forschern zu Folge die Ängstlichkeit und senkt das Frustrationsniveau. Mit guten sportlichen Leistungen erleben diese Menschen ein Erfolgserlebnis, das sie so oft wie möglich wieder erfahren wollen. Ein weiterer Faktor, der eine Sportsucht begünstigt, ist die Entspannungsphase nach dem anstrengenden Sport, die auf den Körper ähnlich wie eine Droge wirkt. Welcher dieser Faktoren die Sportsucht am meisten begünstigt, ist bis heute unklar.
Wer ist gefährdet?
Experten schätzen, dass die Sportsucht weitaus weniger verbreitet ist als andere Süchte und nur rund ein Prozent der deutschen Freizeitsportler an ihr erkrankt sind. Besonders gefährdet sind dabei Menschen die Ausdauersport wie Langstreckenlaufen, Fahrradfahren oder Triathlon betreiben, sowie Bodybuilder und Kraftsportler. Gerade Menschen, die mit Hilfe des Sports einen ästhetischen Körper kreieren wollen, wie etwa Bodybuilder, laufen Gefahr neben der Sportsucht an einer Form von Essstörung zu erkranken. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von der Sportbulimie (bulimia athletica) oder der Sportmagersucht (anorexia athletica).
Woran erkennt man Sportsucht?
Von einer Sportsucht sprechen Experten immer dann, wenn bestimmte Kriterien zutreffen. Erhöht der Sportler permanent sein Trainingsniveau, um nach dem Training die völlige Erschöpfung zu erleben, ist Vorsicht geboten. Auch wenn das Fehlen des Sports durch eine Erkrankung zu Entzugserscheinungen wie innerer Unruhe, Nervosität, Lustlosigkeit, depressiven Verstimmungen, Aggressionen und Angstzuständen führt, ist dies ein Anzeichen für eine drohende oder sogar schon vorhandene Sportsucht. Betroffenen geht es schlagartig besser, wenn sie ihrem Sport wieder nachgehen können. Besonders wenn der Sport zum Lebensinhalt des Erkrankten wird, seine Planung und sein Alltag sich vollkommen nach dem Sport richten und Freunde, Familie und berufliche Interessen vernachlässigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Suchterkrankung sehr hoch. Sportsüchtige ignorieren außerdem Verletzungen und Schmerzen und setzen ihr Training trotz des Wissens um gesundheitliche Schäden fort.