Sprachstörungen

Eine der häufigsten Folgen eines Schlaganfalls sind Sprachstörungen. Dabei hat der Betroffene Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis aber auch mit dem Sprechen selbst.


Etwa jeder vierte Schlaganfall-Patient trägt Sprachstörungen davon. Infolge der Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn entstehen Probleme mit dem Verständnis gesprochener Worte und dem Sprechen und Schreiben selbst. Auch die für das Sprechen verantwortlichen Körperteile können beeinträchtigt sein, sodass bestimmte Laute nicht mehr richtig gebildet werden können. Bei der Dysarthrie beispielsweise ist eine verwaschene Sprache typisch, da entscheidende Teile des Mundes nicht mehr einwandfrei arbeiten. Bei der Aphasie hingegen handelt es sich um Beeinträchtigungen sowohl bei dem Verstehen von Äußerungen als auch bei dem Sprechen selbst.

Der Mediziner unterscheidet folgende 4 Hauptformen:

 

  • Broca-Aphasie
  • Wernicke-Aphasie
  • Amnestische Aphasie
  • Globale Aphasie

 

Broca-Aphasie
Die sogenannte Broca-Aphasie, benannt nach dem französischen Neurologen Paul Broca, ist vor allem durch eine starke Beeinträchtigung der Spontansprache gekennzeichnet. Das heißt, der Betroffene spricht sehr langsam, auch, weil er lange Zeit benötigt, um das passende Wort zu finden. Komplexere Satzstrukturen kann er nicht bilden, spricht stattdessen im Telegrammstil (Agrammatismus), das heißt, einfache Sätze prägen die Sprache. Zudem kommt es zu Wortverwechslungen (Afpel statt Apfel) und es werden falsche Wörter gebraucht. Sehr oft sind sich diese inhaltlich sehr ähnlich. So wird etwa statt „Stuhl“ „Tisch“ gesagt. Das Sprachverständnis ist bei dieser Form jedoch sehr gut ausgeprägt, sodass sich die Betroffenen ihrer eingeschränkten Kommunikation durchaus bewusst sind.

Wernicke-Aphasie
Während bei der Broca-Aphasie das gleichnamige Zentrum im Gehirn geschädigt ist, kommt es zu einer Wernicke-Aphasie, wenn nun das besagte Areal Läsionen aufweist. Früher wurde diese Sprachstörung auch als sensorische Aphasie bezeichnet. Das Hauptmerkmal dieser Form ist die flüssige, überschießende Sprache mit langen, komplexen Sätzen. Jedoch treten hier besonders Schwierigkeiten im Bereich der Wortbildung auf, Wörter werden verwechselt oder neue erfunden, sodass ganze Äußerungen keinen Sinn mehr ergeben. Auch Lautverwechslungen treten oft auf. Die Betroffenen selbst sind sich ihrer Sprachstörungen aber nicht bewusst.

Amnestische/anomische Aphasie
Diese Form ist vor allem durch die ausgeprägten Wortfindungsstörungen gekennzeichnet. Die Betroffenen müssen sich oft unterbrechen, da ihnen das passende Wort nicht einfällt. Statt des passenden Begriffs wird ein Füllwort, etwa „Ding“ oder der Oberbegriff (etwa Möbel statt Tisch) gebraucht. Auch hier ist das Sprachverständnis weitgehend erhalten.

Globale Aphasie
Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Sprachstörungen. Das Sprechen ist kaum möglich, lediglich einige kurze Silben wie beispielsweise „tan tan tan“ oder „do do do“ können geäußert werden. Statt auf die jeweilige Situation angepasste Äußerungen, formulieren die Betroffenen Automatismen, das heißt, feste Phrasen oder Redewendungen, die nicht abgeändert werden (können). Auch das Schreiben wird zur unüberwindbaren Hürde. Das Sprachverständnis ist bei der globalen Aphasie ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Betroffenen von einer normalen Kommunikation ausgeschlossen bleiben.