Staatliche Versuchsschule als pädagogisches Testlabor

Die Regelschule als solches hat in Deutschland ausgedient. Neue und moderne Schulkonzepte müssen her. Das hat die PISA-Studie gezeigt. Neben den zahlreichen alternativen Schulen gibt es auch staatliche Projekte. Dabei handelt es sich um länger angelegte, zeitlich unbefristete Schulversuche. Die Aufgabe dieser Schulen ist es, innovative und unkonventionelle Schulkonzepte und Modelle zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen die Regelschule modernisieren und verbessern.


Bereits im vorletzten Jahrhundert gab es Versuchsschulen, doch heute werden die Arbeitsergebnisse unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten dokumentiert und ausgewertet. Hierbei werden unterschiedlichste Unterrichtsmethoden erprobt, neue Unterrichtsmaterialien konzipiert und Lehrerforschung betrieben. Von gut einem halben Dutzend solcher Testschulen zählt die Laborschule in Bielefeld zu den bekanntesten. Die staatliche Versuchsschule erprobt viele Methoden, die später Anwendung in Regelschulen finden. Der offene und projektbezogene Unterricht, wie auch die frühzeitige Einschulung mit fünf Jahren, der Morgenkreis und Englischunterricht wurden in der Grundschule von Versuchsschulen vorgetestet und vom Regelschulwesen übernommen.

Die Laborschule – Ein Wallfahrtsort für Bildungspilger

  • Gleich nach dem leicht überdurchschnittlichen PISA-Ergebnis kam es zu einem Run auf die Bielefelder Laborschule, welche vor rund 30 Jahren nach den Vorstellungen und unter der Leitung des Pädagogen Hartmut von Hentig gegründet wurde. 
  • Die pädagogischen Leitlinien dieser Vorzeigeschule besagen, dass der Klassenraum von den Schülern als Lebens- und Erfahrungsraum genutzt werden soll. Leben und Lernen sollen eng aufeinander bezogen sein. Nicht die Belehrung lässt ein Kind lernen, sondern die Erfahrung. Aus diesem Grund ist die Schule mit vielen Lerngelegenheiten ausgestattet, die ein solches Lernen begünstigen. 

Unterschiede zwischen Kindern

  • Die natürlichen Unterschiede zwischen den Kindern, die nicht zuletzt durch den altersgemischten Unterschied entstehen, machen eine Rücksichtnahme auf das unterschiedliche Lerntempo der Kinder notwendig. Die Laborschule sondert kein Kind aus und auch ein Sitzenbleiben gibt es nicht, auch wenn ein Kind eine bestimmte Leistung nicht erbringt. 
  • Die staatliche Versuchsschule versteht sich aber zugleich auch als eine Abbildung der Gemeinschaft. Die sozialen Kompetenzen, die in der Gesellschaft erwartet werden, können die Kinder im Alltag in der Schule lernen. Sie lernen im wahrsten Sinne des Wortes fürs Leben.