Stenographie: Handwerk von Sekretären

Das System der Kurzschrift Stenographie scheint ausgedient zu haben, obwohl es eine praktische, nützliche und effiziente Art des Schreibens ist


Stenographie, vom griechischen "stenos" (eng) und "graphein" (schreiben, ritzen), ist eine Kurzschrift, die bis zu fünf Mal schneller geschrieben werden kann als die sogenannte Langschrift. Stenographie ermöglicht es, Gesprochenes in Echtzeit festzuhalten. Die Schnelligkeit wird durch die Vereinfachung der Grammatik und durch Verkürzung der Wörter erreicht. Das entstandene Schriftstück wird "Stenogramm" und der Verfasser "Stenograph" genannt. Es können auch mit einer Stenographiemaschine Stenogramme verfasst werden.

Zur Geschichte
Als Erfinder gilt Marcus Tullius Tiro (circa 103 v. Chr. - 4 v. Chr.), der als Sklave aufwuchs, nach Rom kam und dort Cicero begleitete. Diesem diente er als Sekretär. Um Ciceros Reden mitschreiben zu können, entwickelte er die altrömische Kurzschrift, damals natürlich nicht unter diesem Namen bekannt. Diese wird seit dem 16. Jahrhundert als "Trionische Noten" bezeichnet. In der Neuzeit gilt England als Wiege der neuen Kurzschrift. Während der Reformation sollten Predigten möglichst genau festgehalten werden. Hier wird Timothy Bright als Begründer gesehen, der 1588 den Anstoß zur neuzeitlichen Kurzschrift gab, die sich dann verbreitete. In Deutschland wurde erstmals 1678 ein Lehrbuch zur Stenographie, mit dem Titel „Tacheographia" von Charles Aloysius Ramsay, herausgegeben. Es gibt mehrere Systeme, seit 1968 ist die "DEK" (Deutsche Einheitskurzschrift) in Deutschland Standard.

Anwendungsbereiche
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kurzschrift von einem kleinen elitären Kreis an Gelehrten benutzt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts konnte Stenographie an höheren Schulen als Wahlfach gewählt werden, weshalb auch einige Akademiker diese Art des Schreibens beherrschten. Ab dem 20. Jahrhundert gehörte die Kurzschrift dann sogar zur Ausbildung von Stabsoffizieren. Mit der Industrialisierung, ebenfalls in diesem Zeitraum, entwickelte sich der Beruf der Stenotypistin. Aber auch Sekretärinnen waren dazu angehalten, diese Schreibweise zu lernen, um beispielsweise Protokolle wichtiger Konferenzen zu verfassen. Mit Aufkommen der modernen Technik, wie Diktiergeräten oder Textverarbeitungsprogrammen, hat der Bedarf an Kurzschrift stark abgenommen. Berufe in diese Richtung sind nicht mehr gefragt. Dabei ist Kurzschrift auch heute noch sehr nützlich. Zum Protokollieren ist es immer noch praktischer als die Langschrift und zeitsparender als das Nacherfassen einer Tonbandaufnahme. Auch für Vorlesungen und im Bereich des Journalismus ist Stenographie praktischer als Langschrift.