Stilldauer - wie oft stillen?

Wie oft stillen? Wie lange eine Mutter ihr Baby stillen sollte, ist nicht genau definiert. Selbst die Expertenmeinungen gehen bei diesem Thema auseinander


Kein Thema ist derart umstritten wie dieses. Geprägt von ideologischer Härte und unverrückbaren Grundsätzen ist eine objektive Diskussion kaum möglich. Ganz unbestritten ist Stillen ein Wunder der Natur, das sowohl dem Säugling als auch der Mutter unschätzbare Vorteile bringt. So beweisen viele verschiedene Studien, dass eine lange Stilldauer das Kind vor diversen Krankheiten, Infekten und Allergien, die Mutter sogar vor Krebs schützen kann.
Doch wie lange sollten Mütter ihren Nachwuchs über die Brust ernähren? Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt in ihren neuen Richtlinien (2001) eine ausschließliche Stilldauer von sechs Monaten. Ausschließlich bedeutet, dass außer der Muttermilch nichts anderes zugefüttert wird, auch keine weiteren Flüssigkeiten. Auch die Nationale Stillkommission am BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) spricht von einer sechsmonatigen Stilldauer. Darüber hinaus kann nach der Einführung der Beikost bis zum zweiten Lebensjahr gestillt werden. Die Einführung einer festeren Kost ist also nicht gleichzusetzen mit dem Abstillen. Im Idealfall wird das Kind weiter gestillt, während es gleichzeitig auf seinen Nährstoffbedarf abgestimmte Beikost erhält. Da die Quantität der Muttermilch im Laufe der zwei Jahre stark abnimmt, ist ein langsames Abstillen innerhalb dieses Zeitraums von Vorteil. Nach der Vollendung des zweiten Lebensjahrs wird das Kind nicht aus Hunger die Brust suchen, sondern aus dem Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung heraus.

Wie oft stillen ist natürlich?
Der allgemeine Konsens lautet: lieber länger als kürzer stillen. Aber Stillen verliert in unserer Gesellschaft stark an Bedeutung. In früheren Zeiten war die Ernährung über die Brust die Voraussetzung für das Überleben, heute ermöglichen industrielle Ersatzmilchprodukte ebenfalls eine adäquate Versorgung des Neugeborenen. Stillen ist demnach nicht nur mehr ein biologischer Vorgang, sondern auch stark von kulturellen Vorstellungen und industriellen Interessen geprägt. Da mag es kaum verwundern, dass die Anzahl der stillenden Mütter im Laufe der ersten Lebensmonate des Kindes stetig abnimmt. Nach sechs Monaten stillen gerade mal 12 Prozent der Frauen ihr Kind voll und etwa 48 Prozent teilweise, neben anderer Nahrung. Zu wenig, wie Experten meinen. Denn die natürliche, also unabhängig von jeglichen kulturellen Einflüssen anhaltende, Stilldauer umfasst einen viel längeren Zeitraum. Die Anthropologin Katherine Detwyler kam in Vergleichen mit anderen Säugetieren zu dem Schluss, dass diese bei etwa 2,5, und sieben Jahren liegt.

Entscheiden Sie ohne Druck
Experten sind sich einig, dass so lange gestillt werden sollte, wie Mutter und Kind Freude daran haben. Verschiedene Stillinitiativen und Organisationen setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, dass Stillen wieder einen wichtigeren Stellenwert in unserer Gesellschaft einnimmt. Sie sind der einhelligen Meinung, dass Frauen nicht nur zu Beginn ihrer Mutterschaft Informationen und Ratschläge benötigen, sondern während der gesamten Stillzeit. Nur auf diese Weise könnten Mütter unabhängig von äußeren Einflüssen entscheiden, ob sie die Stillzeit über die empfohlenen sechs Monate hinaus ausdehnen wollen oder nicht. Der endgültige Zeitpunkt des Abstillens ist aber immer eine höchst individuelle Entscheidung, die ausschließlich von Mutter und Kind getroffen werden sollte.