Stillen will gelernt sein

Stillen ist die normale Ernährung für Babys - daher gibt es keine gesündere, praktischere und preiswertere Babynahrung als Muttermilch. Anfangs bedarf es einer gewissen Zeit, bis sich das Stillen eingespielt hat. Mutter und Baby brauchen gemeinsam etwas Übung. Mit viel Ruhe, Gelassenheit und Unterstützung wird das Stillen am schnellsten zur beglückenden Erfahrung.


Stillen geht zwar im Prinzip ganz von allein. Aber es kann vorkommen, dass gerade am Anfang Probleme auftauchen, die erst überwunden werden müssen. Wie bei allem Neuen ist dies ein normaler Prozess und sollte nicht unnötig beunruhigen.

Das erste Mal

  • Beim ersten Kind braucht die junge Mutter oft viel Unterstützung von ihrer Hebamme oder Stillberaterin, um Sicherheit beim Handling zu bekommen. Frauen, die stillen wollen, legen ihr Baby meist direkt nach der Geburt zum ersten Mal an die Brust.
  • Der angeborene Saugreflex des Babys regt die Milchbildung bei der Mutter an. Bis zum eigentlichen Milcheinschuss – der Name ist nicht übertrieben – dauert es meist noch zwei Tage. Bis dahin enthält die Brust jedoch schon eine Vormilch, das sogenannte Kolostrum.
  • Die cremige, gelbliche Vormilch ist sehr nahrhaft und schützt das Baby vor Keimen. Der Magen ist etwa murmelgroß und somit ist diese Vormilch für das Baby vollkommen ausreichend bis der Milcheinschuss da ist.
  • Wirklich vorbereiten kann sich die werdende Mutter auf das Stillen nur mental, durch informierende Gespräche mit ihrer Hebamme oder entsprechende Lektüre zum Thema. Auf Massagen der ohnehin in der Schwangerschaft prallen Brüste sollte verzichtet werden, auch die Brustwarzen benötigen keine zusätzliche Abhärtung. Auf folgende Punkte kann sich die Mutter innerlich einrichten.

Keine Pause

  • Auch wenn die Geburt anstrengend war und Schlaf Mangelware ist, sollten Mama und Baby auch nachts beieinander sein. Das Baby darf unabhängig der Uhrzeit jederzeit an die Brust, auf zeitliche Rhythmen muss nicht geachtet werden. Das erleichtert den Stillstart.
  • Ist das Baby sehr schläfrig, kann die Mutter es zum Saugen ermuntern, indem es am Mundwinkel mit dem Finger gekitzelt wird. Das Baby liegt dabei anfangs im Wiegegriff horizontal auf dem Arm der Mutter.
  • Wichtig ist, dass das Baby ganz in Seitenlage liegt – Bauch an Bauch mit seiner Mama. Hat es seinen Mund möglichst weit geöffnet, wird ihm die Brustwarze entgegen geschoben. Dabei sollte das Baby möglichst viel vom Vorhof der Brustwarze mit in den Mund nimmt. Dazu zieht die Mutter ihr Baby in dem Moment ganz nah in Richtung Brust.
  • Schmerzt das Anlegen, hilft ein Fingerkitzeln, um den Mund des Babys zu lösen und es erneut zu versuchen. Ob im Krankenhaus oder später zu Hause, generell gilt: Beim Stillen braucht die junge Mutter anfangs viel Ruhe und Zeit und auf keinen Fall neugierige Zuschauer.

Der Milcheinschuss

  • Etwa zwei Tage nach der Geburt spürt die junge Mutter, wie ihr Busen spürbar wächst – der sogenannte Milcheinschuss setzt ein. Das Gewicht der Brüste kann um bis zu 500 Gramm pro Seite zunehmen. Manche Frau hat beim Milcheinschuss das Gefühl, ihre Arme nicht mehr an den Körper anlegen zu können, so sehr spannt der Busen.
  • Spätestens jetzt wird es Zeit, einen gut stützenden Still-BH anzuziehen. Die Körbchengröße sollte zwei Nummern größer sein als zum Ende der Schwangerschaft. Praktisch sind Still-BHs, die um die Brustwarzen eine Aussparung haben und darüber einen gesonderten Stoffteil, der sich mit einer Hand aushaken und herunterklappen lässt. So muss sich die Mutter zum Stillen nicht umständlich ausziehen und kann mit der anderen Hand das Baby halten.

Weitere nützliche Helferlein

  • Lockere Oberteile zum Knöpfen sind zum Stillen besonders geeignet, da sie den Blick auf die Brust nicht allzu frei geben und die Mutter während des Stillens nicht frieren muss. Da auch außerhalb des Stillens Milch abgesondert wird, schützen Stilleinlagen vor unangenehmen Überraschungen. Es gibt sie als Einmaleinlagen, aus Wolle und aus kühlender Seide. Mindestens drei Paar Stilleinlagen sollten zum Wechseln vorrätig sein.
  • Feuchte Stilleinlagen müssen ausgetauscht werden. Da oftmals der Still-BH mit nass wird, braucht die junge Mutter auch dafür Ersatz. Stillhütchen aus Silikon sind hingegen nur vorübergehend hilfreich, wenn sich die Brustwarzen entzündet haben oder sich nicht genügend nach außen formen. Sie sollten nur nach Rücksprache mit der Hebamme angewendet werden.
  • Damit es der Mutter gut geht, sollten entsprechende Produkte zum Stillen, wie zum Beispiel von Windeln.de, bereitgestellt werden, da sich das Wohlbefinden auf das Kind beim Stillen überträgt.

Auf Mutter Natur vertrauen

  • Vorbeugend gegen Schmerzen beim Stillen hilft nach Ansicht vieler Mütter, ein paar Tropfen Muttermilch nach dem Stillen auf der Brustwarze zu verteilen und an der Luft trocknen zu lassen.
  • Wichtig ist zudem, das Baby an beiden Brüsten gleichmäßig trinken zu lassen. Die Trinkmenge des Babys und die produzierte Milchmenge passen sich optimal aneinander an. Dadurch wird das Baby bald auch an Gewicht zuzulegen. Das ist ein Zeichen dafür, dass es genug Milch bekommt.
  • Nicht genug Milch zu haben, beschäftigt viele Frauen, ist aber tatsächlich extrem selten. Gibt es Probleme mit der Milchbildung, helfen sogenannte Stilltees. Diese enthalten natürliche Kräuter wie Kümmel, Anis und Fenchel, die die Milchbildung positiv beeinflussen können.
  •  Eine Mutter ist durch ihre Muttermilch sehr gut in der Lage, ein Baby vollständig zu ernähren. Die Natur beweist das immer wieder. Auch, wenn sich das Stillen eingespielt hat, sollte weiter gegen jede Uhr gestillt werden, da jedes Baby unterschiedlich ist und somit auch das Stillverhalten keinen drei-/vier-Stunden Rhythmus diktieren sollte.

Probleme rechtzeitig erkennen und lindern

  • Selbst erfahrenen Müttern passiert es, dass sich die Brust inmitten der Stillzeit verhärtet und schmerzt. Damit aus solch einem kleineren Milchstau keine entzündliche Mastitis wird (mehr Informationen dazu auf 9Monate.de), die mit Antibiotikum behandelt werden muss, sollte schnell gehandelt werden.
  • Direkt vor dem Stillen kann die Mutter die Brust vorsichtig anwärmen, um den Milchfluss in Gang zu setzen. Es hilft auch, einige Milchtropfen mit der Hand von der Achsel Richtung Brustwarze entlang der verhärteten Milchgänge auszustreichen. Das Massieren der betroffenen Stellen wird in gleicher Weise beim Stillen fortgesetzt.
  • Direkt nach dem Stillen wird die Brust gekühlt. Ein bewährtes Hausmittel ist Speisequark, der dick aufgestrichen für eine halbe Stunde unter einem Handtuch aufliegen sollte. Kühlpacks dürfen nur vorsichtig verwendet werden, da sie zu kalt sein könnten. In jedem Fall sollte die Mutter das Bett hüten und Hebamme verständigt werden, damit sie zu einem Hausbesuch vorbeikommt.

Glücksgefühle als Dankeschön

  • Sind alle anfänglichen oder vorübergehenden Probleme mit dem Stillen überstanden, kommt das Schönste: Mutter und Kind genießen die innigen Momente beim Stillen, kuscheln miteinander und betrachten sich gegenseitig mit den liebevollsten Blicken. Gut abgestützt im bequemen Sessel mit einem Stillkissen oder entspannt beim Liegen auf der Seite werden Mamas Rücken und Arme am besten entlastet. Ganz von allein zehrt das Stillen an den überschüssigen Pfunde der Schwangerschaft, wobei die Mutter weiterhin auf gesundes und ausgewogenes Essen achten sollte.
  • Spürt sie beim Stillen ein Ziehen im Unterleib, kündigt die Gebärmutter ihre natürliche Rückbildung an. Rauchen, Alkohol und viel Kaffee sind weiterhin tabu. Der Ratschlag an Stillende, viel zu trinken, bezieht sich auf Wasser und milde, möglichst eisenhaltige Fruchtsäfte. Auch Hautauschlag beim Baby kann ein Anzeichen für schlechte Verträglichkeit bestimmter Nahrungsmitteln sein. Dies kann zum Beispiel bei hohem Konsum von Milchprodukten der Mutter der Fall sein.
  • Als Lohn für alle Mühe und Entsagungen sind gestillte Babys im Vergleich zu nicht gestillten Babys jedoch ihr Leben lang gesünder, leiden seltener unter Allergien und an Übergewicht.