Bei Synanon handelt es sich um eine Stiftung, welche im Jahre 1958 durch den Amerikaner Charles Dederich gegründet wurde. Es geht dabei um Hilfe für Betroffene, durch Betroffene. Das bedeutet, der Süchtige wird von einem ehemals Süchtigen zur Selbsthilfe angeleitet und dabei unterstützt.
Gründung und Grundidee
Der Name der Stiftung ist eine Wortneuschöpfung aus den Wörtern Symposium und Seminar. Im Jahre 1971 wurde von unter anderem einem deutschen Fixerpärchen "Synanon International" in West-Berlin gegründet. Das Ziel war und ist es, möglichst vielen Drogenabhängigen aus der Sucht zu helfen. Das Motto für alle Mitglieder lautet: "Keine Drogen, kein Alkohol, keine Gewalt und keine Zigaretten". Die im Jahre 1973 als gemeinnützig anerkannte Stiftung propagiert somit die völlig Enthaltsamkeit, sogar gegenüber bewusstseinsverändernden Medikamenten. In der Gemeinschaft wird probiert das Suchtproblem dauerhaft zu lösen. Dabei wird vor allem auf die gegenseitige Kontrolle gesetzt. Es gibt in Deutschland mehrere Häuser, in denen durch eine Wohngemeinschaft die Therapie und Kontrolle rund um die Uhr verwirklicht werden kann.
Schrittweises Therapieprogramm
Wenn sich ein Abhängiger zum Einstieg in Synanon entschlossen hat, beginnt die Therapie zunächst mit dem Entzug. Dieser wird nicht in der Wohngemeinschaft vollzogen und es werden keine Ersatzpräparate eingesetzt. Dieser sogenannte kalte Entzug wird unter ständiger Aufsicht eines erfahrenen Mitglieds durchgeführt. Während der Entzugsphase wird der Neuankömmling zu keiner Zeit alleine gelassen. Im zweiten Schritt folgt die ärztliche Versorgung. Diese beinhaltet einen kompletten Gesundheitscheck und einen HIV Test. Es folgt die eventuell längerfristige Behandlung. Die Fahrten zum Arzt darf ein neues Mitglied in den ersten 12 Monaten nur in Begleitung eines Mitbewohners unternehmen. Des Weiteren wird eine dreimonatige Kontaktpause praktiziert, in der das neue Mitglied von seinem ehemaligen Alltag und allen damit verbundenen Personen ferngehalten wird, um ihm eine Ruhepause und einen Abschluss zu ermöglichen. Abhängig von der Länge des Aufenthalts finden Gruppengespräche zwischen 6 und 2 Mal pro Woche statt. Dabei können sich die Ex-Süchtigen untereinander austauschen, ihre Probleme zur Sprache bringen und um Hilfe bitten.
Es wird juristische Hilfe und eine Entkriminalisierung angeboten, für jene die in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sind.
Im letzten Schritt wird versucht dem ehemals Süchtigen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft und ein normales Leben zu ermöglichen. Ähnlich wie bei den "Anonymen Alkoholikern" werden Personen um Entschuldigung gebeten, die zur Zeit der Abhängigkeit unter dem Süchtigen leiden mussten. In verschiedenen Sektoren kann eine Lehre gemacht werden, um den Einstieg ins Arbeitsleben zu Ermöglichen. Die Nachsorge durch Synanon sichert einen guten Start ins "neue" Leben und versucht Rückfällen vorzubeugen.