Tablettensucht: Hinweise für Betroffene

Bei der Tablettensucht sind sowohl psychische als auch körperliche Abhängigkeit möglich – bei ersterem bemerken die Betroffenen ihre Sucht häufig erst sehr spät.


Bei einer Tablettensucht wird grob zwischen der körperlichen und der psychischen Abhängigkeit unterschieden. Die psychische Abhängigkeit ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass der Betroffene das Gefühl hat, ohne die Einnahme der Tablette nicht mehr richtig funktionieren zu können.

Die körperlich spürbare Tablettensucht

Bei einigen Präparatgruppen wie etwa Abführmitteln (Laxantien) oder Beruhigungs-/Schlafmittel (Benzodiazepinen) kommt es sehr rasch zu einer körperlichen Abhängigkeit. Aus diesem Grunde werden Benzodiazepine vom Arzt in der Regel nicht länger als ein bis zwei Wochen verschrieben, um eine nachfolgende Tablettensucht beim Patienten zu vermeiden.
Bei regelmäßiger Einnahme von Abführmitteln hat dies zur Konsequenz, dass eine natürliche Darmentleerung ohne Hilfsmittel nicht mehr möglich ist. Auch in diesem Fall kommt es nach relativ kurzer Zeit bei regelmäßiger Einnahme zu einer Tablettensucht.

Entzugserscheinungen

Gerade bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, die zur Gruppe der Benzodiazepine gehören, kann es nach abruptem Absetzen des Präparats nach einer längerfristigen Einnahme zu massiven Entzugserscheinungen kommen, die sich in starken Unruhe- und Angstzuständen äußern. Um eine Tablettensucht zu vermeiden, ist eine ständige ärztliche Kontrolle notwendig, auch zur Überprüfung der Nieren- und Leberwerte, da die in den Tabletten enthaltenen Substanzen in Leber und Nieren vom Körper verarbeitet werden.
Hinzu kommt, wie übrigens bei anderen stoffgebundenen Süchten auch, dass bei einer Tablettensucht stets eine Dosiserhöhung notwendig ist, weil der Körper nach einem gewissen Zeitraum eine Toleranz gegenüber den süchtig machenden Substanzen entwickelt. Vielfach erhöhen die Betroffenen eigenmächtig die vom Arzt verordnete oder im Beipackzettel aufgeführte Dosis, um überhaupt noch die gewünschte Wirkung (Beruhigung, Schmerzlinderung et cetera) zu erzielen.

Vielfach greifen psychische und körperliche Tablettensucht ineinander

Abgesehen von möglichen Entzugserscheinungen nach Absetzen des Medikaments hat der Betroffene vielfach das Gefühl, ohne die Tabletten nicht mehr richtig zu funktionieren oder ohne sie nicht mehr auskommen zu können – auch wenn die Symptomatik, gegen die das Medikament ursprünglich eingenommen wurde, längst nicht mehr besteht. Die Betroffenen werden vielfach unruhig und gereizt, wenn sie wissen, dass sie nichts mehr von einer bestimmten Medikamentengruppe im Haus haben, hinzu kommen körperliche Entzugserscheinungen, die sich ebenfalls in Unruhe und Gereiztheit äußern können.
Auch bei längerfristiger Einnahme von frei verkäuflichen Schmerzmitteln wie etwa Aspirin, Thomapyrin, Ibuprofen oder Neuralgin kann es zumindest zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Schmerzmitteln treten vielfach Kopfschmerzen auf, die unter keinen Umständen durch eine höhere Dosierung des Schmerzmittels behandelt werden dürfen.