Tattoo Motive - dazugehören oder sich abgrenzen?

Vor allem jüngere Menschen verwenden Tattoo Motive als Ausdruck einer eigenständigen Persönlichkeit, zur Abgrenzung zu allzu bürgerlichem Ambiente und vor allem zur Manifestierung eines Zugehörigkeitsgefühls...


Tätowierungen sind immer schon eine Modeerscheinung gewesen. In unserer Gesellschaft verbreiten sich Tattoos explosionsartig seit den Neunziger Jahren. Vor allem jüngere Menschen verwenden Tattoo Motive als Ausdruck einer eigenständigen Persönlichkeit, zur Abgrenzung zu allzu bürgerlichem Ambiente und vor allem zur Manifestierung eines Zugehörigkeitsgefühls. So werden die neuen Tätowierungen einer Schwimm-Rekordhalterin schon mal Thema einer Sportsendung mit hoher Einschaltquote, wenn sie damit die enge Verbindung zu einem tätowierten Sportler der Handball-Nationalmannschaft signalisieren möchte.

Wo gehöre ich hin?
Tattoo Motive drucken Gruppenzugehörigkeit aus. In der Rock-Musikerszene gibt es keinen Drummer mit untätowiertem Oberarm. Gestylte Haare, Lederweste, Armband, gepiercte Brustwarzen, Nasen und Ohren und tätowierte Körperflächen gehören einfach zusammen. Wer keine Tattoos auf der Brust hat, gehört nicht zur Band. Auch die Punk-Szene versucht seit den 1970er Jahren den Normalbürger mit großflächigen Tätowierungen zu schrecken und sich selbst eine Identität als eigenständige Subkultur zu geben.

Trend oder Individualität
Gerade wegen des Modecharakters treten immer wieder neue Trends in der Szene ans Tageslicht. Chinesische und japanische Schriftzeichen werden von Tribal-Motiven abgelöst, die schon längst wieder von kunstvollen historischen Seemanns-Motiven verdrängt werden. Wer stark genug ist, sich nicht dem jeweiligen Trend anzupassen, entwirft eine eigenes Tattoo Motive und lässt sie in seinem Tattoo-Studio umsetzen. Reichen Zeichenfähigkeit und Fantasie nicht aus, bieten Szene-Zeitschriften und Motiv-Kataloge aus dem Internet eine nach Epochen, Themen, Trends und Künstlern sortierte Vielfalt an, aus der jedermann auswählen und kombinieren kann.

Ein Leben, das unter die Haut geht
Niemand lässt sich ohne Anlass eine lebenslange Tätowierung für teures Geld unter die Haut stechen. Tattoo Motive stehen für einen neuen Lebenspartner, den Eintritt in die erste Band, den Auszug aus dem Elternhaus oder die wilde Zeit in der autonomen Subkultur. Der 1970 geborene US-amerikanische Schlagzeuger brasilianischer Abstammung Roy Mayorga verrät in einem Interview: "Alle Motive markieren einen Punkt in meinem Leben. Ich trage meine Lebensgeschichte unter der Haut, die nur ich selbst entschlüsseln kann."