Taurin - Mythos und Wirklichkeit

Taurin ist vor allem im Zusammenhang mit Feiern und Partymachen bekannt geworden. Aber was ist dran am Mythos, der einem nach einem Schluck Flügel verleihen soll?


Spätestens seitdem „Energydrinks“ aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken sind, kennen viele Menschen den Inhaltsstoff Taurin. Taurin oder auch Aminoethansulfonsäure ist eine organische Säure. Im Jahr 1824 gelang es Chemikern, diesen Stoff aus einer Stiergalle zu isolieren, daher der Name „Taurin“ (lat. Stiergalle = Fel tauri). Taurin kann der Körper aus der Aminosäure Cystein selbst herstellen. Die Säure ist in der Lage, die Resorption der Nahrungsfette zu verbessern, da es mit Gallensäuren reagieren kann.

Zufuhr von Taurin
Da der Körper Taurin aus der Aminosäure Cystein selbst produzieren kann, ist eine weitere Zufuhr nicht nötig. Säuglinge hingegen sind noch nicht in der Lage, diesen Stoff selbst herzustellen. Ihnen wird Taurin über die Muttermilch verabreicht. Damit der Körper Taurin herstellen kann, sind cysteinhaltige Nahrungsmittel wie Fisch, Fleisch und Milchprodukte empfehlenswert. Die eigentliche Taurin-Synthese findet hauptsächlich im Gehirn und in der Leber statt. Wie viel Taurin gebildet wird, hängt vom Alter des Menschen ab.

Funktion von Taurin
Der aminoähnliche Stoff Taurin sorgt für die Entwicklung des Nervensystems und fördert das Muskelwachstum. Zudem wird der Stoff gebraucht, um die Gallensäuren Taurocholsäure und Taurochenodesoxycolsäure herzustellen. Taurin spielt eine wichtige Rolle beim Kalziumaustausch zwischen dem Inneren und dem Äußeren der Zellwand. Dadurch werden indirekt die Herzfunktionen unterstützt. Auch zur Behandlung von schweren Herzerkrankungen wird Taurin eingesetzt.

Taurin bei Hund und Katze
Generell ist Taurin kein essenzieller Stoff – zumindestens nicht für erwachsene Menschen. Bei Tieren kann das anders sein. Die Eigensynthese von Taurin ist zum Beispiel bei Katzen zu gering, als das der Bedarf über die Ernährung gedeckt werden könnte. Darum muss Katzen Taurin vom Herrchen oder Frauchen verabreicht werden. Meistens wird es den Katzen in das Futter gemischt.

Hunde hingegen können Taurin selbst aus der Aminosäure Cystein herstellen. Allerdings gibt es auch Rassen, dessen Eigensynthese zu gering ist. Sollte dies der Fall sein, kann es über eine Blutuntersuchung herausgefunden werden. Bei gewissen Krankheiten erhöht sich der Taurinbedarf des Hundes. Herrchen oder Frauchen müssen mit einem Taurinmangel rechnen, wenn das Tier eine Operation, ein Trauma, Blutvergiftung (Sepsis), eine Entzündung oder Krebs erfolgreich überstanden hat.

Durch einen Taurinmangel können Wachstums- und Entwicklungsstörungen auftreten. Weiter kann es zu Immundefiziten, Sehschwäche (bis hin zur Erblindung) und Herzerkrankungen kommen. Die Taurinzufuhr kann demzufolge auch bei Hunden in entsprechenden Fällen angebracht sein.

Der Mythos
Anfang des 19. Jahrhunderts schafften Chemiker es, den Stoff Taurin aus einer Ochsengalle zu isolieren. Der Mythos, dass zum Beispiel in Energydrinks „Ochsentaurin“ enthalten ist, stimmt jedoch nicht. Heute wird Taurin synthetisch hergestellt und stammt nicht von Stieren. Taurin ist auch als Inhaltsstoff von Waschmitteln bekannt.

Wie wach bleiben?
Jeder kennt die bunten und teils skurrilen TV-Spots um den begehrten Wachmacher in der Silberdose. Flügel soll er verleihen, Müde munter und Alte wieder jung machen. Doch was ist dran am Mythos Taurin?
Tatsächlich bewirkt nicht das enthaltene Taurin den energiesteigernden Effekt, sondern der hohe Koffeingehalt. Pro Dose kommt so, umgerechnet, eine ganze Tasse Kaffee zusammen. Durch ebenjenes Koffein kann auch das Hochgefühl nach dem Konsum erklärt werden. Koffein wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem, zudem steigen die Pulsfrequenz und der Blutdruck. Die Nebennieren produzieren Noradrenalin, man fühlt sich wie nach einem erholsamen Schlaf. Als leckerer Kaffee-Ersatz sollte die goldgelbe Flüssigkeit aber nicht zum Einsatz kommen, denn in einer Silberdose sind hohe Mengen Zucker enthalten.
Als Sportgetränke können Energydrinks ebenfalls nicht empfohlen werden, da der Vitamin- und Mineraliengehalt zu niedrig ist.