Tautologie oder die runde Kugel

Ob es sich beim vorliegenden Fall um eine Tautologie oder ein Pleonasmus handelt – der gewisse Unterschied ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen.


Der weiße Schimmel, oder voll und ganz, wohl jeder kennt diese Stilblüten aus dem Deutschunterricht. Die Fachbegriffe „Pleonasmus“ oder „Tautologie“, beide beschreiben diesen Sachverhalt. Dabei handelt es sich um eine inhaltliche Wiederholung des bereits gesagten beziehungsweise eine Häufung gleichbedeutender Wörter. Angewendet wird dieses Stilmittel aus unterschiedlicher Motivation.

Unterscheidung der grammatikalischen Definitionen
Die Tautologie: Zur Hervorhebung eines Sachverhaltes wird absichtlich Sinngleiches wiederholt. Dabei haben sich viele dieser Formulierungen bereits im Sprachgebrauch eingegliedert:
Immer und ewig, einzig und allein, wider Erwarten und unverhofft.
Es handelt sich hier um Wörter der gleichen Wortart, die bewusst gemeinsam verwendet werden. Wichtig ist dabei die Beiordnung der Bezeichnungen. Beide sind gleichrangig und gleichbedeutend. Still und leise, aus und vorbei, die Beispiele hierfür sind vielfältig. Ist das erste Wort eigentlich schon Beschreibung genug, folgt das zweite zur Verdeutlichung.
Der Pleonasmus: Hier wird durch ein Begleitwort verstärkt, was bereits aus der ersten Formulierung hervorgeht. Auch dieses Stilmittel wird umgangssprachlich öfters verwendet:
Die tote Leiche, die weibliche Kanzlerin, der weiße Schimmel, der runde Kreis.
Im Unterschied zur Tautologie ist hier die Wortart nicht gleich, sondern ein Attribut, Adjektiv oder Adverb zur Verstärkung beigesetzt, das aus dem Zusammenhang wiederum Gleichartiges beschreibt. Wichtig ist hier die Unterordnung einer Bezeichnung. Das Hauptwort selbst ist aussagekräftig, wird aber durch das Beiwort nochmals betont. Die persönliche Anwesenheit, wie sollte sie denn sonst erfolgen?

Die Verwendung – zur rhetorischen Verstärkung oder aus Unwissen
Ohne Unterscheidung in grammatikalische Formen werden die Ausdrücke „Pleonasmus“ und „Tautologie“ oft synonym verwendet. Das Einsetzen dieser Stilmittel erfolgt meist absichtlich, um den Sachverhalt zu verdeutlichen. Wir haben also wahrhaft und wirklich eine weibliche Kanzlerin, im Kontext wohl so unüblich, dass es separat nochmals betont wird. Die runde Kugel kann auch ein gefertigtes Werkstück bezeichnen, das im Vergleich zu einer geschnitzten Holzkugel technisch absolut rund ist. Die bewusste Verwendung ist ein beliebter rhetorischer Kunstgriff, um die Aussage selbst zu betonen.
Dagegen sind unabsichtliche Verwendungen oft reine Sprachfehler aus Unkenntnis. Das bekannteste Beispiel einer Tautologie seit den 80er Jahren ist wohl „HIV-Virus“. Die Langfassung bedeutet somit: Humane Immundefizienz Virus – Virus, und ist im Sprachgebrauch unsinnig, aber akzeptiert und dauerhaft von allen Medien verwendet.
Ob aus Unkenntnis und damit oft als schlechtes Stilmittel bezeichnet, oder aber zur rhetorischen Verstärkung, in der deutschen Sprache haben sich der Pleonasmus und die Tautologie auf Dauer etabliert.