Teepuppe für Nostalgiker

Die Teepuppe, eine Spezies aus längst vergangenen Tagen, führt ein Leben im Verborgenen – denn nur echte Liebhaber zelebrieren das Tee trinken noch mit allen Details.


Insidern ist sie ein Begriff, Sammler brechen ob der raren Exemplare der Teepuppe in Begeisterungsstürmen aus. Das Püppchen, dessen ruhmvolle Zeit an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhunderts bis in die Roaring Twenties angesiedelt ist, wurde kreiert, um Teekannen und deren Inhalt mit seinem üppigen Rock zu wärmen, eine optische Inszenierung als Alternative zum Stövchen.

Dame ohne Unterleib

Die Teepuppe zeichnet sich durch einen Oberkörper aus feinem Porzellan aus. Am unteren Ende dieser Büste befinden sich zwei Löcher, an denen ihr Rock befestigt werden kann. Der Oberkörper der Figur kann bis zu 15 Zentimeter lang sein und dient sozusagen als Griff. Ein Rock mit üppigen Rüschen und Volants wird gemeinsam mit der Puppe über die Teekanne gestülpt und verhindert so, dass die Kanne zu schnell Wärme abgibt und der Tee dadurch auskühlt.

"Half-Dolls" – Kinder ihrer Zeit

Die sogenannten Halbpuppen oder auch "Half-Dolls" kamen mit dem beginnenden 20. Jahrhundert in Mode und erlebten ihre stärkste Zeit in der 20er Jahren. Manchmal wurde auch auf den Stil früherer Epochen zurück gegriffen und so findet man auch Teepuppen, die in ihrer Erscheinung durchaus an das Biedermeier erinnern. Andere wiederum zeigen auf ihren fein gearbeiteten Porzellanköpfchen die Züge von berühmten Schauspielerinnen. Diese liebevoll gestalteten Zeugen eines vergangenen Lebensgefühl vermitteln unserer hektischen "Coffee-to-go"-Zeit eine Ahnung von Ruhe und kultiviertem Teezeremoniell.

Selbstbewusste Art-Deco-Schönheiten

Porzellanmanufakturen spezialisierten sich auf die Herstellung dieser zarten Schönheiten und perfektionierten die detaillierte Ausführung. Nach Vorlagen von Künstlern entstanden exotische Tänzerinnen und mondäne Damen in Bone-Chine-Qualität. Es handelt sich dabei um Knochenporzellan, ein sehr weißes und durchscheinendes Weichporzellan, das sich durch sehr hohe Kantenschlagfestigkeit auszeichnet und als hochwertigstes Porzellan an gesehen wird. Mit Bubikopf und Charlestonlook – dem typischen Erscheinungsbild der 20er Jahre – legen sie ein Zeugnis dieser Epoche ab. Heute zählen diese Teepuppen zu erlesenen Sammlerstücken und werden manchmal zusätzlich mit dem Namen der Porzellanhersteller versehen, wie zum Beispiel die sogenannten "Goebel Teepuppen". Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die Teepuppe an Bedeutung, verkam zum Nippes und wurde in zunehmend schlechter Qualität hergestellt.

Begeehrte Sammler-Stücke

Viele schöne Exemplare wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts nicht geschätzt und gingen verloren. Heute werden Teepuppen als Raritäten gehandelt. Erlesene Stücke erzielen unter Sammlern Preise über 200 €. Das Coburger Puppenmuseum besitzt mit 350 Stück die größte Teepuppensammlung Europas.