Telefonterror: Rechtliches und Abwehr

Telefonterror wird rechtlich als Stalking gewertet, doch wie kann ein Opfer sich gegen das Nachstellen wehren?


Telefonterror, also der unerwünschte Anruf durch anonyme oder dem Opfer bekannte Personen, äußert sich in verschiedenen Formen. Da ist der psychopathische Anrufer, der eine zufällige Telefonnummer wählt und ein ihm unbekanntes Opfer mit Obszönitäten oder lautem und heftigem Atmen belästigt. Dies kann sich in den folgenden Stunden und Tagen wiederholen, aber auch bei einem Einzelfall bleiben. Ein unerwünschter Anruf kann aus dem näheren Bekannten- oder Nachbarschaftsumfeld erfolgen und Beschimpfungen oder Bedrohungen beinhalten. Auch hier bleibt es im günstigen Fall bei der einmaligen Belästigung aus einem, aus Sicht des Täters, aktuellen Anlass. In der Regel handelt es sich bei Telefonterror, der von Personen aus dem direkten Umfeld des Opfers verübt wird, um eine Tat aus dem Bereich „Stalking“. Besonders dann, wenn die Anrufe sich in einem längeren Zeitraum wiederholen.

Definition und Beispiele für Stalking
Unter Stalking (deutsch: Nachstellung, Verfolgung) versteht man das vorsätzliche und wiederholte Belästigen, Verfolgen und Nachstellen einer Person durch den Täter – den Stalker. Telefonterror ist dabei nur eine Variante aus den zahlreichen Tatbestandsmerkmalen des Stalking. Weitere Beispiele sind Briefe mit Beschimpfungen, Obszönitäten oder unerwünschten Liebesschwüren, das persönliche Verfolgen zu Fuß oder mittels Auto, das wiederholte Hinterlassen von Nachrichten auf Anrufbeantwortern, häufiges Senden von SMS oder E-Mails mit verwerflichem Inhalt, abwertende oder verleumderische Beiträge in Internet-Foren mit namentlicher Nennung des Opfers, das Ablegen von Nachrichten oder Gegenständen in Briefkästen oder am Auto, Ausspionieren von persönlichen Daten des Opfers oder der Person und ihres Verhaltens selbst beziehungsweise die Androhung von Gewalt. Stalking kann bei Betroffenen nervöse Unruhe- und Angstzustände auslösen und zu Depressionen oder zu dauerhaften psychischen Schäden führen. Bei extremen und schweren Fällen von Stalking, kommt es im schlimmsten Fall zu Körperverletzungen oder gar dem Tod des Opfers.

Auswirkung von Telefonterror und mögliche Gegenmaßnahmen
Fast jeder Mensch kann Opfer von telefonischer Belästigung durch Ex-Lebenspartner, Ex-Kollegen oder durch aufdringliche Nachbarn und Bekannte werden. Die Opfer empfinden Telefonterror als unerwünscht, beklemmend oder bedrohlich. Bei weniger schwerwiegenden Fällen der Belästigung, zum Beispiel durch obszöne Anrufe, können auch einfache Maßnahmen der Gegenwehr helfen. Diese reichen vom wortlosen Auflegen des Telefonhörers, über das laute Anschreien des Anrufers vor dem Auflegen, bis zum Griff und Gebrauch einer möglichst schrillen und lauten Trillerpfeife. Als Schutz vor anonymen Anrufern kann bei einer Telefongesellschaft eine neue und/oder geheime Rufnummer beantragt werden. Dort besteht auch die Möglichkeit, eine Fangschaltung einrichten zu lassen, um so den Täter feststellen zu können. Ist der Anrufer namentlich oder persönlich bekannt, sollte ihm schriftlich oder im Beisein von Zeugen mitgeteilt werden, dass weitere Kontaktversuche zu unterlassen sind. Eine Beratung durch spezialisierte Rechtsanwälte oder die Kontaktaufnahme zur Polizei empfiehlt sich.

Anzeige hilft
Wenn gar nichts fruchtet und die Belästigungen weiter gehen, sollte auch eine Anzeige bei der Polizei erwogen werden. Diese kann den Täter dann gezielt auf sein strafbares Handeln hinweisen. Im weiteren Verlauf kann bei Gericht eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung beantragt werden. Eine Strafverfolgung erfolgt immer auf Antrag des Opfers. Seit 2007 gibt es in Deutschland den Straftatbestand der Nachstellung (§ 238 StGB). Beim Delikt des Telefonterrors können auch mögliche anwendbare Straftatbestände der Beleidigung, Bedrohung oder Nötigung gegeben sein. Wird in einem Gerichtsverfahren ausgeübter Telefonterror als „einfache Nachstellung“ gewerteten, können Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren verhängt werden.