Telespiel - Nostalgie im Netz

In den Siebzigern begann der Siegeszug der Telespiele, der dank Internet und einer treuen Fangemeinde bis heute anhält.


Es ist beinahe vierzig Jahre alt und hat trotz moderner, hochauflösender Konkurrenz auch heute noch viele Anhänger: das Telespiel. Begonnen hat alles 1972 in den USA, mit der ersten Heimspielkonsole Magnavox Oddyssey und deren Erfinder Ralph Baer. Drei Jahre später brachte die Firma Atari ein Spiel namens „Pong“ auf den Markt, das am heimischen Fernseher aus ein paar Quadraten und Linien auf dunklem Hintergrund ein Tischtennisspiel entstehen ließ. Das Spiel wurde zum Erfolg und Atari zur Kultmarke. Unzählige nachfolgende Spiele und Konsolen verschiedenster Hersteller haben die grobpixeligen Produkte vergangener Jahrzehnte jedoch keineswegs in Vergessenheit geraten lassen. Im Internet treffen sich Retro-Fans und erwecken die Klassiker aus den Kindertagen der Videospiele wieder zum Leben.

Von Spielern für Spieler
Die Auswahl an Telespielen ist groß, denn fast jedes Gerät der vergangenen vier Jahrzehnte hat seine eigene Nische im Netz. Ob man sich für „neuere“ Konsolen wie Super Nintendo oder Play Station 2 begeistert oder doch lieber das Atari-Gefühl der Siebziger wieder aufleben lassen will, für jeden Geschmack (und jede Spielergeneration) ist etwas dabei. Eine Konsole und dazugehörige Spielmodule werden heutzutage allerdings nicht mehr benötigt. Die Spiele kann man sich herunterladen und mit eigens dafür entwickelten Emulatoren am PC zocken oder in manchen Fällen auch ohne Download direkt im Browser starten, wie zum Beispiel auf telespiele.de. Kreiert wurden die Webseiten und die zur Spielausführung benötigten Programme in erster Linie von Fans, die in vielen Stunden unbezahlter Arbeit und mit wahrer Hingabe die Spiele ihrer Kindheit für die Rechner von heute adaptiert haben.

Kult und Kunst
Der Reiz des Telespiels ist jedoch mehr als pure Nostalgie. Die simple Bedienung und leicht nachvollziehbaren Spielabläufe der Klassiker machen einfach Spaß. Hinzu kommen die schnelle Verfügbarkeit der Spiele und die geringen Systemanforderungen der Emulatoren, die jedem suchmaschinenkundigen Internetnutzer das Spielvergnügen zugänglich machen. Was den Spielen von damals jedoch Kultstatus verleiht, ist ihr meist genial einfaches Spielprinzip, das noch ohne realistische Grafik und 3D-Animationen auskommen musste und trotzdem heute noch zu fesseln vermag. Im Internet haben sich ganze Fan-Communities gebildet, die über ihre Lieblingsspiele bloggen, sich in Foren austauschen oder Neufassungen programmieren. Auch das Umfeld gehört zum Kult, die Gemeinschaft, mit der man Leidenschaft und Erinnerungen teilt. Selbst in die Kunst haben Videospiele mittlerweile Einzug gehalten und Webseiten, die sich von Spielen inspirierten Kunstprojekten widmen zeugen vom künstlerischen Potenzial des Telespiels, das auch in Zukunft noch für Interesse sorgen wird.