Teleworker – Arbeiten von Zuhause

Teleworker galten in den 1990er Jahren als Vorreiter einer modernen Arbeitswelt mit neuen Freiheiten für Unternehmen und Beschäftigte, heute betrachtet man das Modell differenzierter.


Es schien ein Traum für die Angestellten zu sein, genauso wie für ihre Chefs: Kein Straßenverkehr mehr auf dem Weg ins Büro, kein Zuspätkommen, kein Mobbing und kein Gerangel um Büroplätze. Dazu kam eine für die Unternehmen erhebliche Kostenersparnis, denn Teleworker kosten weder Büromiete, inklusive aller Nebenkosten und Anschaffungen, noch Firmenparkplätze. Doch Anfang der 2000er Jahre wurden umfangreiche Studien angestellt, nachdem man erstaunt konstatiert hatte, dass die Zahl der Teleworker in den USA stagnierte.

Nur jeder 20. US-Beschäftigte war 2001 ein Teleworker
Man hatte mehr erwartet: Anfang der 1990er Jahre war Bürovermietern eine düstere Zukunft prophezeit worden. Wer braucht in Zeiten von Internet und Videotelefonie noch teure Flächen, in denen sich die Leute auf die Füße treten? Doch nur fünf Prozent aller Büroarbeiter in den Vereinigten Staaten fanden das Modell so attraktiv, dass sie es dauerhaft praktizierten. 62 Prozent der Unternehmen führten es gar nicht erst ein – wegen mangelndem Interesse ihrer Mitarbeiter. Denen war der Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten am Ende doch lieber, als daheim ständig im Dienst zu sein. Mancher fürchtete gar, schlicht vergessen respektive bei Beförderungen übersehen zu werden.

Das Modell lohnt sich unter bestimmten Bedingungen
Vielleicht hatte man die direkte Kommunikation im Büro, die zu mehr als 50 Prozent nonverbal stattfindet, unterschätzt. Vielleicht müssen aber auch die richtigen Aufgaben für Teleworker sowie die richtigen Personen fürs Teleworking gefunden werden. Denn, dass sich zwei Kollegen abwechselnd den gleichen Schreibtisch teilen, kann eigentlich nur in Stress ausarten. Viel eher kommen Datenarbeiter infrage, die tatsächlich viele Stunden auf einen Bildschirm fokussiert sind bei einer Aufgabe, die sie ohnehin nur alleine lösen können. Für diese Menschen ist Teleworking äußerst praktikabel, 76 Prozent von ihnen gaben 2010 in Deutschland an, als Teleworker produktiver zu sein als im Büro (nur 62 Prozent der Unternehmen glaubten indes an diese Aussage). Möglicherweise erleichtert die immer schnellere und billigere Online-Kommunikation auch den Fortschritt: 2010 gab es in Österreich jedenfalls schon 12 Prozent Telearbeiter. 1997 waren es nur 8 Prozent gewesen.