Etwa 30 Prozent der Schlaganfallüberlebenden entwickeln nach dem Infarkt Schmerzen oder unangenehme Empfindungen. Infolge der Schädigung zentraler Hirnstrukturen treten vielfältige Beschwerden auf der Körperoberfläche auf. Die bekannteste dieser Schmerzformen ist der sogenannte Thalamusschmerz.
Der Thalamusschmerz (post-stroke-pain)
Etwa acht Prozent der Schlaganfallpatienten leiden unter dem Thalamusschmerz, einer chronischen Form des Nervenschmerzes. Er entsteht, wenn der Thalamus unwiederbringlich geschädigt worden ist. Der Thalamus, unser zentrales Schmerzverarbeitungszentrum, wird auch „Tor zum Bewusstsein“ genannt, weil in ihm alle Nervenbahnen zusammenlaufen, die für das Temperatur- und Berührungsempfinden eine Rolle spielen.
Symptome
Der Thalamusschmerz kann unmittelbar nach einem Schlaganfall auftreten, in manchen Fällen beginnt er aber auch erst Wochen oder sogar Monate nach dem eigentlichen Vorfall. Die Beschwerden äußern sich oft in einer unangenehmen Mischung aus Kälte- und Hitzeempfinden. Die Betroffenen selbst beschreiben den Schmerz als Taubheitsgefühl, Prickeln oder Brennen. Dabei handelt es sich nicht um Schmerzwellen, die in Intervallen auftreten, die Beschwerden sind Tag und Nacht vorhanden, selbst in der Nacht wird das Leben der Patienten durch den Dauerschmerz beeinträchtigt. Schon bei der leichtesten Berührung verstärken sich die Beschwerden. Wenn der Betroffene sich bewegt oder gar Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, fühlt es sich an, als ob der Körper beziehungsweise der betroffene Körperteil in Flammen steht. Es ist also kein Wunder, dass sich der Thalamus-Schmerz nach einer Weile auf das Gemüt des Patienten schlägt: Er wird missmutig, mürrisch und gereizt, manchmal entwickelt sich sogar eine Depression. Sogar körperliche Beeinträchtigungen sind möglich. Wenn beispielsweise die Hand betroffen ist, verfällt diese in eine Schonhaltung und erstarrt aus Mangel an Bewegung nach einer Zeit. Der Mediziner spricht von einer sogenannten Thalamushand.
Behandlung
Der Thalamusschmerz gehört zu den am schwierigsten zu behandelnden Schmerzformen. Grundsätzlich sollte eine Behandlung so früh wie möglich beginnen, um den größtmöglichen Erfolg zu gewährleisten. Im Vordergrund einer solchen Therapie steht die Gabe von Medikamenten, meist Opioide, Antiepileptika oder Antidepressiva. Letztere wirken auf die Schmerzwahrnehmung ein. Auch Bewegungstherapien können zum Einsatz kommen, etwa die Maßnahmen nach Bobath. Auch die Schonhaltungen sollen abtrainiert werden, die Patienten müssen schrittweise wieder lernen, sich „normal“ zu bewegen. Eiskalte Tauchbäder verbessern zusätzlich die Durchblutung. Leidet der Betroffene sehr unter den Schmerzen, wird in Einzelfällen sogar eine Operation am Gehirn in Erwägung gezogen. Aber auch diese ist nicht sehr erfolgversprechend, die Effekte sind oft nicht von langer Dauer.
Selbst unter Einsatz aller bekannten Schmerztherapien lässt sich leider keine völlige Schmerzfreiheit erzielen.