Es rattert und dampft im Atelier S41, wie die drei Freundinnen Anna, Marie und Felicia das Wohnzimmer ihrer Berliner Studenten-WG getauft haben. Die drei Hobby-Schauspielerinnen proben derzeit für die Aufführung ihrer Laientheater-Gruppe, die sich vor rund zwei Jahren gegründet hat. Damals waren es fünf Jura-Studenten der Humboldt-Universität, die sich zusammen taten um gemeinsam Theater zu spielen. „Mittlerweile ist der Kreis ein bisschen gewachsen“, schmunzelt Anna, „aber es ist immer noch sehr familiär.“ Anna spielt seit Beginn an in der Theatergruppe mit und übernimmt auch diesmal eine der beiden Hauptrollen. „Es war klar, dass es schwierig werden würde, ohne finanzielle Unterstützung Theater spielen zu können“, ergänzt die 25-Jährige, „aber man darf sich nicht unterkriegen lassen und muss vor allem einfallsreich sein.“ Die drei Freundinnen sind für die Theaterkostüme ihres neuen Stückes „Parzival“ zuständig, dass in vier Wochen Premiere feiern soll.
Kreativität und offene Augen sind die Tricks für günstige Theaterkostüme
Anna und ihre Freundinnen durchstöbern die Berliner Flohmärkte nach brauchbaren Kleidern. Oft finden sie wahre Schätze für sehr wenig Geld. Wer gut feilschen kann, trägt nicht selten für ein paar Euro einen ganzen Kleiderberg nach Hause. Natürlich muss man sich im Vorfeld genau Gedanken machen, welche Grundelemente das Kostüm haben muss. Derzeit arbeiten die drei jungen Frauen an dem Ritterkostüm von Parzival. Als Marie in einem Secondhand-Laden auf der Sonnenallee ein Set alter Knie- und Ellenbogenschoner für Skater entdeckte, war die Idee für Parzival’s Ritterrüstung geboren. „Man muss spielerisch und mit Kreativität an die Aufgabe herangehen“, lacht Anna. „Natürlich hätten wir uns niemals eine echte Ritterrüstung aus Metall kaufen können.“ Anstatt eines echten Kettenhemdes funktionierten sie eine alte Strickweste um. Aus dicker Wolle strickten sie schließlich runde Polster, die – mit etwas Einfallsreichtum – wie echte Schultergelenke einer Rüstung aussehen.
Aus dem gesammelten Materialien entwickelt sich ein kleiner Fundus
Nicht selten kaufen die drei Hobby-Schneiderinnen Kleider oder Accessoires, die sie am Ende nicht verwerten können. Sie lagern in ihrem Atelier Knöpfe, Hosen, Hüte oder Federn, manchmal absurde Requisiten wie eine Plastikschlange und einen Raumfahreranzug. Genau hier liegt aber ihr großer Vorteil: Sie können mittlerweile auf ein großes Repertoire zurückgreifen. Für das Ritterkostüm fehlte natürlich noch ein Helm. Als Anna vor einem halben Jahr einen amerikanischen Baseballhelm mit Visier mitbrachte, wunderten sich alle. Jetzt passt er perfekt zum Outfit von Parzival. Sammeln, stöbern, ausprobieren. So fassen die drei jungen Frauen ihre Arbeit zusammen. Viel Equipment ist dazu gar nicht notwendig. Sie haben sich von Anna’s Oma eine alte Nähmaschine schenken lassen, den Rest nähen sie von Hand. Das Schwert für den Ritter Parzival haben sie im Baumarkt zu Recht sägen lassen und anschließend mit grauer Farbe lackiert. Hin und wieder durchstöbern die Drei auch den Fundsausverkauf der Berliner Theater. Über Spenden und Eintrittsgelder finanzieren sie ihre Einkäufe. Alles im Allem ist es gar nicht schwierig, günstig Theaterkostüme herzustellen. Was man braucht ist Kreativität und den Mut, etwas Neues auszuprobieren.