Traum steuern - Tipps vom Psychologen

Die Fähigkeit zum willentlichen Traum steuern, zum bewussten Erleben und zur Kontrolle eines Traums, ist mit speziellen Techniken relativ einfach erlernbar.


Jeder, der schon einmal einen Albtraum hatte, wünscht sich, einen Traum steuern oder aus ihm erwachen zu können, das Schlaferlebnis also bewusst zu erleben und zu beeinflussen. Die Träume, in welchen sich der Schlafende klar darüber ist, dass er träumt, nennt man Klarträume oder luzide Träume. Erste Ansätze zur Traumkontrolle lieferte 1867 der französische Forscher Marquis d’Hervey-Saint-Denys, der über Jahrzehnte hinweg seine Träume aufzeichnete, analysierte und dabei lernte, sie zu steuern. Er stieß damit allerdings auf große Skepsis. Mit den Veröffentlichungen des Niederländers Frederik Willems van Eeden fand die Klartraumforschung 1913 erste Anerkennung. Doch erst die US-amerikanischen Psychologen Stephen LaBerge und Keith Hearne konnten anhand von diversen Messungen der Gehirnströme und der Bewegung der Augen um 1985 die Existenz von luziden Träumen nachweisen.

Einen Traum steuern: Auftreten und Anwendung
Ein luzider Traum weist vier prägnante Merkmale auf: Der Träumer weiß, dass er träumt, er ist sich bewusst über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren, es gibt keine traumtypischen Verwirrungen und die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand. Treffen alle vier Merkmale zu, ist es möglich, ins Traumgeschehen einzugreifen und planvoll zu handeln. Doch nicht nur das eigene Tun ist kontrollierbar, sondern auch das Umfeld inklusive der Traumfiguren. Rund 18 Prozent der Deutschen hatten laut einer Umfrage noch nie einen Klartraum, zwischen 26 und 82 Prozent hatten mindestens einen, und 2,5 Prozent gaben an, mehrmals pro Woche einen Klartraum zu haben. Anwendungsgebiete des Klartraums sind beispielsweise die Behandlung von Albträumen, eine aktive Traumdeutung und die Lösung von Konflikten und Problemen.

Einen Traum steuern: Techniken
Man unterscheidet zwischen einer Klarheit bewahrenden und einer Klarheit gewinnenden Technik. Bei der ersten Kategorie übernimmt der noch wache Mensch das Bewusstsein über seinen Wachzustand und das Wissen, dass er bald träumen wird, ohne Unterbrechung in den Schlaf- und danach Traumzustand. Bei der zweiten Methode erkennt der Schlafende während des Traums, entweder spontan oder anhand einer bestimmten Situation, dass er träumt und wird sich dessen bewusst. Das kann mit Hilfe von sich regelmäßig wiederholenden Schlüsselmerkmalen, oder auch durch „ein sich herausnehmen“ und einer dadurch möglichen distanzierten Überprüfung des Bewusstseinszustands, erfolgen. Beide Techniken, mit welchen man einen Traum steuern kann, müssen natürlich häufig geübt werden.