Trinkwasserqualität durch Asseln eingeschränkt?

Sie denken, es kommt Rost aus der Wasserleitung? Oft handelt es sich dabei um Kot und Kadaver von Asseln. Die Trinkwasserqualität ist dadurch aber nicht eingeschränkt.


Sie beobachten hin und wieder eine leicht rötliche Färbung Ihres Leitungswassers? Statt um kleine Rostpartikel handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Asselkadaver sowie andere Hinterlassenschaften der Krabbeltiere. Die Trinkwasserqualität ist deswegen aber nicht unbedingt eingeschränkt.

Eklig, aber ungefährlich

  • Kaum jemand wird sich freuen, dass seine Wasserleitungen als Wohnsiedlungen für Asseln dienen. Dabei sind die Wasserasseln (Asellus aquaticus) für unsere Gesundheit ungefährlich. Sie finden sich in der ganzen Bundesrepublik überall dort, wo es Leitungswasser gibt.
  • Und nicht nur die Asseln, auch andere kleine wirbellose Lebewesen fühlen sich pudelwohl in den Wasserleitungen. Sie krallen sich innen fest, durch die Leitung kommen die toten Tiere und ihr Kot.
  • Die Wasserwerke im ganzen Land sind sich der Asseln bewusst, vermeiden es aber, darüber zu reden. So will man Panik in der Bevölkerung vermeiden. Diese ist vor einiger Zeit im kleinen Örtchen Brieselang in Brandenburg entstanden. Dort fand ein Einwohner die Tiere im Trinkwasser und schaltete die Lokalpresse ein, Hysterie brach aus.

Die Assel, das unbekannte Wesen

  • Generell leben Wasserasseln in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, sie ernähren sich von Pflanzenresten und können bis zu zwei Zentimeter groß werden. Der Körper ist platt und neungliedrig, sie haben sieben Beinpaare. Schwimmen können die Tierchen nicht, aber sie können starken Strömung standhalten.
  • Wasserasseln sind robuste Tiere, die sich schnell vermehren. In nur wenigen Wochen schlüpfen die bis zu 100 Eier der Wasserassel. Ist es zu kalt, gräbt sich die Assel ein und kann so sogar mehrere Monate Frost überleben. In der Wasserleitung ernährt sie sich von organischen Substanzen, Bakterien – und seinen toten Verwandten.

Vor allem im Norden und Osten der Republik

  • Besonders häufig treten die Tierchen dort auf, wo zur Trinkwassergewinnung Oberflächenwasser genutzt wird. Erkannt werden sie jedoch relativ selten. Denn Laien und Installateure gehen bei den Assel-Kadavern meist von Rost aus, doch in den meisten Fällen sind es Asselausscheidungen. Untersuchungen in verschiedenen norddeutschen Städten haben ergeben, dass es sich bei 30 bis 70 Prozent der Fälle um Asselkot handelt.
  • Doch es gibt regionale Unterschiede, die Belastung ist im Süden deutlich geringer. Im Norden und Osten wird nämlich viel Oberflächenwasser aus Talsperren und Flüssen benutzt, im Süden dagegen eher Grundwasser. Dieses ist für Wasserasseln weniger reizvoll, da sie hier nicht so viel Nahrung finden. Außerdem ist der Wasserverbrauch in den südlichen Bundesländern deutlich höher, wodurch das Wasser besser durchgespült ist.
  • Besonders wohl fühlen sich die Asseln, wenn es möglichst wenige Turbulenzen gibt. Deshalb sind kleine Dörfer mit nur wenigen Bewohnern besonders betroffen. Je länger der Hahn nicht aufgedreht wurde, desto wahrscheinlicher ist es, dass man Asselüberreste im Leitungswasser vorfindet.

Trinkwasserqualität: Was tun?

  • Sterben die Asseln und verwesen, werden sie mit dem Leitungswasser einfach weggespült. Blieb der Hahn jedoch längere Zeit zugeschraubt, können sich Keime in der Leitung bilden.
  • In diesem Fall werden die erlaubten Grenzwerte höchstwahrscheinlich überschritten und die Trinkwasserqualität dann eingeschränkt. Dennoch sind die Asseln auch dann nicht lebensgefährlich, am besten lassen Sie das Wasser einfach ein wenig laufen.
  • Ozon, Chlor, UV-Bestrahlung und Ultraschall machen der Assel wenig aus. Kohlendioxidhaltiges Wasser soll gegen die Krabbeltiere helfen, endgültig gesichert sind diese Ergebnisse jedoch noch nicht.