U-Turn - Wann Arbeitsleistung schadet und wie Produktivität erlernbar ist

Zuviel, zu schnell, zu lange - deutsche Arbeitnehmer erbringen zu viel Arbeitsleistung und bekommen irgendwann die Quittung.


Gemäß dem Motto „Leistung ist Erfolg“ arbeiten viele immer mehr und immer länger und sind bereit, über die eigenen Leistungsgrenzen hinauszugehen. Doch dieses überdurchschnittliche Engagement funktioniert nur bis zu einem bestimmten Punkt. Nach dieser Klimax fällt die Leistungskurve ab und die Produktivität sinkt stetig. Wer jetzt nicht aufpasst, riskiert einen Burn-out.

Arbeitsleistung: Das Yerkes-Dodson-Gesetz

  • Die beiden Psychologen Yerkes und Dodson entwickelten ein Konzept, um Leistung zu beschreiben. Dabei stehen Verhalten und Produktivität in einem Zusammenhang, der sich in einer umgekehrten U-Kurve zeigt. Die Leistung ist bei einer niedrigen Anspannung gering und steigt zunächst gleichzeitig mit dem Stresslevel an. Wird dieser zu hoch, sinkt die Leistung wieder. Bei mittlerer Erregung, also genau auf dem Scheitelpunkt des U-s, liegt die höchste Produktivität.
  • Wer jeden Tag zehn Stunden oder länger arbeitet und nie an seine eigenen Bedürfnisse denkt, wird früher oder später an einem Burn-out erkranken. Dann ist die Karriere schneller vorbei, als sie angefangen hat, denn mit einem Urlaub ist so eine Erkrankung nicht aus der Welt geschafft. Burn-out betrifft immer mehr Arbeitnehmer, denn Arbeitsleistung ist zu einem Schlüsselwort in unserer Gesellschaft geworden. Wer nachlässt oder nicht bereit ist, sich mehr einzusetzen als andere, muss nicht nur um seine Aufstiegschancen fürchten, sondern manchmal sogar um seinen Job.
  • Burn-out ist die Folge einer ständigen Überbeanspruchung, selbst Kämpfer müssen irgendwann einsehen, dass alle Reserven aufgebraucht sind und es einfach nicht mehr weitergeht. Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlappheit, Gefühllosigkeit und Leistungsabfall sind die unmittelbaren Folgen. Einsatz, Initiative und Engagement sind ja nichts Schlechtes, bergen aber generell die Gefahr der Erschöpfung. Wer nicht lernt, Stress zu reduzieren und dennoch hochkonzentriert und leistungsfähig zu bleiben, hat verloren.

Den „Flow“ finden

  • Es geht nun darum, seinen persönlichen Stresslevel zu finden, der sich irgendwo zwischen Langeweile und Überforderung befindet. Denken Sie an ein umgekehrtes U, genau in der Mitte liegt Ihr persönliches Leistungs-Hoch. Wissenschaftler nennen diesen Zustand „Flow“. Wenn man nur mäßig motiviert ist, ist der Stresslevel zwar gering, die Produktivität ist es aber auch. Wenn Sie sich hingegen übermäßig einsetzen, kommt es unweigerlich zu Frust, Denkblockaden und psychischen Krankheiten.
  • Den „Flow“ spüren, heißt auch, das Gefühl zu haben, alles unter Kontrolle zu haben, auch wenn es in Wirklichkeit gar nicht so ist. Ziel ist es, gelassen zu bleiben und sich den Satz „Ich schaffe das schon“ immer wieder zu verinnerlichen, bis man selbst daran glaubt. Stress ist nicht per se schlecht, nur falsche Reaktionen darauf. Positiven Stress nennen Psychologen Eustress, und genau den müssen Sie für sich entdecken. Schwimmen Sie im „Flow“, halten Sie Ihre Produktivität konstant und irgendwann werden Sie sogar in der Lage sein, Ihre persönliche Arbeitsleistung zu steigern und dennoch im „Flow“ zu bleiben.

Mikrostressoren erkennen und ausschalten

  • Wie im Alltag auch sind es nicht die großen Umstürze, die uns plötzlich umwerfen, sondern die konstante Ansammlung vieler kleiner Stressmomente. Das Telefon gibt seinen Geist auf, der Lieblingsbilderrahmen zerbricht, Sie bekommen Nachricht über eine Mieterhöhung und schließlich erbricht sich Ihr Hund auch noch über Ihre Arbeit, die Sie morgen abgeben sollten.
  • Auch am Arbeitsplatz sind es die kleinen Stressoren (Auslöser von Stress), die die persönliche Anspannung immer weiter nach oben treiben. Lärm, nicht funktionierende Geräte und ein Streitgespräch mit einem Kollegen genügen schon, um die Gelassenheit zu verlieren. Auch mehrere kleine Aufgaben, die gleichzeitig bewältigt werden müssen, zehren an den Kräften. Identifizieren Sie Ihre persönlichen Stressauslöser und versuchen Sie sie zu reduzieren. Nur so können Sie konzentriert und leistungsfähig bleiben.