U1 - Die erste Vorsorgeuntersuchung

Unmittelbar nach der Geburt erfolgt die erste medizinische Vorsorgeuntersuchung (U1) des Babys. Insgesamt werden elf Vorsorgeuntersuchungen empfohlen.


In Deutschland sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei Babys und Kindern keine Pflicht und dennoch sollten Eltern von diesem Angebot Gebrauch machen. So kann die altersgerechte Entwicklung des Kindes ärztlich überprüft werden und notfalls bei Fehl- oder Mangelentwicklungen rechtzeitig gegengesteuert werden. Die erste Vorsorgeuntersuchung überhaupt wird direkt nach der Geburt im Krankenhaus durchgeführt und als U1 bezeichnet. Es folgen zehn weitere Untersuchungen in gewissen zeitlichen Abständen. Kurz vor der Pubertät wird normalerweise die letzte Untersuchung durchgeführt.

Das APGR-Schema
Nach der Entbindung findet eine erste Untersuchung statt, die lediglich einige Minuten dauert. Es wird festgestellt, ob Missbildungen vorliegen oder es zu Verletzungen während des Geburtsvorganges gekommen ist. Der Frauenarzt oder ein Kinderarzt überprüft hierbei die Körperfunktionen des Neugeborenen durch Abtasten, Beobachten und Bewegen der Gliedmaßen. So verschafft sich der Arzt einen ersten Eindruck über den Gesundheitszustand des Babys. Die Untersuchung erfolgt nach dem sogenannten APGAR-Schema. Das heißt es wird der Herzschlag anhand des Pulses überprüft, außerdem die Atmung, Muskelspannung, Reflexe und die Hautfarbe. Je nach Ergebnis werden anhand einer Tabelle für jeden Untersuchungsbereich Punkte verteilt, deren Summe den Gesundheitszustand des Babys angeben. Anhand dieser Untersuchung können die Ärzte einschätzen, ob das Kind medizinische Hilfe benötigt.

Überprüfung der wichtigsten Körperfunktionen
Hinzu kommt bei der U1 die Überprüfung der Sauerstoffversorgung des Babys, was anhand der Bestimmung des pH-Wertes aus dem Blut der Nabelschnur durchgeführt wird. Das Kind muss sich nämlich auf die völlig neue und ungewohnte Umgebung plötzlich einstellen und selbstständig atmen, was manchmal nicht auf Anhieb optimal gelingt. Stress, schmerzstillende Medikamente und andere Ursachen können außerdem die Sauerstoffaufnahme behindern, sodass eine Sauerstoffunterversorgung eintritt. Das Neugeborene wird außerdem gewogen und der Kopfumfang sowie die Körperlänge werden gemessen. Der Puls wird an den Leisten gemessen und zeigt, ob das Herz das Blut normal durch den Körper pumpt. Zusätzlich wird das Herz mit einem Stethoskop auf Geräusche abgehört. Auch die Lunge und ihre Funktion wird bei der Vortsorgeuntersuchung durch Abhören untersucht.

Anti-D-Prophylaxe
Ein besonderer Fall sind Mütter, die eine Blutgruppe mit einem negativen Rhesusfaktor oder die Blutgruppe 0 haben. Der Rhesusfaktor ist ein Protein auf den roten Blutkörperchen. Wenn das Kind nämlich einen positiven Rhesusfaktor hat, kann es sein, dass die Mutter Antikörper gegen einen positiven Rhesusfaktor bildet, wenn bei der Geburt ihr Blut mit dem des Kindes in Kontakt kommt. Für das Erstgeborene ist das keine Gefahr, aber wenn bei späteren Schwangerschaften das Kind wieder rh-positiv ist, können die Antikörper im Blut der Mutter bis zum Tod des Kindes führen. Als Prophylaxe werden daher Müttern mit diesen Faktoren prophylaktisch Antikörper gespritzt, damit ihr Körper selbst keine bildet und somit spätere Geburten nicht gefährdet werden. Die künstlichen Antikörper sterben nämlich nach kurzer Zeit ab und bewirken im Körper keinen „Lerneffekt“.