Vegetarische Ernährung

Lebt man durch einen vegetarische Ernährung wirklich länger? Wirkt sich der Fleischverzicht positiv auf die Gesundheit aus, oder haben Vegetarier die gleiche Lebenerwartung wie ihre fleischverzehrenden Genossen?


Ausgangspunkt dieser Aussage ist ein Missverständnis. Vegetarier nämlich, das sind im allgemeinen Sprachgebrauch solche Menschen, die es sich aus den verschiedensten Gründen verbieten, Fleisch und Fisch – also tierische Lebensmittel – zu konsumieren. Doch hier beginnt das Forscherdilemma. Es gibt viele Unterarten des Vegetarismus, eine klare Abgrenzung gestaltet sich manchmal sogar zu einer Erbsenzählerei. Außerdem wurden in vielen Studien Menschen als Vegetarier bezeichnet, die im terminologischen Sinn gar keine sind. Die häufig als „moderate Vegetarier“ bezeichneten Menschen verzichten keineswegs auf Fleisch, diese haben ihm lediglich eine untergeordnete Funktion auf ihrem Speiseplan eingeräumt.

Vegetarische Ernährung - Eine Frage des Unterschieds
Im ernährungswissenschaftlichen Sinn verzichtet ein vegetarisch lebender Mensch auf tierische Produkte, welche das im Einzelfall sind, ist eine Abgrenzungs- und Differenzierungsfrage. So schließt ein Veganer jegliche tierische Produkte von seiner Ernährung aber auch seiner Kleidung und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs etwa Pflege- oder Kosmetikgüter aus. Statt Hosen und Pullovern aus Wolle oder Leder kaufen sie ausschließlich synthetische oder auf Pflanzenbasis (Leinen) hergestellte Garderobe. Ovo-Lacto-Vegetarier konsumieren ebenfalls keinerlei tierische Produkte – das schließt auch Milchprodukte und Eier mit ein –, bei ihnen beschränkt sich diese Restriktion aber auf die Ernährung. Lacto-Vegetarier hingegen essen Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Quark, auf ihrem Speiseplan stehen aber keine Eier. Genau umgedreht verhält es sich mit den Ovo- Vegetariern. Diese meiden Milchprodukte, essen aber Eier. Fruitarier schließlich ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Lebensmitteln, die ohne deren Vernichtung gewonnen werden können, so etwa Obst oder Nüsse.

Inkonsequente Vegetarier
Aber nicht nur hinsichtlich ihrer Ernährungsprinzipien, auch bei der Konsequenz, mit der sich Vegetarier an ihre selbst auferlegten Restriktionen halten, bestehen erhebliche Unterschiede. So berücksichtigt nur ein kleiner Teil die Tatsache, dass viele industriell hergestellte Lebensmittel tierische Zusätze enthalten auch bei der Kaufentscheidung für ein bestimmtes Produkt. Verschiedene Käsesorten, in vielen Fällen Weißschimmelkäse, enthalten Gelatine, die aus Rinderknochen hergestellt wird.

Adventist-Health-Studie
Das erklärte Ziel aller Vegetarier-Studien ist es, diese spezifische Lebensweise einer genauen Beobachtung zu unterziehen und den Zusammenhang mit der Sterblichkeit herzustellen.
Die größte Untersuchung dieser Art fand unter den amerikanischen Siebenten-Tags-Adventisten statt, eine Glaubensrichtung, welche die größte Gruppe innerhalb der adventistischen Religionsgemeinschaft einnimmt. Insgesamt verzeichnet die Kirche etwa 15 Millionen getaufte Mitglieder, circa 36.000 davon leben in Deutschland. Den Anfang fand die als „Adventist Health Study“ (AHS-1) bezeichnete Untersuchung im Jahr 1976. 12 Jahre lang sammelte man die Daten von etwa 34.000 Adventisten. 29 Prozent von ihnen waren reine Vegetarier, in diesem Fall solche Menschen, die niemals Fleisch oder Fisch konsumieren. Etwa zehn Prozent der Studiengruppe wies sogar noch größere Ernährungsrichtlinien auf, jegliche tierischen Produkte lehnen sie ab (Veganer).

Gesunde Nüsse
Die Ergebnisse überraschten selbst die Forscher der Loma Linda Universität, die bereits optimistische Erwartungen gepflegt hatten. So konnten sie nachweisen, dass die speziellen Ernährungsgewohnheiten der Adventisten das Krebsrisiko aber auch die Gefahr an einer koronaren Herzerkrankung zu versterben, deutlich senkt. Vor allem die bei den Glaubensbrüdern beliebten Nüsse konnte dieser Effekt zugeschrieben werden. Aber auch die reichhaltige pflanzliche Ernährung trug ihren Teil zur Prävention ernährungsbedingter Krankheiten bei.

Längere Lebenserwartung durch vegetarische Ernährung
Die Todesursachen waren auch bei den Vegetariern keine anderen als bei Fleischessern, von Krebs, über Schlaganfall, Diabetes, Grippe und Herzerkrankung reichte das Spektrum, der entscheidende Unterschied lag lediglich im Zeitpunkt des Versterbens. So ereigneten sich all diese Todesfälle zu einem viel späteren Zeitpunkt als bei Mischköstlern. Die Nachfolgestudie AHS-2 läuft bereits seit einigen Jahren, die Wissenschaftler hoffen, insgesamt 125.000 Testpersonen versammeln zu können. Das erklärte Ziel ist, neben der Erfassung des Zusammenhangs zwischen Ernährung und Lebenserwartung auch dem Geheimnis des gesunden Alterns auf die Spur zu kommen.