Vegetarische Ernährung

Laut einer Studie erhöht vegetarische Ernährung die Lebenserwartung im Durchschnitt um vier Jahreund soll zusätzlich Krebs vorbeugen.


Auch in Deutschland wurde eine groß angelegte Vegetarier Studie durchgeführt. Initiator war das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das seit 1978 etwa 1.900 vegetarisch lebende Menschen hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten und der damit verbundenen Sterblichkeit befragt hat. Auch hier gelangten die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Menschen, die auf Fleisch verzichten eine geringeres Sterberisiko aufweisen. Dieser Unterschied liegt etwa bei 45 Prozent. Entgegen der bereits sehr optimistischen Vorausberechnungen starben nicht 100 Teilnehmer der Studie sondern nur 59. Anders als bei der amerikanischen Studie wurden hier auch sogenannte moderate Vegetarier als vegetarisch lebend bewertet. Diese Gruppe, bei denen gelegentlich ein Fleischgericht auf dem Speiseplan steht, schnitten sogar noch etwas besser ab als die reinen Vegetarier. Ein Drittel der Heidelberger Studienteilnehmer waren moderate Vegetarier.

Vegetarier leben vier Jahre länger
Die Frage, wie lange Vegetarier länger leben, konnte eine amerikanische Studie beantworten. Die Forschungsgruppe um Dr. Pramil Singh wertete die Ergebnisse anderer bereits vorliegender Untersuchungen aus. Auch Adventisten gehörten zu den Studienobjekten. Diese waren über einen Zeitraum von 40 Jahren von Wissenschaftlern begleitet und ständig befragt worden. Auch diese Untersuchung konnte eine gesenkte Sterblichkeit beweisen. Aber nicht nur die vegetarische Ernährung selbst, auch der Dauer spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der eigenen Sterblichkeit. So können Vegetarier, die diese Form der Ernährung seit mindestens 20 Jahren leben, der Studie zufolge vier Jahre auf ihrer Lebensuhr hinzufügen.

Gesunde Vegetarier
Alle durchgeführten Studien belegen eindrucksvoll, dass vegetarisch lebende Menschen weniger an ernährungsbedingten Krankheiten leiden als Mischköstler. Die Studie EPIC ( „European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition“ ) deckte auf, dass etwa 35 Prozent aller Krebserkrankungen durch eine falsche Ernährung verursacht werden. Aber die Tatsache, dass eine fleischlose Kost seltener zu Krankheiten führt, ist nicht das einzige Anzeichen der hervorragenden Gesundheit vieler Vegetarier. Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass sie neben einer erhöhten Lebenserwartung auch eine Vielzahl anderer gesundheitlicher Auswirkungen aufweisen. So sind sie in den meisten Fällen schlanker, haben einen niedrigeren Blutdruck- und Cholesterinspiegel, zudem erkranken sie seltener an Osteoporose und altersbedingten degenerativen Leiden wie beispielsweise der Demenz. Der Grund hierfür ist hauptsächlich in der stark obst- und gemüselastigen Ernährung zu suchen. Pflanzliche Lebensmittel enthalten viel weniger schwefelhaltige Aminosäuren. Beim Abbau dieser schwefelhaltigen Säuren fallen Protone an, die wiederum die Hauptquelle für die Säurebelastung im menschlichen Organismus sind. Diese vermehrte Säurebelastung muss durch alkalische Knochensalze neutralisiert werden. Zudem erhöht die Zufuhr vieler tierischer Lebensmittel die Calciumausscheidung. Daraufhin benötigt der Organismus viel mehr des knochenstärkenden Calciums. Fehlt dieses, werden die Knochen brüchig, Osteoporose entwickelt sich viel leichter.

Vegetarische Ernährung und Krebs vorbeugen
Der am häufigsten hergestellte Zusammenhang ist der zwischen vegetarischer Ernährung und der Entstehung von Krebs. Den verschiedenen Studien zufolge haben Menschen, die auf Fleisch verzichten, generell ein um 50 Prozent gesenktes Risiko an diesem tückischen Leiden zu erkranken. Vor allem bei Darm-, Brust- und Lungenkrebs ist die Mortalitätsrate sehr viel geringer als bei Mischköstlern. In erster Linie kann eine vegetarische Ernährung Darm Krebs vorbeugen. Da Vegetarier tendenziell weniger unter Übergewicht leiden, als andere Menschen, ist bei ihnen das Darmkrebsrisiko stark gesenkt. Zudem ist seit langem bekannt, dass eine stark fleischlastige Ernährung und fette Lebensmittel die Entwicklung eines Darmkarzinoms begünstigen. Statistiken zeigen auf, dass Menschen in den Ländern, in denen viele tierische Eiweiße und Fette auf dem Speiseplan stehen, häufiger an dieser Krebsform erkranken. Faserreiche Lebensmittel, beispielsweise Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte und Trockenobst, schützen vor dieser Erkrankung. Zwar weisen Vegetarier auch ein reduziertes Lungenkrebsvorkommen auf, dies ist jedoch nicht allein aus der Ernährung zu erklären. Denn erstaunlich viele Menschen, die auf Fleisch verzichten, sind Nichtraucher, eine Tatsache, die in nicht unerheblichem Maß zu der niedrigeren Quote beiträgt. Vor Tumoren im Gehirn oder am Nervensystem schützt eine fleischlose Ernährung hingegen nicht.

Besondere Aminosäure
Eine bedeutende Rolle spielt ebenfalls die verminderte Methioninzufuhr. Diese essenzielle Aminosäure kann vom Körper nicht selbst gebildet werden und muss daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Besonders große Mengen findet man in Fisch, hier vor allem in Garnelen und Lachs, aber auch in grünem Gemüse, etwa Rosenkohl, Spinat und Erbsen. Aufgrund der geringeren Aufnahme dieser Aminosäure haben Vegetarier ein geringeres Risiko, Tumore zu entwickeln als Mischköstler, denn Tumorzellen reagieren – anders als normale Zellen – sehr empfindlich auf eine Einschränkung der Methioninzufuhr.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Auch bei der weltweiten Todesursache Nummer eins: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weisen Vegetarier eine niedrigere Sterblichkeit auf als Fleischesser. Vor allem ein hoher Cholesterinspiegel schädigt das Herz. Da Vegetarier viel weniger des schlechten HDL- Cholesterins aufnehmen, sind sie auch vor den Auswirkungen der Arteriosklerose und anderer Ursachen, die eine ernsthafte Herzkrankheit bedingen, besser geschützt als Fleisch- und Wurstesser. Neben einer gesenkten Aufnahme des HDL-Cholesterins, ist auch die Oxidationsstabilität des guten Cholesterins, LDL, höher, da Vegetarier viel mehr wichtige Antioxidanzien aufnehmen.

Niedriger Blutdruck
Der Blutdruck, dessen Erhöhung als eine Ursache für die Entstehung einer Herzerkrankung gilt, ist bei Vegetariern ebenfalls durchschnittlich niedriger. Grund hierfür ist die verminderte Magnesium und Kaliumzufuhr. Im Gegenzug wird viel mehr Natrium und Phosphor aufgenommen. Zudem wurde bei Vegetariern eine verbesserte Endothelfunktion festgestellt. Die Endothelzellen, die eine dünne Schicht auf den Blutgefäßen bilden, sorgen unter anderem für eine verbesserte Fließeigenschaft des Blutes und regulieren für den Blutdruck wichtige Substanzen.

Warum leben Vegetarier länger?
Die große Frage ist nun, warum vegetarisch lebende Menschen anscheinend eine niedrigere Sterberate aufweisen als Fleischesser. Die Antwort darauf ist noch unklar, dennoch haben die Wissenschaftler einige Vermutungen. Sie gehen davon aus, dass Vegetarier mehr von den Vorteilen der pflanzlichen Kost profitieren können, da sie ja viel mehr davon konsumieren. Antioxidanzien kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Diese helfen bekanntlich, den durch die freien Radikale ausgelösten Zellschaden – der zu normwidrigem Zellwachstum führen kann – zu verhindern. Zu den bedeutsamsten Antioxidanzien überhaupt gehören Vitamin E, ß-Karotin (eine Form des Vitamin A) und Vitamin C. All diese Substanzen zählen zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. In Pflanzen konnten bereits 30.000 dieser Pflanzenstoffe (Phytochemicals) nachgewiesen werden, etwa 5.- 10.000 davon sind in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Einige dieser Wirkstoffgruppen sind Phytosterine, Glukosinolate, Flavonoide, Monoterpene, Sulfide, Phenolsäuren, Carotinoide, Anthocyane und Phytoöstrogene. Aber pflanzliche Nahrungsmittel bestehen aus mehr als diesen nachgewiesenen Antioxidanzien. Sie wirken in einem großen Kollektiv zusammen, dessen Bedeutung für den menschlichen Organismus noch nicht vollständig erfasst ist.

Inwieweit nun aber tatsächlich „nur“ die Ernährung für die geringere Sterblichkeit verantwortlich ist, bleibt unklar, da viele Vegetarier nachweislich sehr (gesundheits-) bewusst leben. Ein Großteil von ihnen raucht nicht, konsumiert – wenn überhaupt – nur sehr wenig Alkohol und verzichtet auch sonst auf jegliche schädlichen Einflüsse. Diese sehr gesunde Ernährung ist ein Teil der besonderen Lebensphilosophie vieler vegetarisch lebender Menschen, die sich auch auf andere Bereiche erstreckt. So verzichten viele auf Kaffee oder Tee, auch Bewegung und Meditation zählen zu den wichtigen Elementen dieser bewussten Lebensart. Die Wissenschaftler stellten auch einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen der Berufswahl und der jeweiligen Ausprägung der Ernährung fest. So übten viele der Testpersonen auf soziale oder technische Fertigkeiten ausgerichtete Berufe aus.