Gynäkologen weisen eindringlich darauf hin, dass Frauen während der Stillzeit sehr wohl erneut schwanger werden können. Während der Stillphase schütten Mütter das Hormon Prolaktin aus. Dieses ist neben der Milchbildung auch, wenn es in der ausreichend hohen Menge vorhanden ist, in der Lage, den Eisprung zu unterdrücken. Beim Stillen ist der Prolaktinspiegel selbst sehr hoch, bereits eine vierstündige Stillpause bewirkt ein Absinken des Pegels, sodass eine Empfängnis-Verhütung nicht mehr gewährleistet ist. Ein Abpumpen der Milch ist weniger effektiv; das Prolaktin erreicht nicht dieselben hohen Werte wie beim natürlichen Saugvorgang.
Empfängnisverhütung umstellen
Frauen, die Stillen, müssten daher, auch während der Stillzeit, über Verhütungsmaßnahmen nachdenken. Die bewährten, hormonellen Möglichkeiten können in dieser Zeit nicht angewandt werden, da die in den Präparaten enthaltenen Östrogene in die Muttermilch übergehen und das Neugeborene schädigen können. Zudem können die Hormone die Menge der Milch vermindern. Mit der Einnahme der Antibabypille sollten Frauen drei bis acht Wochen warten. Besser geeignet sind Gestagenprodukte, aber auch das Kondom, Scheidenzäpfchen und die Spirale bieten umfassenden Schutz vor einer Schwangerschaft. In manchen Fällen verschreiben Gynäkologen aber auch die sogenannte „Minipille“. Auch sie enthält Gestagene, die keinen Einfluss auf die Muttermilch und das Baby haben.
Keine 100prozentige Sicherheit
Wenn die Regelblutung noch nicht wieder eingesetzt hat - diesen Zustand nennen die Mediziner Amenorrhöe - bietet die natürliche Still-Verhütung eine 98prozentige Sicherheit. Diese kann sogar bis zu acht Monate nach der Entbindung anhalten. In Einzelfällen jedoch führt bereits das erste reife Ei bereits zu einer erneuten Schwangerschaft. Frauen, die auf Nummer sicher gehen möchten, können die langsam zurückkehrende Fruchtbarkeit auf einer eigens angefertigten Tabelle verfolgen.
LAM – natürliche Geburtenkontrolle
Diese natürliche Stillverhütung ist auch unter dem Namen LAM (engl. Lactational Amenorrhea Method) bekannt. Sie bietet sich vor allem jenen Frauen an, die ihr Baby in den nächsten sechs Monaten überwiegend durch die Muttermilch ernähren möchten. Unterstützende Beikost sollte nur einen geringen Anteil von höchstens zehn Prozent einnehmen, um auch eine zuverlässige Verhütung zu gewährleisten. Zudem sollten die Stillabstände am Tag vier, in der Nacht sechs Stunden nicht überschreiten.