Verlobung und Heiratsantrag - Altmodisch oder einfach nur romantisch?

Wer nach einem Heiratsantrag eine Verlobung eingeht, sieht darin oftmals nur eine traditionelle „Vorstufe“ vor der eigentlichen rechtlich gültigen Heirat. Eine Verlobung ist allerdings viel mehr als nur ein gegenseitiges romantisches Versprechen, dass man einander bald heiraten möchte. Über den symbolischen Wert hinaus gibt es für die Verlobung sogar bestimmte festgesetzte Rechte, was vielen aber gar nicht bewusst ist.


Früher war die Verlobung vor der Eheschließung ein Muss, heute heiraten viele Paare sogar ganz ohne den doch so romantischen Heiratsantrag. Eine Eheschließung ist etwas sehr Verbindliches und hat viel mit den christlichen Glaubensgrundsätzen über die Untrennbarkeit der Ehe zu tun. Da früher die meisten Ehen von den Familien arrangiert wurden, war die Verlobungszeit sehr wichtig für das zukünftige Ehepaar. In der Zeit konnten sie einander erst einmal kennenlernen und eine emotionale oder freundschaftliche Beziehung aufbauen.

Rechtliche Folgen

  • Früher war die Verlobung soweit verbindlich, dass bei deren Auflösung der Verlobte ein „Kranzgeld“ an seine Ex-Verlobte zu zahlen hatte, wenn er vor der Ehe mit ihr Geschlechtsverkehr hatte. Dieser Paragraph ist zwar aufgehoben, da rechtlich erst die standesamtliche Hochzeit verpflichtend ist. Schaut man jedoch heute ins Bürgerliche Gesetzbuch, findet man schnell heraus, dass eine Verlobung auch jetzt noch in einigen Punkten einem Vertrag gleicht.
  • Es heißt zwar nicht, dass man die Erfüllung des Eheversprechens einfordern kann, allerdings ergeben sich daraus durchaus gewisse Haftungsansprüche. Beispielsweise darf eine der Parteien die Geschenke zurückfordern, die im Rahmen einer Verlobung ausgehändigt worden sind. Weiterhin gibt es Regelungen, nach denen man den Anspruch auf gewisse Schadensersatzforderungen hat. Diese Gesetze sollten beispielsweise vor Heiratsschwindel schützen, wenn eine Ehe aus Gründen des persönlichen Vorteils einer Partei geschlossen werden sollte.

Eine Zeit der Prüfung

  • Traditionell war ein Paar etwa ein Jahr verlobt, bevor es geheiratet hatte. Die Verlobungszeit war eine Art letzte Prüfung und Besinnungszeit, um sich darüber klar zu werden, ob man tatsächlich den Rest seines Lebens in dieser Ehe verbringen möchte.
  • Die Ehe galt früher, vor allem bevor es die standesamtliche Eheschließung gab, als ein Vertrag auf Lebenszeit, also als ein Versprechen, das man in der Kirche vor Gott abgab. Heute gelten kirchlich geschlossene Ehen als ein Bund fürs Leben, da das Paar in den Augen der Kirche nicht geschieden werden kann, auch wenn sie es standesamtlich vor dem Gesetz sind.