Vielfalt im Programm eines Theaterverlags

Den vielen unterschiedlichen Formen moderner Dramatik muss vom Theaterverlag eine entsprechend große Vielfalt in dessen Programm gegenübergestellt werden.


In Zeiten, in denen das Theater sowohl in Form modern interpretierter Klassikeraufführungen, als auch durch intensive Autorenförderung und Uraufführungsquoten im Bereich der modernen Dramatik immer neue Formen und Ästethiken hervorbringt, wird dem renommierte Theaterverlag die Aufgabe gestellt, aus dieser Mannigfaltigkeit an Angeboten ein sowohl vielfältiges, als auch ausgewogenes Programm zu erstellen. Diese Aufgabe scheint auf den ersten Blick viel einfacher, als sie eigentlich ist. Zwar gibt es genügend moderne Autoren, die sich einem Theaterverlag anbieten, jedoch birgt ein Stück oftmals nichts neues oder der Schreibstil des Autors ist beispielsweise denen anderer Autoren zu ähnlich, sodass er nicht in das nach Vielfältigkeit strebende Konzept des Verlages passt. So muss also die Spreu vom Weizen getrennt werden, die Ausgewogenheit der verschiedenen Stile und dramatischen Formen moderner Dramatiker erhalten werden, die heutzutage so verschieden und gegensätzlich sind, wie bisher noch nie in der langen Geschichte des Theaters.

Shakespeare, Tschechow und die Griechen
Mit der ausgewogenen Auswahl zeitgenössischer Dramatiker ist die Arbeit des Theaterverlags jedoch noch nicht zu Ende. Zusätzlich müssen auch noch verschiedene Neuübersetzungen und Bearbeitungen klassischer Dramen jeder Epoche berücksichtigt werden, die ebenfalls in den Kanon eines jeden Theaters, und somit auch in das Programm eines Theaterverlags, gehören.
Zu den wichtigsten Autoren dieser Sparte gehören natürlich Shakespeare (als meistgespielter Dramatiker der Welt), genauso wie die großen griechischen Tragiker, namentlich Aischylos, Sophokles und Euripides und auch "modernere" Klassiker wie beispielsweise Tschechow, Ibsen oder Strindberg.
Bei den jeweiligen Übersetzungen und Bearbeitungen müssen sowohl die Form berücksichtigt, als auch die Intention, Innovation und vor allem die aktuelle Brisanz einer jeden überprüft werden. Dies ist bei der schieren Masse klassischer Stücke natürlich harte Arbeit und eine schwierige Aufgabe für die Lektoren. Jedoch müssen nicht nur Übersetzungen und Bearbeitungen klassischer Dramen überprüft werden, sondern es fällt noch eine weitere Kategorie mit in diesen Aufgabenbereich.

Der Trend der Romanadaptionen
Seit einiger Zeit folgen immer mehr Theater dem Trend, Romane und Novellen so ziemlich sämtlicher großer Autoren aller Epochen auf die Bühne zu bringen. Natürlich muss sich auch hier der Theaterverlag anpassen und ein entsprechendes Angebot erstellen. Somit reicht die Spanne an Adaptionen heutzutage von Goethe über Dostojewski, Kafka und Thomas Mann bis hin zur Gegenwartsepik, deren Romane und Erzählungen jeweils in einer Vielzahl verschiedenster Versionen für die Bühne bearbeitet werden. Auf diese Weise hat sich in den letzten Jahren ein ganz eigenes Genre entwickelt, welches der "reinen" Dramatik und Übersetzung fremdsprachiger Stücke in absolut nichts mehr nachsteht, also auch vom modernen Verlag berücksichtigt werden muss.

Vielfalt der Aufgaben
Wenn man sich nun einen groben Überblick über die vielen verschiedenen Aufgaben eines Theaterverlags verschafft, erkennt man die eigentliche Schwierigkeit dieser Arbeit: nämlich aus dem nahezu unendlichen Angebot an Stoffen eine Auswahl zu treffen, die jede Kategorie der Dramatik und des Theaters mit einbezieht, in der "für jeden etwas dabei ist" und die dabei selbstverständlich einen hohen Grad an Qualität und somit auch Wiedererkennungswert aufweist, kurz: ein vielfältiges und qualitatives Programm zusammen zu stellen, das dem Theaterverlag ein eigenes Gesicht gibt.