Vogelgrippe - Geschichte und Gefahren

Es besteht eine Verwandtschaft zwischen der Vogelgrippe und der menschlichen Influenza. Auch die Sympthome sind fast gleich.


Nachdem sich die Vogelgrippe über Asien, Russland, Rumänien, Türkei und Griechenland bis nach Deutschland ausgebreitet hat, sind viele Bürger beunruhigt. Das Grippemittel Relenzaâ ist vielerorts ausverkauft und Tamifluâ gibt es nur noch auf Rezept. Im Internet werden bis zu dreimal höhere Preise vom Kunden verlangt. Ebenso boomt der Handel mit Schutzanzügen, die neben den öffentlichen Einrichtungen wie der Feuerwehr, verstärkt auch von privaten Personen gekauft werden. Die Stallpflicht gehört mittlerweile zum Alltagsbild, Geflügelmärkte und Vogelschauen sind vor allem in Bayern verboten. Passagiere und Reisende, die aus Risikoländern heimkehren, werden an den Flughäfen kontrolliert. Wird totes Geflügel gefunden, erfolgen umfangreiche Tests, um sicherzustellen, dass es sich nicht um das hochaggressive H5N1-Virus handelt. Schutzkreise werden errichtet, die mit umfangreichen prophylaktischen Geflügeltötungen einhergehen.

Das Virus steckt überall
Doch viele Bauernverbände befürchten das Schlimmste. Das Vogelgrippe Virus steckt in viel mehr Tieren, als wir denken. Selbst in noch Vogelgrippe freien Regionen ist es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis ein infiziertes totes Tier gefunden wird. Die Grippe lässt sich nicht so schnell ausgerotten und ein für die Landwirtschaft fataler Teufelskreislauf beginnt. Die Menschen essen weniger Geflügel, aus Angst wird die Nachfrage nach Alternativen steigen. Die Bauern werden weniger züchten, Getreide findet keinen Absatz mehr und viele Schlachtereien müssen aufgrund der Umsatzeinbussen schließen.


Geschichtliches
Erstmals trat die Vogelgrippe 1878 in Piemont auf und war rund 50 Jahre lang nur in Oberitalien heimisch, was der Erkrankung den Beinamen „Lombardische Hühnerpest“ einbrachte. Nachdem die Vogelgrippe 1901 auch in Deutschland vorkam, verbreitete sie sich in der ganzen Welt. Seit den 30er Jahren galt die Vogelgrippe als eingedämmt, doch ab 1983 tauchten die Viren wieder auf und verbreiteten sich rasant. Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Irland und den USA, bei der Millionen von Vögeln getötet werden mussten, trat das Virus auch in Mexiko, Hongkong, den Niederlanden und ab 2004 in Vietnam, Russland, Rumänien, Türkei und seit Anfang 2006 auch wieder in Deutschland auf. Seitdem gibt es besonders im asiatischen Raum Todesfälle zu beklagen.


Vermischung mit Influenza-Virus
Die Vogelgrippe ist eine mit der menschlichen Grippe (Influenza) verwandte, epidemisch auftretende Viruskrankheit, die unter Vögeln und Geflügel auftritt. Neben Wild- und Ziervögeln sind besonders Hühner und Puten betroffen. Das Virus kann auch auf den Menschen übertragen werden, was jedoch selten ist und einen direkten Kontakt mit infizierten Vögeln bzw. Material voraussetzt. Die verschiedenen Kategorien der Vogelgrippe können für den Menschen unterschiedlich gefährlich sein.

Die größte Gefahr besteht allerdings darin, dass sich das Virus mit dem menschlichen Grippevirus mischen und eine neue, völlig unerforschte Virenart entstehen könnte, die als extrem aggressiv einzustufen wäre. An der gefährlichen H5-Untergruppe des Virus erkrankten in Hongkong erstmals 18 Menschen, die sich ausnahmslos bei Hühnern angesteckt hatten. Über eine Million Hühner wurden getötet, fatal war die Annahme der Züchter, ihr Geflügel mit Impfungen schützen zu können. Da der Impfstoff nicht auf den gefährlichen H5N1-Typen abgestimmt war, konnte sich das Virus in den Tieren weiter reproduzieren und ausbreiten, ohne dass die Symptome erkennbar waren.

 

Kontakt zu Geflügel meiden
Um der Gefahr einer Pandemie, also einer weltweiten Ausbreitung eines neuen Grippevirus zu entgehen, appelliert das Bundesverbraucherministerium im Falle der Vogelgrippe sich an dessen Anweisungen zu halten. Reisende sollten in Gefahrenländern direkten Kontakt zu Geflügel, zum Beispiel auf Geflügelmärkten, dringend vermeiden und die Einfuhr von Geflügel und deren Produkten unterlassen.

 

Übertragung und Symptome
Der Vogelgrippe-Erreger wird von Tier zu Tier, über die Luft oder den Kot übertragen. Für über 90 Prozent der Tiere endet die Infektion tödlich. Symptome der Vogelgrippe bei den Tieren sind hohes Fieber, Atemnot, Fressunlust, Kraftlosigkeit, Durchfall als auch eine Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen. Hat sich der Mensch mit dem H5N1-Virus infiziert, treten die Verdachtssymptome zwei bis 14 Tage nach der Infektion auf und ähneln der einer normalen Grippe. Bei hohem Fieber, Durchfall, Halsschmerzen und Husten sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Mit Lungenentzündungen, einer starken Verminderung von Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten sind weitere grippeähnliche Anzeichen beobachtet worden. Einige Patienten zeigten eine Nierenschwäche, die sich im Verlauf der Erkrankung zu einem kompletten Nierenversagen steigerte. In anderen Fällen verstarben Erkrankte an kompletten Organversagen. Von Mensch zu Mensch kann das Virus jedoch nicht effektiv übertragen werden.


Impfungen
Um sich vor dem für die Vogelgrippe verantwortlichen Influenza-A-Virus (H5N1) zu schützen und darauf vorzubereiten, hat das Bundesamt für Gesundheit mit einer Ausschreibung für den Kauf von Impfstoffen gegen das H5N1-Virus beim Menschen zur Reserve, reagiert. Allerdings gibt es kein Medikament, was gegen das Virus wirkt, sondern nur symptomatische Behandlungsmöglichkeiten. Die Antivirus-Substanz Oseltamivir (Tamifluâ) kann zwar prophylaktisch wie auch therapeutisch eingesetzt werden, bietet aber keinen bleibenden Schutz.

Ärzte empfehlen stets eine Grippeschutzimpfung, landläufig kann so verhindert werden, dass sich bei einer Ansteckung mit Vogelgrippe-Erregern menschliche und tierische Influenza-Viren verbinden. Zwar wird die Vogelgrippe immer noch als Tierkrankheit eingestuft, doch warnt das Robert-Koch-Institut davor, ein Virus zu riskieren, dass sich an menschliche Zellen angeheftet hat. Eine normale Grippeschutzimpfung ist aber im Falle der Vogelgrippe vollkommen sinnlos, da das Medikament genau auf den Erreger abzielen muss. Sollte eine menschliche Vogelgrippe ausbrechen, kann das Medikament Tamifluâ helfen, die Ausbreitung des Virus im Körper zu verhindern und Sekundärinfektionen zu vermeiden. Die Gruppe solcher Medikamente wird als Neuraminidase-Hemmer bezeichnet, der Wirkstoff bekämpft die Ursache der Grippe, anstatt nur auf die Symptome einzugehen. Menschen, die älter als ein Jahr sind und Anzeichen einer Influenza-Grippe während der letzten ein bis zwei Tage hatten, wird angeraten, dieses Medikament einzunehmen.