Vollmond verursacht Schlaflosigkeit und mehr Morde

Verursacht Vollmond wirklich Schlafstörungen und führt zu mehr Selbstmorden oder handelt es sich hier um einen Mythos?


Viele Menschen kennen das Problem: Obwohl der Körper erschöpft ist, das Gehirn nach Ruhe schreit, will sich der erlösende Schlaf nicht einstellen. Man steht auf, trinkt ein Glas warme Milch, schaut ein wenig fern und wagt einen neuen Versuch. Doch, selbst, wenn man dann endlich eingeschlafen ist, bleibt die Erholung aus. Man wirft sich hin und her, wacht mehrmals in der Nacht auf, erholsamer Tiefschlaf ist nicht möglich. Morgens dann, das Laken ist zerwühlt, die Haare stehen in wirren Büscheln vom Kopf ab, der Körper ist unausgeruht und ruhelos. Der Blick geht aus dem Fenster, und da ist er: Ein großer runder Vollmond thront am Himmel. Schnell ist die Verbindung hergestellt: der Himmelskörper muss für die Schlafstörungen verantwortlich sein. Und tatsächlich sind viele Menschen von der Stör-Wirkung des Mondes überzeugt.

Mondhelle Nächte
Forscher sagen, dass vor allem die Helligkeit des Vollmonds für Schlaflosigkeit sorgt. Die strahlende Lichtquelle vermeldet dem Körper, dass der Tag begonnen hat, woraufhin weniger des Schlafhormons Melatonin gebildet wird. Die Folge: Die Menschen sind nachts erstaunlich munter und können nur sehr schlecht schlafen. Auch das Schlafwandeln- medizinisch betrachtet eine Aufwachstörung- wird mit dem Vollmond in Zusammenhang gebracht. Viele Menschen zeigen sich von der Anwesenheit des Vollmondes aber auch gänzlich unbeeindruckt, sie schlafen tief und fest und bemerken von der negativen Wirkung des Monds wenig.

Mond- der wechselhafte Begleiter
Aber dem Mond werden auch noch eine Reihe weiterer Eigenschaften zugesprochen, so ist er angeblich in der Lage, das Böse im Menschen hervorlocken. Vormals friedliche Menschen sollen sich in aggressive Gestalten verwandeln, sobald der runde Mond am Himmel steht. Bereits mittelalterliche Astrologen verwiesen auf den Zusammenhang zwischen Mondphase und menschlicher Gemütslage. Lunatismus beispielsweise bezeichnete eine Form des Nachtwandelns. Das deutsche Wort „Laune“ stammt direkt vom Mondwort “Luna“ ab, launisch, das daraus gebildete Adjektiv benennt Menschen, die von unbeständigen Stimmungen beherrscht werden. Und Verrückte heißen im Englischen gar „lunatics“.

Der Lunar-Effekt
Der Psychiater Arnold L. Lieber ist der Namenspate für den sogenannten Lunar-Effekt, der oft auch als Transsylvanische Hypothese bezeichnet wird. Er knüpfte in seinem Buch: „Der Lunar-Effekt. Wie der Mond Sie beeinflusst“ die Verbindung aus Vollmondnächten und kriminellen Handlungen her, die er in Miami und Cleveland untersucht hatte. Aber nicht nur er ist von den manipulativen Kräften des Vollmonds überzeugt. In Psychiatrien und Krankenhäusern meint man, in Vollmondnächten besonders viel Aktivität wahrzunehmen. So zeigen Schizophrenie-Patienten das ganze Spektrum ihres Wahns und Notaufnahmen sind überfüllt, weil die Unfall- und Tötungsrate dramatisch nach oben schnellt. Auch Kidnappingfälle, häusliche Gewalt, Geburten oder Selbstmorde sollen in Vollmondnächten überproportional häufig vorkommen.

Mondwissenschaften- esoterisches Halbwissen
Obwohl es bereits viele Versuche gegeben hat, den Einfluss des Vollmonds zu beweisen, stellen Wissenschaftler immer wieder fest, dass die Macht des Mondes vor allem in den Köpfen der Menschen existiert. Von Esoterik, Pseudowissenschaft oder Aberglaube ist oft die Rede, wenn der Einfluss des Mondes untersucht werden soll.
Ivan Kelly, James Rotton and Roger Culver (1996) untersuchten 100 Studien, die über den Lunar-Effekt angefertigt wurden und kamen zu dem Ergebnis, dass all diese Untersuchungen keine zuverlässige und signifikante Verbindung zwischen bestimmten Phänomenen oder Verhaltensweisen aufzeigen konnten. Die Forscher wiesen statistische Fehler und argumentative Schwächen fest, die eine objektive Beweisführung unmöglich macht.

Menschlicher (Aber-)Glaube unerschütterlich
Die drei Wissenschaftler machen vor allem die Medien dafür verantwortlich, dass Menschen, trotz gegenteiliger wissenschaftlicher Belege, weiterhin an die unheimliche Kraft des Mondes glauben. So wird in zahlreichen Filmen, Büchern oder Geschichten der Mythos aufrechterhalten. Werwölfe bilden die bildgewaltige und fantasievolle Grundlage vieler Hollywoodstreifen und der transsylvanische Vampir Dracula entfaltet besonders an Vollmondnächten seine ganze grausame Anziehungskraft. Hinzu kommt eine selektive Wahrnehmung: Wenn etwas Unheilvolles geschieht, gibt man dem Vollmond die alleinige Schuld, treten keine solchen Ereignisse auf, haben sie auch keine Bewandtnis.
Ursprung all dieser Legenden sind alte Mondmythen, die über Generationen weitergetragen wurden und sich in falsche Annahmen verwandelt haben. Die Menschen meinen, dass, wenn der Mond, stark genug, um die Gezeiten zu beeinflussen, auch den Menschen nicht ungelenkt lassen kann. Da der menschliche Organismus zu einem Großteil aus Wasser besteht, soll auch er vom Mond entscheidend geprägt werden. Aber anders, als oft vermutete Zusammenhänge, hängt der Mond bestimmende Einfluss nicht mit der Mondphase zusammen sondern mit seiner Distanz zur Erde.