Vom Licht und Botenstoffen

Das Sonnenlicht regt die Botenstoffe in unserem Körper an


Sonnenlicht hebt unsere Stimmung und stärkt das Abwehrsystem. Der Grund dafür ist die Ausschüttung von verschiedenen Botenstoffen in unserem Gehirn, die selbst diese Wirkungen hervorrufen oder zur Bildung weiterer Substanzen im Körper anregen, die diese Effekte auslösen. In jeder Sekunde des Lebens verwandelt sich die Außenwelt um uns herum. Auch innerhalb unseres Körpers gibt es viele Abläufe und Gegebenheiten die sich stetig ändern, wie zum Beispiel die UV-Belastung der verschiedenen Hautschichten. Egal, ob diese Veränderungen nun außerhalb oder innerhalb des Körpers geschehen, sie müssen als Erstes dem Gehirn, entsprechenden Organen und anderen Strukturen im Körper mitgeteilt werden, damit der Körper darauf reagieren kann. Dieses wird von einer Reihe von Botenstoffen übernommen. Zu diesen Überbringern von Nachrichten zählen Hormone, die zwischen verschiedenen Geweben und Organen vermitteln und Neurotransmitter, welche die Reizübertragung der Nerven hemmen oder aktivieren. Die wichtigsten Botenstoffe die unter anderem bei einer Sonneneinstrahlung auf der Haut anregt werden, sind Endorphine, Serotonin und Melatonin. Sie können sowohl als Hormone als auch als Neurotransmitter fungieren.

Endorphine
Endorphine werden auch „Glückshormone“ genannt. Sie werden im Gehirn überwiegend in der Zwirbeldrüse und der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) gebildet. Aber auch außerhalb des Gehirns, zum Beispiel in den Pigmentzellen, wird Endorphin hergestellt. Die Produktion kann sowohl durch sichtbares, als auch durch UV-Licht induziert werden. Durch die Bindung an spezielle Rezeptoren unterdrückt es das Schmerzempfinden, macht uns glücklich und verleiht uns neuen Schwung. Es hilft außerdem gegen Depressionen, reguliert die Temperatur des Körpers und steigert die Darmtätigkeit und die Immunabwehr. Eine weitere Funktion wird von den Endorphinen der Melanozyten übernommen. Sie werden durch die Einwirkung von UV-A-Strahlung angeregt und veranlassen die Bildung von dem Melanozyten stimulierenden Hormon (MSH), welches die Produktion von Melanin in den Pigmentzellen anregt. Endorphine werden vom Körper durch Enzyme abgebaut und haben eine „Lebensdauer“ von circa 37 Minuten. Sie übernehmen aber noch viele andere Aufgaben im Körper, wie die Verständigung zwischen verschiedenen Systemen untereinander und mit dem Gehirn. Die Wirkung ist aber nicht allein durch den Einfluss von Endorphinen gewährleistet. Meist müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, um den jeweiligen Effekt zu erzielen. Serotonin, zum Beispiel, übernimmt teilweise ähnliche Funktionen im Körper und unterstützt damit die Wirkung des Endorphins.

Serotonin
Serotonin wird nach Sonneneinstrahlung im Gehirn aus Tryptophan, einer Aminosäure, und in den Blutplättchen gebildet. Ein Anstieg der Konzentration im Körper hat viele verschiedene Auswirkungen. Das Abwehrsystem wird gestärkt, das Hungergefühl reguliert und ein Übelkeitsempfinden ausgelöst. Es lässt uns wach werden, regelt die Temperatur des Körpers, steuert unseren Sexualtrieb und beeinflusst Angst- und Aggressionsgefühle sowie die Blutgerinnung. Ist der Serotoninspiegel zu niedrig, werden wir müde und bekommen Depressionen. All diese Wirkungen werden aber nicht ausschließlich von Serotonin ausgelöst. Es spielen meist verschiedene Faktoren eine Rolle. Der Botenstoff ist aber maßgeblich an diesen Reaktionen beteiligt. Nach Einwirkung von sichtbarem und UV-Licht ist die Ausschüttung von Serotonin zu messen und die Auswirkungen sind zu beobachten. Serotonin wird durch das Fehlen von Licht in Melatonin umgewandelt.

Melatonin
Melatonin wurde zum ersten Mal in den Pigmentzellen (Melanozyten) der Haut gefunden und verhindert die Produktion von Melanin. Dieses kann freie Radikale im Körper unschädlich machen, welche Proteine und DNA angreifen und beschädigen und so das Krebsrisiko steigern könnten. Die größte Wirkung des Melatonins auf unseren Körper hat ihm den Beinamen „Schlafhormon“ eingebracht. Es überwacht unseren Tag/Nacht-Rhythmus sowie die jahreszeitlich bedingten Veränderungen in unserem Körper. Ein hoher Melatoningehalt lässt uns nachts einschlafen, ein niedriger Spiegel hingegen beschert uns schlaflose Nächte. Ihm haben wir den „Jet lag“ und wahrscheinlich auch die Winterdepression zu verdanken. Der Abbau von Melatonin findet in der Leber statt und wird durch die Einstrahlung von sichtbarem Licht ausgelöst.

Wie es überhaupt zur Ausschüttung dieser Botenstoffe nach Lichteinwirkung kommt, ist sehr komplex und wurde teilweise noch nicht entschlüsselt.