Im Alter von etwa sechs Monaten steigert sich der Energie- und Nährstoffbedarf des Säuglings. Er bewegt sich mehr, ist aufmerksamer und hat auch ordentlich an Gewicht zugelegt. Mit der Zunahme des Körpergewichts ist auch der Gesamtenergiebedarf in die Höhe geschnellt. Die Reserven, die im Mutterleib angelegt wurden, sind nun langsam aufgebraucht. Besonders die Eisenspeicher müssen wieder aufgefüllt werden. Nun kann die Muttermilch oder die Säuglingsanfangsnahrung schrittweise durch Beikost ergänzt werden, bis die Ernährung schließlich nur noch aus den breiigen Mahlzeiten besteht.
Abstillen
Der Abstillprozess ist ein schmerzvoller Abschied von einem geliebten Ritual. Sowohl die Mutter als auch das Kind müssen sich in einem schrittweisen Prozess an die veränderte Situation gewöhnen. Besonders das Kind benötigt in dieser Phase erhöhte Zuwendung, denn Stillen ist viel mehr als nur bloße Nahrungsaufnahme. Für das Kind ist es oft schwer zu begreifen, warum es plötzlich nicht mehr gestillt wird. Es braucht nun eine extra Portion Mutterliebe, um nicht an der Zuneigung der Mutter zu zweifeln. Das Stillen muss nun mit viel Aufmerksamkeit und Hingabe ersetzt werden. Hierzu empfiehlt es sich beispielsweise, den Säugling während des Fütterns im Arm zu halten, denn so wird die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind aufrecht erhalten.
Natürliches (langsames) Abstillen
Dies ist der längste mögliche Prozess, es kann mehrere Jahre dauern, bis das Kind vollständig abgestillt ist. Bei diesem Verfahren entscheidet allein das Kind, wann es bereit ist, für immer auf Muttermilch zu verzichten. Je nach Entwicklungsstand wird das Kind immer weniger, seltener, kürzer und weniger intensiv gestillt. Die Muttermilch wird zunehmend durch Säuglingsmilch aus dem Fläschchen oder andere Nahrung ersetzt. Da nun auch das Baby weniger oft angelegt wird, wird nicht mehr so viel Milch produziert, im weiteren Verlauf bildet sich das Drüsengewebe langsam zurück. Die Milch versiegt umso schneller, je weniger die Brust durch das Baby stimuliert wird. Um diesen natürlichen Prozess zu unterstützen, sollte die Mutter die Milch ausstreichen, jedoch nicht mehr Milch als nötig entleeren, um die Milchbildung nicht wieder in Gang zu setzen. Auch naturheilkundliche oder homöopathische Mittel können unterstützend eingesetzt werden. So wirkt unter anderem die schwarzrote Kermesbeere (Phytolacca) einer Brustentzündung entgegen. Die Abstimmung der Ernährung kann ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten. Salbei- oder Pfefferminztee beispielsweise wirken milchhemmend. Zusätzlich kann die Brust mit kühlen Kompressen beruhigt werden, diese sollten aber nicht direkt auf die nackte Haut gelegt werden, um Erfrierungen zu vermeiden. Sie sollten aber keinesfalls die Flüssigkeitszufuhr einschränken, auch ein Hochbinden oder Einschnürung der prallen Milchbrust kann sich äußerst nachteilig auf die Gesundheit auswirken. Ein eng sitzender – aber passender BH – fördert die Restentleerung der Brust. Wenn sowohl Mutter oder Kind beim Abstillen ein ungutes Gefühl verspüren, sollte zunächst weiter gestillt werden.
Eingeleitetes Abstillen
Auch beim eingeleiteten Abstillen vollzieht sich der Übergang von Muttermilch auf andere Nahrung schrittweise. Hierbei wird dieser Prozess jedoch von der Mutter aktiv unterstützt. Das bedeutet, dass die Brust nicht mehr aktiv angeboten wird, aber auch nicht verweigert wird, wenn das Kind nach ihr sucht. Wenn die Frau die Stillbeziehung beenden möchte, wird sie nach und nach die Muttermilch durch alternative Kost ersetzen. Zunächst sind das die Vormittags- und Nachmittagsmahlzeiten, die langsam auf Beikost umgestellt werden. Diejenigen Stillmahlzeiten, von denen sich das Kind am schwersten trennen kann, bleiben am längsten bestehen. Das sind im Regelfall die am Abend oder vor dem Mittagsschlaf. Doch nicht jede Mahlzeit muss durch eine andere Nahrungsquelle ersetzt werden, denn Stillen ist mehr als Energieaufnahme. Vielmehr stellt es einen wichtigen Kontakt zwischen Mutter und Kind her, der auch ohne die Brustmahlzeit aufrecht erhalten werden muss. Diese Veränderung sollte langsam und etappenweise vonstattengehen.
Schnelles Abstillen
Eine gänzlich andere Form des Abstillens stellt die schnelle oder abrupte Entwöhnung dar. In manchen Fällen kann es nötig werden, dass die Frau von heute auf morgen die Brustmahlzeiten einstellt und auf Fläschchen- und/oder Beikost umsteigen muss. Wenn sich die Stillende zunehmend unter Druck gesetzt fühlt und der enormen körperlichen Belastung nicht mehr standhalten kann, ist es unter Umständen besser, das Stillen vorzeitig zu beenden. Auch, wenn hoch dosierte Medikamente eingenommen oder eine verfrühte Rückkehr ins Berufsleben geplant werden, ist eine solche flotte Entwöhnung nötig. Wenn von einem Tag auf den anderen das Stillen aufgegeben wird, ist das sowohl für die Mutter, aber natürlich auch das Kind ein belastender Zustand. In Einzelfällen kann der Säugling ein emotionales Trauma erleiden. Deshalb ist es besonders bei dieser Form sehr wichtig, dass das Kind weiterhin die gewohnte emotionale Nähe spürt. Aber auch die Mutter wird die Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. Die Brust produziert weiterhin Milch, wenn diese nicht entleert wird, kommt es zum Milchstau, der wiederum zu einer schmerzhaften Brustentzündung oder einem Eitergeschwür (Abszess) führt. Zudem sorgt ein drastischer Abfall des Prolaktinspiegels für Verstimmungen oder gar Depressionen. Frauen, die schnell abstillen wollen oder müssen, sollten ihre Brust regelmäßig ausstreichen. Milchpumpen eignen sich indes nicht für die Entleerung, da diese die Milchbildung anregen. Quarkwickel sind eine weitere Maßnahme, sie stellen das Drüsen- und Gangsystem der Brust weit, das Ausstreichen geht leichter von der Hand.