Voller Bewunderung stehen wir oft vor Meisterwerken der Korbflechter oder bestaunen insbesondere in Norddeutschland die schönen Reetdächer, die mit Hilfe der Weiden gefertigt werden. Und wer kennt heute nicht die weltberühmte Acetylsalicylsäure (ASS), die zum ersten Mal durch F. Hoffmann 1897 synthetisiert wurde? Er erreichte dies durch Acetylierung der vom Italiener R. Pira 1838 erstmals aus dem Salicin der Weidenrinde hergestellten, allerdings sehr nebenwirkungsstarken Salicylsäure. Aber bis dahin war es ein langer Weg:
Schon die alten Ägypter kannten die medizinischen Wirkungen der Rinde der Weide (Salicis cortex), verwendeten sie sie aber nur lokal bei schmerzhaften Entzündungen, Wunden und Schwellungen. Später setzte Hippokrates (460-377 v. Chr.) sie auch gegen Gelenkentzündungen ein. Hildegard von Bingen (1098-1179) benutzte bereits Extrakte der Weidenrinde zusammen mit Pappel bei Schmerzen und Fieber.
Lindert den Schmerz
In fünf klinischen Studien konnte inzwischen die gute schmerzlindernde Wirkung der Weidenrinde bei Gelenkentzündungen (Arthritis), Rückenbeschwerden und Verschleiß des Bewegungsapparates (Arthrose) nachgewiesen werden. Auch verbesserte sich statistisch signifikant die Beweglichkeit der Patienten. Beim Vergleich mit schulmedizinischen Schmerzmedikamenten (nicht steroidale Antirheumatika, also Schmerzmedikamente, die kein Cortison enthalten) wirkte die Weidenrinde als alternative Schmerztherapie genauso gut schmerzlindernd.
Schnelle Wirkung
Im Vergleich zu anderen pflanzlichen Präparaten erfolgt die Wirkung der Weidenrinde relativ schnell. Trotzdem sollte insbesondere am Anfang der Behandlung Weidenrinde mit mindestens 240 mg/Tag, am besten auf drei Einnahmen am Tag verteilt, vorgenommen werden. Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Stillende sollten Extrakte der Weidenrinde mangels vorliegender Untersuchungen nicht anwenden.
Alternative Schmerztherapie mit geringen Nebenwirkungen
Der große Vorteil der Weidenrinde gegenüber schulmedizinischen Schmerzmedikamenten liegt leider weniger im Preis aber dafür in einer sehr geringen Nebenwirkungsrate: Außer allergischen Reaktionen in 5 Prozent der Behandlungen wurden bisher keine spezifischen Effekte entdeckt. Auch wenn die Einnahme der Weidenrinde also weder blutverdünnende noch schleimhautschädigende Effekte des Magen-Darm-Traktes nach sich zieht, sollte jeder Patient, insbesondere solche, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, vor der ersten Einnahme der Weidenrinde mit seinem naturheilkundigen Arzt Rücksprache nehmen. Hervorragend lässt sich Weidenrinde in der Arthrosetherapie auch mit Präparaten, die hochdosierte Chondroitine, Glukosamine und vor allen Dingen Mangan enthalten, kombinieren.
Für die Inhalte dieses Artikels ist der Verfasser Dr. med. Dietmar Katholnigg verantwortlich.