Wenn das Leben krank macht: Zivilisationskrankheiten

Wenn das Leben krank macht: So könnte man Zivilisationskrankheiten beschreiben, die unterschiedlich ausgeprägt sein können.


Immer schneller dreht sich das Leben, kaum ein Moment bleibt Zeit, um Luft zu holen, sich zu besinnen. Arbeit beherrscht das Leben, wird zum alleinigen Lebensinhalt, bis nichts mehr geht: Diagnose Burnout. Die andere Ausprägung der sogenannten Zivilisationskrankheiten oder Lifestylekrankheiten, also solche Phänomene, die aus einem ungesunden Lebensstil entstanden sind, ist der Wunsch nach ewiger Jugend und Schönheit.

Wenn Schönheit krank macht
Es scheint als hätte die Geburt von Barbie vor mehr als 50 Jahren eine Schönheitswelle ausgelöst, die kaum mehr aufzuhalten ist. Heute gehören das Enthaaren der Achseln und Beine, die regelmäßige Benutzung von Make-up und Zahnweißern schon fast zum guten Ton. Daneben wird gecremt, um die Zeichen der Zeit aufzuhalten, getönt, um graue Härchen abzudecken und abgesaugt, um etwa nach einer Schwangerschaft schnell wieder im Bikini eine gute Figur zu machen. Schnell gerät man in einen Teufelskreis, denn ewig jung und attraktiv zu bleiben, ist nun mal doch der Plastikpuppe vorbehalten. Verschiedene psychische Störungen wie das Dorian Gray-Syndrom oder die Tanorexie – die Sonnenbanksucht – sind Ausprägungen dieses neuen Bestrebens nach einem makellosen Äußeren. Zivilisationskrankheiten sind auf dem Vormarsch und zeigen auf, in welche Richtung unser Leben geht. Auch die körperdysmorphe Störung lässt sich hier einordnen. Hierbei fühlen sich die Betroffenen hässlich und unansehnlich und haben ähnlich einer Essstörung ein falsches Bild von sich. Sogar die Sucht nach dem Faltenkiller Botox oder schönheitschirurgischen Eingriffen kennt man bereits.

Wenn Medien krank machen
Auch die Sucht nach Internet, Computer, Fernsehen und PC-Spielen könnte man in diese Schublade psychischer Störungen stecken. Wenn das wirkliche Leben immer mehr in den Hintergrund und nur das helle Flimmern des Monitors Glücksgefühle auslöst, muss gehandelt und notfalls auch behandelt werden. Versunken im Märchenland oder der Welt der Web 2.0 Communitys und Chaträume, wird das soziale Leben vernachlässigt, der Job wird nebensächlich, sogar die Körperhygiene tritt in den Hintergrund. Mittlerweile gibt es erste Therapiezentren für Internetabhängige.

Wenn der Job krank macht
Neu ist auch das Burnout-Syndrom, gelegentlich auch Sven Hannawald-Syndrom genannt. Es bezeichnet jenes seelische Ausgebranntsein, das entsteht, wenn man jeden Tag viel zu viel von sich selbst gibt. Menschen, die gern helfen, sind besonders betroffen. Zu den ersten Symptomen gehören Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche, später kommen Schmerzen am ganzen Körper und völlige emotionale und körperliche Erschöpfung hinzu. Am Ende steht der Selbstmord, wenn nicht erkannt wird, dass gehandelt werden muss. Im Gegensatz zum Burnout-Syndrom ist die Paradies-Depression noch relativ unbekannt.