Wenn Kinder an der Schule rauchen

Wenn Jugendliche an Schulen rauchen, ist es an Lehrern und Eltern etwas dagegen zu unternehmen, um die Gesundheit der Schüler zu schützen.


Nicht nur Eltern haben eine entscheidende Vorbildfunktion für ihre Kinder, auch Schulen sollten ihren Beitrag zur Suchtprävention leisten. Gerade an der Schule ist der Einfluss der Gruppe auf den Einzelnen enorm hoch. Wer dazugehören will, macht, was der Rest der Gruppe auch tut oder von ihm verlangt. Und nicht selten gehört auch der Griff zum Glimmstängel dazu, wenn es darum geht erwachsen oder „cool“ zu wirken.

Warum greifen Jugendliche zur Zigarette?
Gerade Jugendliche befinden sich in einer emotional labilen Lebensphase, in der sie versuchen losgelöst von ihren Eltern eigene Wege zu gehen und ihren Weg zu finden. In dieser Phase sind junge Leute besonders empfänglich für Dinge, die abenteuerlich oder verboten sind. Für junge Menschen gehört Rauchen in die Welt der Erwachsenen, denn nur diese dürfen laut Gesetz rauchen.
In unserem Kulturkreis fehlt ein Übergangsritus vom Kindsein ins Erwachsenenleben. Jugendliche wählen stattdessen kleine Ereignisse wie den ersten Kuss, die erste Zigarette oder die Führerscheinprüfung aus, um den Übergang zum Erwachsensein zu markieren.
Die erste Zigarette führt dann zur Abhängigkeit, wenn verschiedene Faktoren auf den Jugendlichen einwirken. Zu diesen Faktoren zählen das Vorbild der Eltern, die Freunde und die Erreichbarkeit von Tabakwaren. Studien zeigen, dass Kinder rauchender Eltern häufiger zum Glimmstängel greifen als Kinder, die aus einem rauchfreien Haushalt kommen. Die Hemmschwelle für Kinder rauchender Eltern ist also erheblich niedriger. Was dabei nicht außer Acht gelassen werden darf ist die Tatsache, dass Nikotin sehr schnell abhängig macht. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Probieren einer Zigarette und der Nikotinsucht.

Der Einfluss der Eltern
Eltern sind die wichtigsten Vorbilder von Kindern. In Deutschland wachsen immer noch 50 Prozent aller Kinder in Raucherhaushalten auf, das bedeutet in einer Familie, in der entweder Mutter, Vater oder die Großeltern rauchen. Sogar jede fünfte Mutter raucht vor ihrem Baby oder Kleinkind, obgleich gerade bei Babies die Gefahr von schweren Erkrankungen besonders hoch ist. Damit sind vielen Kindern schon von Kindheit an dem Zigarettenrauch ihrer Eltern ausgesetzt und werden zu Passivrauchern. Statistiken zeigen überdies, dass gerade Kinder rauchender Eltern später vermehrt selbst rauchen. Die Eltern scheinen hier also ihren Kindern vorzuleben, das Rauchen vollkommen normal und in Ordnung ist. In Deutschland liegt der Anteil jugendlicher Raucher bei etwa 15,4 Prozent, wobei das Durchschnittsalter, in dem deutsche Jugendliche zum ersten mal zur Zigarette greifen bei etwa 13 Jahren liegt. Österreichische Studien zur Gesundheit von Rauchern zeigten außerdem, dass der frühe Beginn vom Rauchen zu einem erheblich höheren Risiko führt an Lungenkrebs zu erkranken.
Wer als Elternteil verhindern möchte, dass sein Kind später einmal raucht, sollte selbst frühzeitig mit dem Rauchen aufhören. Sprechen Sie außerdem offen mit ihrem Kind über die Nikotinsucht und ihre Folgen und erläutern Sie in diesem Zusammenhang, dass Rauchen weder erwachsen noch besonders „cool“ ist. Achten sie auch darauf, ob im Umfeld ihres Kindes geraucht wird und sprechen Sie es an. Rauchende Freunde sind ein großer Risikofaktor, denn gerade in der Schule ist der Gruppenzwang enorm hoch. Jugendliche beginnen sich an Gleichaltrigen und nicht an den Eltern zu orientieren.

Aufklärung an den Schulen
Jedem sollte klar sein, dass die Schule nicht die Rolle der Eltern bei der Vorbeugung von Suchterkrankungen übernehmen kann. Dennoch haben Schulen die Pflicht sich auch mit den Problemen außerhalb der Schule zu befassen. In der Schule sollten zu diesem Zweck Suchtprävention betrieben werden. Die Schüler sollten die Risiken und Resultate ihres Handelns genau kennen und daraus ihr eigenes „Lebenskonzept“ entwerfen. Schulen haben in diesem Zusammenhang ebenso viel Verantwortung wie die Eltern der einzelnen Schüler. In mehreren Bundesländern existieren bereits Schulprogramme zur Rauchprävention. Solche Programme sollten jedoch nicht nur für Schüler der Mittel- oder Oberstufe angeboten, sondern schon in früher Jugend begonnen werden.

Verschiedene Kampagnen an Schulen
Es existieren sogar schon Programme an Kindergärten und in Grundschulen, denn schon bereits im Grundschulalter beginnen Kinder mit dem Rauchen. Zwischenzeitlich existieren verschiedene Programme zur Suchtvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen. Das Programm „Klasse 2000“ vermittelt Grundschulkindern ein positives Körpergefühl und eine hohes Selbstwertgefühl und soll eine kritische Einstellung gegenüber Drogen und Genussmitteln erzeugen. Außerdem gibt es den Wettbewerb „Be smart, dont start", der Preise für ganze Schulklassen ausschreibt, sollten alle Schüler der Klasse rauchfrei bleiben. Darüber hinaus gibt den Wettbewerb “Nichtrauchen ist angesagt!", der dazu aufruft Aktionen gegen das Rauchen zu entwickelt, welche wiederum mit Preisen belohnt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat außerdem die Kampagne „Kinder stark machen“ im Zusammenarbeit mit verschiedenen Sportvereinen ins Leben gerufen.

Eine umfassende Material- und Literatursammlung speziell zum Thema bietet auch das Institut für Suchtprävention in Linz.