Werbelügen: Übertrieben oder verboten?

Dass die Verheißungen der Werbung übertrieben sind, ist nichts Neues. Werbelügen sind dennoch nicht erlaubt.


Werbung ist überall – mit großmundigen Versprechungen sollen wir zum Kauf animiert werden. Im Fernsehen sieht man Obertopmodel Heidi Klum, wie sie ihre schlanke Linie trotz Fast Food und Yoghurt Gums hält und Familienidylle à la Kerner erreicht man scheinbar mit diversen Putenprodukten.

Was ist erlaubt?
Dass Werbung schamlos übertreibt und lügt, ist nicht neu. In der Milchschnitte steckt beispielsweise angeblich das Beste aus der Milch drin. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat jedoch herausgefunden, dass ein Kind 17 Milchschnitten essen müsste, um den Tagesbedarf an Milch zu decken. Das entspräche allerdings auch 40 Stück Würfelzucker und einem halben Päckchen Butter...
Doch ab wann sind Werbelügen eigentlich verboten? Wo liegt die Grenze zwischen Übertreiben und Irreführen?

Gesetz gegen Irreführung
Laut dem UWG, also dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, ist Übertreibung in der Werbung dann erlaubt, wenn der Verbraucher die Irreführung erkennen kann.
Irreführend ist Werbung bereits dann, wenn 15 Prozent des Verkehrskreises, also der Menschen, die mit der Werbung konfrontiert sind, die Werbung missverstehen. Handelt es sich um bewusste Irreführung ist das Unternehmen verpflichtet, Gewinne aus der Werbung an das Bundesfinanzministerium abzuführen

Was bedeutet irreführend?
Werbung muss wahr sein, alles andere ist verboten. Falsche Werbeaussagen sind genausowenig erlaubt, wie solche, die missverstanden werden können. Auch unvollständige Angaben sind verboten.

Zwei Jahre Garantie – nichts besonderes
Hinweise wie „Bei uns bekommen Sie zwei Jahre Garantie“, sind nicht erlaubt, wenn damit die gesetzliche Gewährleistungspflicht gemeint ist: Schließlich wäre diese Behauptung irreführend, wenn die konkurrierenden Anbieter per Gesetz auch die Garantiezeit anbieten.

Nur das Beste?
„Der Beste“ oder „Die Nr.1“ – solche unbescheidenen Behauptungen dürfen nur aufgestellt werden, wenn dies objektiv nachprüfbar ist, ansonsten gilt diese Art der Werbung als irreführend.

Je älter, desto besser?
Oft wird mit dem Alter des Unternehmens geworben, um so hervorzuheben, dass es sich um ein traditionsreiches Unternehmen handelt, der Kunde verbindet so Zuverlässigkeit und Erfahrung mit dem Betrieb. Irreführend ist es daher, ein falsches Gründungsjahr anzugeben.

Das Kleingedruckte
Auch bei Printwerbung ist nicht alles erlaubt. Wird eine Aussage besonders hervorgehoben, andere wichtige Informationen für den Verbraucher aber nur sehr klein und damit quasi nicht leserlich abgedruckt, liegt möglicherweise ebenfalls ein Verstoß gegen das Irreführungsverbot vor.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss immer aufgeführt sein, auch ein Auslaufmodell muss gekennzeichnet sein.