Werner Bergengruen - Ein Porträt

Der deutsch-baltische Lyriker und Novellist Werner Bergengruen (1892–1954) war zu seinen Lebzeiten einer der meist gelesenen und geschätzten Autoren.


Doch umso gründlicher ist Werner Bergengruen heute vergessen. Nicht zuletzt wohl, weil sein Denken und sein Schreiben, in dem er so sehr das Metaphysische betont hat, kaum mehr dem heutigen Geist entspricht. Ein Denken, für das kennzeichnend war, dass Bergengruen 1936 zum Katholizismus konvertiert ist.

Werner Bergengruen der Soldat
Bergengruen, der einer alten Deutsch-Baltischen Familie aus Riga entstammte, hat zwar den größten Teil seines Lebens in Deutschland verbracht, war aber seiner baltischen Heimat immer verhaftet. Bezeichnend dafür ist, dass er nach dem Ende des Ersten Weltkrieges – an dem er als Kriegsfreiwilliger teilgenommen hatte – als Angehöriger der lettischen Landeswehr – noch heute heißen die Streitkräfte dieses Landes so – an den Kämpfen im Baltikum teilgenommen hat. Offiziell ging es gegen den Kommunismus, tatsächlich aber kämpfte die Landeswehr, die insgeheim ein Regiment des Deutschen Grenzschutzes Ost unter Feldmarschall von der Goltz war, gegen das junge Estland. Bis sie in der Schlacht von Cesis vernichtend geschlagen wurde, woran Estland noch heute mit seinem Nationalfeiertag am 23. Juni erinnert.

Konversion zum Katholizismus
Bergengruen war zwar in seinem tiefen Innern ein Konservativer, aber mit dem heraufziehenden Nationalsozialismus wollte er nichts zu tun haben. Diese wiederum sahen insbesondere in seinem Roman „Der Großtyrann und das Gericht“ eine ihnen nicht genehme Abrechnung. Bergengruen wurde aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Publikations-, Rundfunk- und Vortragsverbot. Bergengruen hat nach seinen universitären Studien nie einen Abschluss gemacht. Nach einigen journalistsischen Versuchen lebte er seit 1927 als freier Schriftsteller. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Bergengruen zeitweilig in Zürich und Rom. Er empfing jetzt vielfältige Ehrungen und wurde 1958 zum Mitglied des von Bundespräsident Theodor Heuss wieder gestifteten Ordens „Pour le Mérite“. Am 4. September 1964 ist Werner Bergengruen in Baden-Baden gestorben.

Werner Bergengruen hat ein reiches Schaffen hinterlassen
Neben zu seiner Zeit viel beacheteten Gedichten gehören zu Bergengruens reichem Schaffen Romane wie „Herzog Karl der Kühne“, „Am Himmel wie auf Erden“ und „Der Goldene Griffel“. Eines seiner meist geschätzten Arbeiten war die Novelle „Die drei Falken“. Werner Bergengruen wollte seinen Zeitgenossen etwas sagen – gerade das hat ihn wohl in Vergessenheit geraten lassen.