Widelux - Fotos wie zu Omas Zeiten

Widelux-Kameras sind die Urgesteine der Fotografie und haben sich in den letzten Jahren unter Kennern zu echten Sammlerstücken gemausert.


Heutzutage besitzt jeder eine mehr oder weniger gute Digitalkamera, mit der wild rumgeknipst werden kann. Fast wahllos wird auf alles draufgehalten – man kann es ja später wieder löschen und von neuem drauf los knipsen. Fast wie aus einer anderen Welt erscheinen da die Widelux-Kameras, ein Urgestein unter den Spezialkameras. Es ist eine Panoramakamera inklusive Rotationsoptik, allerdings in einem handlichen, mechanischen Gehäuse.

Ein Oldy mit vielen Urvätern
Die Widelux der japanischen Firma Panon Camera Shoko Co. Ltd. aus Tokio, die 1948 erstmals auf den Markt gebracht wurde, baute auf einem Prinzip auf, das fast so alt wie die Fotografie selbst war. Der Österreicher Joseph Puschberger war der erste, der 1843 ein Patent für eine Panoramakamera angemeldet hatte. Mit seiner Kamera ließen sich so genannte Daguerreotypien mit einem Bildwinkel von 150 Grad herstellen – aufgenommen durch ein rotierendes 200 Millimeter-Objektiv. Das Ergebnis dabei war ein ungefähr 61 Zentimeter langes Panorama. Nur kurze Zeit nach dem Österreicher hatte Friedrich von Martens mit seinem Megaskop ebenfalls eine Panoramakamera vorgestellt, die ausgereifter als Puschbergers Kamera war, eine mechanische Steuerung besaß und konstantere Belichtungszeiten ermöglichte. Diese frühen Kameras hatten jedoch alle ein Problem: die Unflexibilität des Aufnahmematerials. Weil lediglich mit Nassplatten gearbeitet werden konnte und noch keine praktikablen Glaszylinder vorhanden waren, waren nur plane Fotografien möglich, die dann anschließend aneinandergereiht wurden. Man kennt das Prinzip heute auch von einigen Bildbearbeitungsprogrammen, mit denen man Panoramabilder generieren kann, indem man verschiedene Bilder einfach zusammenmontiert.

Panoramafotografie für Kenner
Die Widelux galt unter Kennern als die beste der Panoramakameras. Bis in die 1980er Jahre wurden die Kameras noch hergestellt und vertrieben. Insgesamt gab es in der Unternehmensgeschichte des Herstellers nur fünf Modelle: Die F1, die am Anfang stand und die F8, die 1988 herauskam. Alle Modelle haben mittlerweile absoluten Sammlerstatus. Im Netz haben sich mittlerweile diverse Communities zusammengefunden. Es gibt Blogs und Widelux-Fanseiten wie. Einer der prominentesten Widelux-Fans ist übrigens der Hollywood-Regisseur Jeff Bridges. Die Widelux-Fotografen sind vor allem Leute, die noch Spaß an einem feinen alten Stück Technik haben und fasziniert davon sind, was man mit mechanischen Einstellungen, eigener Berechnung und Einschätzung so alles machen kann – gewissermaßen ein Anti-Statement zur digitalen Knipserei.