Würzen und Süßen: Darf das Baby Honig essen?

Sollte man Babynahrung überhaupt würzen oder süßen? Darf das Baby Honig essen oder sind schon geringe Mengen zuviel?


Wenn Sie den Babybrei selbst kochen, müssen Sie besonderen Wert auf Würzungs- und Süßungsmittel legen. Bedenken Sie, dass nicht Sie den Brei essen müssen, sondern Ihr Kind. Kommt der Brei Ihnen nach einer Geschmacksprobe zu fade vor? Wollen Sie nachwürzen? Vorsicht, denn für kleine Kinder sind Zusatzstoffe, aber auch „normale" Gewürze wie Salz und Pfeffer eine enorme Belastung des noch unreifen Verdauungssystems.

Honig im ersten Lebensjahr lebensgefährlich
Auf keinen Fall darf das Baby Honig im ersten Lebensjahr essen. Dieser stellt in dieser Beziehung eine besondere Gefahr dar und enthält den gefährlichen Erreger Clostridium botulinum, der bei Babys den sogenannten Säuglingsbotulismus auslösen kann. Daher sollten Kinder bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres keinen Honig zu sich nehmen. Die Art des Honigs stellt dabei keinen Unterschied dar. Selbst bei sorgfältiger Arbeit des Imkers kann das Bakterium enthalten sein. Auch Ahornsirup ist bekannt, die Erkrankung auszulösen. Ebenso bietet die Muttermilch, die reich an Immunstoffen ist, keinen Schutz vor dem Erreger. Sie selbst dürfen aber während der Stillzeit so viel Honig essen, wie sie möchten.

Muskellähmung mit Todesfolge
Das Bakterium Clostridium botulinum gelangt in den Darm und vermehrt sich dort. Anschließend beginnt es zu keimen, das heißt, es bildet Sporen. Die Sporen produzieren dann ein muskellähmendes Gift. Dieses Toxin gelangt über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf, sodass es sich ungehindert im ganzen Körper verteilt. Daraufhin bindet es sich an die Nervenendigungen und verhindert dort die Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen, auch zwischen Nerven- und Muskelzellen. Folglich sind die Muskeln blockiert, gefährliche Lähmungen setzen ein. Zunächst betreffen die Lähmungen nur den Darm, doch im weiteren Verlauf befallen sie den ganzen Körper.

Bei ersten Anzeichen sofort handeln
Erste Anzeichen der Erkrankung sind Nahrungsverweigerung, Trinkunlust und Ruhelosigkeit. Hinzu kommen fehlende Mimik, Saug- und Schluckstörungen, Heiserkeit und ein pfeifendes Atemgeräusch (Stridor). Auch fehlende Muskeleigenreflexe oder Teillähmungen (Parese) können sich zeigen. Wenn eine allgemeine Muskelschwäche – unter anderem an fehlender Kopfkontrolle oder Bewegungsarmut erkennbar – bemerkt wird, ist umgehendes Handeln gefordert. Denn unbehandelt führt der Säuglingsbotulismus zum Tod. Da der Vorgang der Vermehrung und Auskeimung einige Tage bis zu mehreren Wochen andauern kann, müssen Eltern ihren Nachwuchs stets sorgsam beobachten, um bei ersten Auffälligkeiten sofort reagieren zu können.

Warum ist der Erreger gefährlich?
Warum ist dieser Erreger gerade für Babys – besonders in den ersten sechs Lebensmonaten – so gefährlich? Da die Darmflora der Säuglinge zu Beginn ihres Lebens noch relativ unentwickelt ist, kann sie sich gegen schädliche Eindringlinge noch nicht zur Wehr setzen. Erwachsene hingegen besitzen eine voll ausgebildete funktionstüchtige Darmvegetation, die das Clostridium effektiv abwehrt.

Honig in Fertignahrungen
Im Fertigbabybrei darf das Baby Honig jedoch essen. Honig wird als Süßungsmittel auch in fertigen Beikost-Produkten oder Getränken verwendet. Hier besteht aber kein Grund zur Sorge, denn die Hersteller garantieren, dass das Bakterium durch Erhitzung abgetötet wird. Bei einer Temperatur von 121 Grad Celsius werden alle eventuell noch vorhandenen Keime – unter Druck – sicher unschädlich gemacht. In der heimischen Küche sollte daher unbedingt auf Honig verzichtet werden, da diese Bedingungen nicht nachgeahmt werden können.