Wenn es im Frühsommer die Menschen wieder in die Natur zieht, wird einem kleinen Tier durch Pressemeldungen wieder verstärkt Aufmerksamkeit zuteil. Es handelt sich um die nur bis zu zwei Millilmeter große Zecke, die den arglosen Wanderer, den Freizeitsportler, Urlauber, Beschäftigte in Land-, Wald- und Forstwirtschaft oder Bewohner von ausgewiesenen Risikogebieten heimsucht. Bevorzugter Lebensraum des Holzbocks, wie die Zecke auch umgangssprachlich genannt wird, sind hohes Gras, Unterholz und Gebüsch. Zecken werden bei konstanten Temperaturen ab sieben Grad Celsius aktiv und stechen und beißen sich im Wirtskörper von Tieren und Menschen fest. Im Gegensatz zum Mückenstich, bleibt dies jedoch meist unbemerkt. Die Zecke saugt dann Blut aus der Wunde und kann beim Biss durch ihren Speichel Krankheitserreger übertragen. In Mitteleuropa sind dies hauptsächlich Erreger von Borreliose und Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME).
Als Schutz vor diesen Krankheiten wird in den Medien, durch Unternehmen der Pharmabranche und durch Ärzte eine Zeckenimpfung empfohlen.
Zeckenimpfung als Schutz vor FSME
Eine FSME-Erkrankung macht sich nach einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen durch grippeähnliche Symptome (Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein, leichtes Fieber) bemerkbar. Nach weiteren drei Wochen können Infizierte an Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung oder einer Kombination aus beidem erkranken. Die Entzündungen äußern sich durch Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei Gehirnentzündungen drohen Lähmungen, die auch bleibende Schäden verursachen können. Die Zeckenimpfung schützt vor der FSME-Erkrankung. Der Impfstoff enthält abgeschwächte Krankheitserreger, die im Organismus der geimpften Person die Bildung von Antikörpern gegen die FSME-Viren anregen. Eine Grundimmunisierung wird durch drei Impfungen innerhalb eines Jahres erreicht, die alle drei bis fünf Jahre wieder aufgefrischt werden muss. Die Kosten für die Zeckenimpfung übernimmt in der Regel die Krankenkasse.
Auch eine nachträgliche Immunisierung, um einer FSME-Infizierung vorzubeugen, ist innerhalb von 96 Stunden nach einem Zeckenbiss möglich. Dieser Schutz hält allerdings nur einige Monate vor.
Kein Schutz vor Borreliose
Gegen die wesentlich verbreitetere, durch Bakterien verursachte Borreliose, ist derzeit noch keine Zeckenimpfung möglich. Ein entsprechender Impfstoff befindet sich allerdings in der klinischen Erprobung. Bei der Borreliose ist nach Feststellung entsprechender Erreger im Blut eine Behandlung mit Antibiotika möglich. Dazu ist es erforderlich, nach einem Zeckenbiss auf ringförmige Hautrötungen rund um die Bissstelle zu achten. Bei ihrem Auftreten sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, um die Behandlung einzuleiten. Nach einem Zeckenbiss können Entzündungen von Gelenken, des Herzmuskels oder von Nerven auftreten, die bleibende Schäden hinterlassen können, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird. Borreliose kann in schweren Fällen auch zu Hirnhautentzündung und Lähmungserscheinungen führen. Auch lange Zeit nach einem Zeckenbiss kann die Krankheit ausbrechen und chronische Beschwerden hervorrufen.
Nachteile und Nebenwirkungen einer Zeckenimpfung
Die Zeckenimpfung schützt vor einer FSME-Erkrankung, nicht jedoch vor einer Borreliose-Erkrankung, die weitaus häufiger von Zecken übertragen wird. Während Borreliose in ganz Deutschland auftritt, ist die Infektion durch FSME-Viren auf bestimmte Hochrisikogebiete in Süddeutschland beschränkt. Dabei liegt das Risiko einer Infektion in Deutschland bei 50 bis 400 Fällen im Jahr. Rund ein Drittel der Betroffenen erkrankt ernsthaft an FSME, zwei bis zehn Menschen pro Jahr werden dabei dauerhaft geschädigt, „nur“ ein Mensch stirbt statistisch alle zwei bis zehn Jahre an Frühsommer-Meningoencephalitis. Der Impfstoff enthält neben abgetöteter Zeckenviren unter Umständen auch für den Menschen schädliche und gesundheitsgefährdende Bestandteile wie Aluminiumhydroxid, Spuren von Quecksilber oder Antibiotika. Als Nebenwirkungen der Zeckenimpfung können unter anderem folgende Symptome auftreten: grippeähnliche Symptome mit leichtem Fieber, Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, allergische Reaktionen oder Atemnot.
Vorbeugung ist das A und O
Grundsätzlich gilt, dass Vorbeugung der beste Schutz vor von Zecken übertragenen Krankheiten ist. Deshalb sollte in den Risikogebieten eine alle Körperteile bedeckende Kleidung und eine Kopfdeckung getragen werden. Zusätzlich empfiehlt sich der Einsatz von Insektenschutzmitteln. Nach dem Aufenthalt im Freien, sollten Kleidung und Körper – besonders Achselhöhle, Leisten- und Kniebeuge sowie Haaransatz – sorgfältig abgesucht werden. Entdeckte Zecken können mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange vorsichtig entfernt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Teile des Zeckenkopfes in der Bissstelle verbleiben. Zu starker Druck sollte ebenso vermieden werden, wie das Auftragen von Öl oder Klebestoff, da sonst mehr Giftstoffe und Erreger in die Wunde gelangen können.