Zinstage: Die Formel zur Berechnung

Zinstage – damit sind Generationen von Banklehrlingen gequält worden. Heute gibt es für die Berechnung der Zinstage EDV-Programme – doch ist das besser?


Diese Programme berechnen das Jahr zu 360 Tagen, den Monat einheitlich zu 30 Tagen. Die Probleme bleiben trotzdem. Im deutschsprachigen Raum verwenden Banken und Versicherungen für die Berechnung der Zinstage ein anderes System als die übrige Welt.

Zinstage müssen für die Zahlung der Zinsen auf Darlehen und Einlagen berechnet werden

  • Sie spielen auch in der Versicherungsmathematik sowie bei vorzeitiger Kündigung von Darlehen eine Rolle Zinstage werden immer als ganze Tage gezählt. Sie beginnen um 0 Uhr und enden um 24 Uhr. Ein angefangener Tag zählt als ganzer.
  • Unter Umständen wird der Tag der Einzahlung nicht mitgezählt, dann aber der Auszahlung. Bedeutsam – und kompliziert – ist die Berechnung besonders, wenn es darum geht, die Verminderung oder Aufstockung des Kapitals bei vorzeitiger Rückzahlung – etwa bei vorzeitiger Ablösung eines Darlehns – zu berechnen.
  • Dafür haben dann früher die Banklehrlinge Rechenschieber und Rechenschieber gebraucht. Heute geht es mit EDV-Programmen sehr schnell – Hauptsache, die richtigen Zahlen sind eingegeben worden.

Zinstage werden erst seit der Neuzeit berechnet

  • Zwar sind Bankgeschäfte im heutigen Sinne schon seit dem ausgehenden Mittelalter bekannt. Aber Zinsen – und damit Zinstage – für geliehenes Geld kennt man in Europa erst seit dem 18. Jahrhundert. Und Spareinlagen, für die Zinsen zu zahlen sind, ohnehin erst seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.
  • Lange hat man sich in Europa mit dem biblischen Zinsverbot herumgeplagt - ein Problem, das man im islamischen Raum noch heute kennt. Aber auch dort hat man nach Scharia-Grundsätzen Wege gefunden, wie man für ausgeliehenes Geld einen Gegenwert bekommen kann. Und so hat man es in Europa das ganze Mittelalter über gemacht.
  • Das System der frommen Stiftungen hätte überhaupt nicht funktioniert, wenn man nicht Wege gefunden hätte, wie der Stiftungsinhaber einmal im Jahr ein Zinsäquivalent bekommen konnte. Ein Verfahren, das auch im weltlichen Bereich angewandt worden ist.
  • Nur dass hier in Naturalien wie Hühnern oder gewisse Mengen von Getreide die Zinsen geleistet worden sind. Die Sache hat funktioniert, und das christliche Gewissen war beruhigt.

Erst im ausgehenden Mittelatter wurden Zinsen bekannt

  • Die Verhältnisse änderten sich erst, als die nordeuropäischen Kaufleute das Geldsystem der norditalienischen Kollegen kennen lernten. Daran erinnern noch heute Begriffe wie Lombard für die Beleihung von Wertpapieren. Den Fuggern und Welsern blieb es dann im 15. und 16. Jahrhundert vorbehalten, dieses System auch nach Deutschland zu bringen.