Zinsverlauf: Was er über die Wirtschaft verrät

Der Zusammenhang von Zinsverlauf und Wirtschaftswachstum erklärt, anhand des Angebot- und Nachfragemodells.


Im Wirtschaftsleben sind Zinsen keine festen Größen. Sie sind variabel und können steigen oder fallen. Diese Veränderung der Zinssätze im Verlauf der Zeit nennt man den Zinsverlauf. Zunächst sind drei Arten des Zinses zu unterscheiden. Und zwar die Zentralbankzinssätze, die Marktzinssätze und die Bank- und Sparkassenzinssätze. Der Zentralbankzinssatz wird von der Europäischen Zentralbank bestimmt. Zu diesem Zinssatz können sich die Banken und Sparkassen (monetäre Finanzinstitute) bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen. Der Marktzinssatz ist der Zinssatz zu dem sich die Banken und Sparkassen untereinander Geld leihen. Dieser Zinssatz befindet sich innerhalb eines von der Europäischen Zentralbank bestimmten Korridors. Der Bank- und Sparkassenzinssatz ist der Zinssatz zu dem sich die Bürger (nicht monetäre Finanzinstitute) Geld bei den Banken und Sparkassen leihen können.

Zusammenhang des Zinsverlaufs mit der Wirtschaft
Da die Zinssätze, wie nachfolgend erläutert, in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Wirtschaft stehen, ist das Steigen oder Fallen der Zinssätze grundsätzlich nicht signifikant sondern erfolgt in kleinen Schritten. Die Zinssätze steigen, wenn ein starkes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist. Dies kommt daher, dass zu Zeiten starken Wirtschaftswachstums, viel Geld benötigt wird, um das Wachstum zu finanzieren. Dementsprechend sorgt eine Wirtschaftskrise, während derer weniger Geld nachgefragt wird, für einen fallenden Zinsverlauf.

Anwendung des Angebot- und Nachfragemodells auf den Zinsverlauf
Der im vorigen Abschnitt beschriebene Sachverhalt lässt sich mit dem volkswirtschaftlichen Zusammenhang von Angebot und Nachfrage erklären. Wenn die Nachfrage steigt, steigt bei ausgelasteten Kapazitäten der Angebotspreis. Wenn die Nachfrage sinkt, sinkt der Angebotspreis oder die Angebotsmenge.  Übertragen auf den Zinssatz zeigt sich die Anwendbarkeit des Modells. Wenn die Menschen viel Geld bei den Banken und Sparkassen nachfragen, steigt nach dem oben erläuterten Modell der Zinssatz. Folglich weist der Zinsverlauf nach oben. Die erhöhte Nachfrage nach Geldmitteln und der entsprechend erhöhte Umlauf von Geldmitteln deutet auf ein starkes Wirtschaftswachstum hin. Wenn bei den Banken und Sparkassen wenig Geldmittel nachgefragt werden, sinkt also der Zinssatz und der Zinsverlauf weist nach unten. Das bedeutet, dass ein geringer Umlauf von Geldmitteln auf ein geringes, stagnierendes oder schlimmstenfalls sogar sinkendes Wirtschaftswachstum hinweist.