War bislang die Bedeutung der Epiphyse, so der Fachausdruck für die Zirbeldrüse, nicht bekannt, weiß man inzwischen wesentlich mehr über das seltsame Organ. Sie gilt als Produzent des Hormons Melatonin. Die Erforschung der einzelnen Hormone und ihrer Bedeutungen war erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so weit, dass auch bekannt wurde, wie wichtig Melatonin für den menschlichen Körper ist und was wir daher der Zirbeldrüse als Melatoninproduzenten zu verdanken haben.
Melatonin – Das Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert
Jeder kennt das Phänomen der sogenannten „Wintermüdigkeit“ und sein Gegenteil, dass man sich mit Einzug des Frühlings plötzlich viel wacher und vitaler fühlt. Daran dürfte die Epiphyse nicht ganz unbeteiligt sein. Sie ist das Organ, das durch Ausschüttung des Hormons Melatonin den gesamten Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Sobald es dunkel wird, nimmt die Epiphyse ihre Arbeit auf und beginnt mit der Melatonin-Ausschüttung. Das Hormon sorgt für einen tiefen und erholsamen Schlaf. Mit zunehmendem Tageslicht reduziert sie die Hormonproduktion oder unterbricht sie ganz. Ein gesunder, tiefer Schlaf ist für den Körper überlebensnotwendig. Damit man zu bestimmten Rhythmen auch ein- und schließlich durchschlafen kann, muss der Körper sich auf einen bestimmten abwechselnden Schlaf-Wach-Rhythmus einspielen. Das bedeutet in der Regel, dass wir nachts schlafen, wenn die Melatoninproduktion auf Hochtouren läuft und tagsüber fit und erholt sind für Aktivitäten.
Melatoninproduktion in Tageslichtabhängigkeit und künstliche Hormondosierungen
Wenn die Zirbeldrüse mit abnehmendem Tageslicht ihre Tätigkeit aufnimmt und bei Dunkelheit in die Melatonin-Vollproduktion wechselt, ist es verständlich, dass Menschen, die sich dem Tageslicht entziehen und meistens in dunklen Räumen leben, weil sie beispielsweise unter einer Depression leiden, ständig müde sind. Ihr Melatoninspiegel ist nur wesentlich höher als bei Menschen mit einem gesunden Wechselrhythmus. Allerdings gibt es Ereignisse oder Tätigkeiten, die den gesunden Wechsel zwischen Schlaf und Wachzustand erheblich stören können. Hierzu zählt zum Beispiel der Dauereinsatz in der Nachtschicht. Wenn es dunkel ist, müssen diese Menschen ihren Biorhythmus wider die Natur auf Hochtouren bringen, sollen umgekehrt aber dann, wenn die Melatoninproduktion unterbrochen ist – bei Tageslicht – ihren Schlaf nachholen. Das kann zu ernsthaften Dauerstörungen des Schlaf-Wach-Rhythmus‘ führen. Dasselbe Phänomen erleben wir, wenn wir bei einem Interkontinentalflug einen Jet-Lag erleben. Hier könnte eine künstliche Melatonin-Dosis für Abhilfe schaffen und dem Leidenden einen tiefen Schlaf ermöglichen. Allerdings sollte das nicht zum Dauerzustand werden, sonst wird der natürliche Rhythmus dauerhaft geschädigt. Die Zirbeldrüse sorgt im Menschen demnach dafür, dass alles in einem gesunden Wechsel zwischen Aktivität und Erholung abläuft. Wer im Einklang mit dem natürlichen Rhythmus lebt, kann sich lange sehr guter Gesundheit erfreuen.