Zwangsstörungen und Neurosen

Zwangsstörungen lassen den Betroffenen alltägliche Dinge in zwanghaften Wiederholungen tun. Übermäßig häufiges Händewaschen ist ein Beispiel.


Ist der Herd ausgestellt? Der Wasserkocher ausgestöpselt und die Tür doppelt abgeschlossen? Sie sind sich unsicher? Gehören Sie etwa auch zu den Menschen, die dann sicherheitshalber noch einmal nachschauen? Keine Angst! Solange von diesen Gedanken nicht Ihr ganzer Alltag beeinträchtigt ist, müssen Sie sich keine Sorgen machen, unter einer Zwangsstörung zu leiden.
Ist diese nämlich ausgeprägt, ist schnell der ganze Tag mit solchen Handlungen ausgefüllt. Handlungen und Gedanken treten dann auf, ohne dass sich der Betroffene dagegen wehren kann – und das obwohl er selbst merkt, wie unsinnig sie sind. Wird dem Zwang ausnahmsweise einmal nicht nachgegeben, entsteht Anspannung und Angst.

Mögliche Ursachen
Häufig sind Zwangsstörungen eine Art der Angstbewältigung. Hat man beispielsweise Angst vor Krankheiten, kann dies zum Waschzwang werden – der Betroffene denkt, nur so könne er sich die Keime vom Leib halten. Generell können Zwangshandlungen aber auch durch Alkoholabhängigkeit, Essstörungen oder depressive Störungen entstehen, auch biologische Faktoren spielen möglicherweise ein Rolle.

Durch anale Phase entstanden?
In der Psychoanalytik wird eine Zwangsstörung häufig mit einer Fixierung auf die anale Phase erklärt. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr lernen Kinder ihren Schließmuskel zu beherrschen, der Akt des auf die Toilette gehens macht ihnen zumeist großen Spaß: Sie lernen triebhafte Bedürfnisse zu kontrollieren und empfinden Befriedigung darin, Dinge aufzuschieben.
Ist jedoch zum Beispiel die Erziehung der Eltern in Bezug auf das Töpfchen gehen sehr streng, kann es sein, dass die unbefriedigten Bedürfnisse des Kindes unbewusst bis in das Erwachsenenalter anhalten. Wurde also die Faszination für Fäkalien von den Eltern nicht zugelassen, können sich so Abwehrmechanismen bilden, die sich im Erwachsenenalter dann zu übertriebener Hygiene umkehren.

Alles noch ganz normal?
Meist beginnt eine Zwangsstörung zwischen 20 und 25 Jahren, manchmal treten sie jedoch auch schon bei Kindern auf. Etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, Symptome finden sich jedoch bei etwa 8 Prozent der Deutschen. Denn auch gesunde Menschen zeigen manchmal Verhaltensweisen, die einer Zwangsstörung ähneln. Dazu gehören besonders häufig übertriebene Reinlichkeit oder Kontrollzwang.
Es ist quasi unmöglich eine scharfe Grenze zwischen tatsächlichen Zwangserscheinungen und nur zwangähnlichem Verhalten aufzustellen.

Neurose und Zwangsstörung: Wo ist der Unterschied?
Bei einer Neurose handelt es sich grob gesagt um eine psychische Störung. Früher war der Terminus ein genereller Überbegriff unter anderem für Zwangsstörungen aber auch für Hysterie und Hypochondrie. Er umfasste also sehr verschiedene Krankheitsbilder. Außerdem wurde der Begriff „Neurose“ dem der „Psychose“ gegenübergestellt. Man ging davon aus, dass jemand der unter einer Neurose leidet, sich der Störung bewusst sei, außerdem sei nie die gesamte Persönlichkeit betroffen, die Ursachen wurden als rein psychisch betrachtet. Die Psychose dagegen sollte körperliche Ursachen haben, außerdem seien sich die Patienten hier nicht ihrer Krankheit bewusst.
Heute geht man jedoch nicht mehr davon aus, dass man klar zwischen psychisch und körperlich verursachten Störungen trennen kann, meist haben beide Faktoren Einfluss auf das Krankheitsbild.