Zwanziger Jahre: Die Mode wird bequem

Die goldenen zwanziger Jahre waren bestimmt durch Aufbruch. Die Mode war geprägt durch die zunehmende Emanzipation der Frau.


Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kam 1918 auch das Wahlrecht für die Frauen. Auch in anderen Bereichen forderten Frauen mehr Selbstbestimmung. Sie waren berufstätig, beispielsweise als Sekretärin, machten Sport oder gingen aus. Für diesen aktiven Lebensstil brauchten die Frauen der zwanziger Jahre Kleidung, die Bewegungsfreiheit zuließ. So verabschiedete sich das Korsett und der bequemere Büstenhalter setzte sich durch. Aber nicht nur die Unterbekleidung war in den zwanziger Jahren gravierenden Veränderungen ausgesetzt. Auch heute noch hat das Jahrzehnt einen großen Einfluss auf die Mode. Neben dem kleinen Schwarzen haben sich auch Hemd- und Stilkleider durch ihren komfortablen Schnitt durchgesetzt.

Rebellion beim Rocksaum

  • Coco Chanel erschuf mit dem kleinen Schwarzen einen modischen Dauerbrenner – und erregte gleichzeitig die Gemüter. Der schlichte unauffällige Schnitt, der weder Taille noch Dekolleté betonte, erinnerte Zeitgenossen durch seine Farbe an Kleider für Witwen oder gar Dienstmädchen. 
  • Auch die schockierende Kürze – der Rocksaum endete am Knie – provozierte. Doch erlaubte Coco Chanels Kreation Bewegungsfreiheit und verzieh Flecken durch seine gedeckte Farbe. Damit war das kleine Schwarze die ideale Bekleidung für einen aktiven Lebensstil.

Raus aus dem Korsett, rein in die Freiheit

  • Die Röcke endeten am Knie - somit rückten das erste Mal Damenstrümpfe in den Mittelpunkt. So kamen fleischfarbene Strümpfe auf, die die Beine nackt wirken ließen. Aber auch Strümpfe mit Glitzerappplikationen waren beliebt. Die Kleider der Zwanziger Jahre waren meist knabenhaft geschnitten. Auf die Betonung des Dekolletés oder der Taille wurde verzichtet. Somit war die neue Mode für die Frauen weitaus komfortabler. Typisch für die Zeit waren so die Hemdkleider, die weit und gerade geschnitten sind. 
  • Zuvor wurden die zumeist schulter- und rückenfreien Kleider nur von Arbeiterinnen getragen, doch durch ihren bequemen Schnitt waren sie schnell quer durch die Gesellschaft beliebt. Zwar wurde in der Mode der Zeit viel mit den Geschlechterrollen gespielt, doch zum Ende des Jahrzehnts kamen femininere Schnitte wieder in Mode. Insbesondere in der Abendkleidung setzten sich sogenannte Stilkleider durch. Zu den knabenhaften Schnitten trugen modische Vorreiterinnen den typischen Haarschnitt der Zeit, den Bubikopf. Der praktische Kurzhaarschnitt passte zum aktiven Lebensstil der Damenwelt. Vorreiterinnen für diesen modernen Look waren Coco Chanel aber auch der dänische Stummfilmstar Asta Nielsen.

Schlichte Kleider, mondäne Accessoires

  • Da die Kleider meist schlicht waren, konnte die Damenwelt durch modische Accessoires Akzente setzen. Typisch für die Zeit waren lange Perlenkette aber auch Federn oder Kunstblumen. Handtaschen waren zierlich und mit Perlen oder Pailleten bestickt. Handschuhe reichten bis zum Ellenbogen. 
  • Auch die Federboa und die Zigarettenspitze waren typische Accessoires der zwanziger Jahre. Die Männermode der Zeit war im Vergleich zur schillernden Damenmode wenig aufregend. Bei jüngeren Männern setzte sich in der Abendmode der Smoking durch und löste so den Frack ab. Modische Männer legten ihre Haare mit Pomade eng an den Kopf an. Vorreiter war der Schauspieler Rudolph Valentino.